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Die Post im Westallgäu

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Rathaus Lindau
 
 

Lindau Reichskloster
Reichsstift

Im frühen 9.Jahrhundert wurde in Lindau am Bodensee ein 822 erstmals genanntes Damenstift (Unsere liebe Frau unter den Linden) gegründet. Im 13. Jahrhundert löste sich die allmählich entstandene Stadt in langen Auseinandersetzungen aus dessen Herrschaft. 1466 wurde die Äbtissin gefürstet. Seit dem 16. Jahrhundert war das Stift reichsunmittelbar und zählte zum schwäbischen Reichskreis. Es hatte kein eigenes Herrschaftsgebiet, sondern nur zahlreiche Güter, aus denen es seine Einkünfte bezog. 1803 kam es als Teil des Fürstentums Lindau an die Fürsten von Bretzenheim und damit 1804 an Österreich und 1805 an Bayern.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S.303

 
     
     
 

Lindau Reichsstadt

Lindau am Bodensee erscheint erstmals 882 als Damenstift, das vermutlich von Graf Adalbert von Rätien aus der Familie der Burcharde im frühen 9. Jahrhundert gegründet wurde. Vor 1216 wurde Lindau Stadt. Bereits um 1240 galt diese als reich. Unter Rudolf von Habsburg erlangte sie die Stellung einer Reichsstadt. In den Auseinandersetzungen mit dem Kloster vermochte sie sich bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts im wesentlichen durchzusetzen. 1396 erlangte sie den Blutbann und die Befreiung vom stiftischen Hochgericht. 1430/1648 gewann sie die Pfandschaft der Reichsvogtei über die Kelhöfe des Stifts. Kurz vor 1530 trat sie zur Reformation über. 1803 kam die zum schwäbischen Reichskreis zählende Stadt mit 1,5 Quadratmeilen Gebiet und 6000 Einwohnern an die Fürsten von Bretzenheim (Fürstentum Lindau), dann an Österreich, 1805 an Bayern. Zwischen 1945 und 1956 nahm Lindau wegen seiner Zugehörigkeit zur französischen Besatzungszone einerseits und zu Bayern andererseits eine Sonderstellung ein.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S.303

 

 
     
 

Fürstentum Lindau

Die Fürsten von Bretzenheim erlangten 1803 die Reichsstadt und das Reichskloster Lindau als Fürstentum Lindau. Sie gaben es 1804 gegen Güter in Ungarn an Österreich. 1805 fiel es an Bayern.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S.303

 
 
 
   
 
Eglofs
Teil von Argenbühl
 
 

Grafschaft Eglofs

Die Herrschaft Eglofs in Oberschwaben kam von den Udalrichingern über die Grafen von Kirchberg und Württemberg-Grüningen 1243 an die Staufer und wurde danach Reichsgut. Dieses wurde mehrfach verpfändet und von den Pfandberechtigten erheblich geschmälert, so dass sich ihr Gebiet nach 1500 auf die nähere Umgebung des Dorfes Eglofs zwischen Oberer Argen und Unterer Argen beschränkte. 1582 löste Kaiser Rudolf II. die Pfandschaft ein. 1661 wurde sie als Reichsgrafschaft an die Grafen von Abensberg und Traun verkauft, die 1662 Sitz und Stimme im schwäbischen Reichsgrafenkollegium und beim schwäbischen Reichskreis erlangten.

Zur Grafschaft zählten auch die im Allgäu zerstreuten Freien vom oberen und unteren Sturz, ehemals reichsfreie Bauern. 1804 wurde Eglofs von Fürst Windischgrätz erworben und 1805 zusammen mit der Herrschaft Siggen zum Reichsfürstentum Windischgrätz erhoben. 1806 kam Eglofs mit rund 2 Quadratmeilen bzw. 35 Quadratkilometern und etwa 2000 Einwohnern an Württemberg. Die Bauern von Eglofs bewahrten eigene, vielleicht auf fränkische Wehrbauernsiedlung zurückgehende, jedenfalls seit 1243 bezeugte Freiheiten bis ins 19. Jahrhundert.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S.125

 
     
 
 
 
Siggen
Teil von Argenbühl
 
 

Herrschaft Siggen

Siggen bei Ravensburg erscheint erstmals 1094 (ze demo Siggun) in einer Vergabung an das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. 1128 und 1372 begegnen wir den Herren von Siggen. Die vier Dörfer umfassende Herrschaft, die wohl seit Ende des 13. Jahrhunderts Lehen des Stifts Kempten war, kam am Ende des 14 Jahrhunderts an die Sürgen von Sürgenstein, dann an die von Praßberg, von Schellenberg, von Heimenhofen, von Schellenberg zu Kißlegg und 1433 an die Familie Humpis. Nach deren Aussterben 1730 verkaufte das Stift Kempten 1764 die zum Ritterkanton Hegau-Bodensee-Allgäu des Ritterkreises Schwaben steuernde Herrschaft an die Grafen Traun und Abensberg. Zusammen mit deren Grafschaft Eglofs kam sie 1804 an die Fürsten Windischgrätz und 1806 an Württemberg.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S.520

 
 
         
 
 
 
 
 

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Vorne sehen sie einen Lannenwagen, der normalerweise von einem Pferd gezogen wurde und hinten einen Planwagen für zwei Pferde. Dem Lannenwagen wurden bei schwerer Ladung bis zu 10 Pferde vorgespannt. Auch die anderen Wagen hatten bei schwerer Ladung oder starker Straßensteigung einen größeren "Vorspann".

 
 

Der Zeltwagen wurde ebenfalls von zwei Pferden gezogen.

 
 

Der große Handelswagen wurde vierspännig gefahren.

Vom 12./13. Jahrhundert bis ins 17. Jahrhundert dürften sich die Handelswagen nicht wesentlich verändert haben.

Die Aufnahmen stammen vom Rutenfest in Ravensburg 2005. Dort wurde im Festzug die Große Ravensburger Handelsgesellschaft dargestellt.

 
 
 

Wer über die Verkehrsgeschichte im Westallgäu berichten will, kommt nicht umhin sich einen räumlichen und zeitlichen Rahmen abzustecken. Ich betrachte hier die Verkehrsgeschichte der Gegend zwischen Lindau und Immenstadt/Sonthofen im Norden begrenzt von der Linie Wangen, Leutkirch, Kempten. Ich beschäftige mich also mit dem Westallgäu und etwas Ringsherum. Zu diesem Ringsherum gehört auch Bregenz und der Bregenzer Wald. Den zeitlichen Rahmen bildet als Anfang das ausgehende Mittelalter und als Ende ca. das Jahr 1870. Grundlage dieser Website ist eine Arbeit von M. Wiedemann von ca. 1930. Ich habe aber einiges gekürzt, verändert und vieles ergänzt und hinzugefügt.

I. Das Lindauer und Westallgäuer Botenwesen

Lindau wurde vor 1216 Stadt und um das Jahr 1240 herum galt Lindau schon als reich. Bereits im 10. Jahrhundert gab es in Lindau einen Markt. Er wurde vom Kloster Lindau zu Äschach und später auf der Insel veranstaltet. Gehandelt wurden Wein, Edelobst und Gemüse von den Kulturen des Klosters St. Gallen, Flachs und der beim Schiffsbau benötigte Kuder (Hanf). Aus dem westlichen Allgäu und dem Bregenzer Wald wurde dieser Markt mit Schmalz, Käse und Vieh beschickt. Die oberschwäbischen Bauern fuhren Getreide an. Zu diesem Nahhandel gesellte sich bald der Fernhandel mit dem Süden. Südländer, Savojarden oder Venetianer genannt, besuchten den Markt als Kleinhändler. Bedeutungsvoller ist die Tatsache, dass schon 917 deutsche Kaufleute in Italien Leinwand im großen absetzten. Nicht zuletzt sind dabei Lindauer Händler zu nennen, "Lindisch Tuch" war in den italienischen Städten begehrt. Als Rückfracht brachten diese Warenzüge Seide, Geschmeide, Gewürze. Wenn das Kloster St. Gallen 1050 vom Bodensee Pfeffer bezog, so dürfen wir den Lieferanten wohl nur in Lindau suchen, denn mit dem Obersee stand St. Gallen der dortigen Besitzungen wegen in besonders lebhafter Verbindung. Selbstverständlich unterhielten die Lindauer Kaufleute auch mit den Handelsplätzen des Reiches Beziehung. Die Warenzüge nach und von dort führten zum großen Teil durch das Westallgäu. Infolge seiner Lage wurde Lindau ein Stapelplatz großen Ranges. Der Transitverkehr machte folgende Warenhallen nötig: ein Gredhaus (für Waren aller Art), ein Kornhaus, mehrere Salzstadel, ein Tuchhaus, ein Weinhaus. Auch hatte Lindau einen eigenen Brettermarkt. Dieser ausgedehnte Handel bedurfte eines geregelten Botenwesens.

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1. Die fahrenden Boten

Lindau war am Ausgang des Mittelalters mit folgenden Städten durch regelmäßig verkehrende Boten (ordinari) verbunden: Mailand, Venedig-Bozen-Meran, St. Gallen, Rorschach, Konstanz, Wangen, Isny, Kempten, Leutkirch, Memmingen, Augsburg, Nürnberg, München, Ulm, Frankfurt, Hall in Tirol. Zum Teil gingen diese Boten von Lindau ab, zum Teil kamen sie als Beauftragte anderer Städte dort an. Auch die vom Stift Kempten bestellten Boten, die lange Zeit zu Buchenberg wohnten, durchzogen das Westallgäu. Auch zu Immenstadt wird ein Lindauer Bote genannt.

Sicher schon sehr früh zog die Stadt Lindau, wie andere Städte auch, das Botenwesen in den Bereich ihrer Auffsicht. Die Boten und deren Auftraggeber, die Kaufleute, konnten sich damit um so leichter abfinden, als sie durch die Aufsicht zu Schutzbefohlenen der Stadt wurden. Die Reichsstadt Lindau übte den regelmäßigen Schutz ursprünglich in der Weise aus, dass sie den Warenzügen einen Ratsherrn als verantwortlichen Begleiter mitgab. Dieser trug einen Mantel in den Farben der Stadt (weißgrün), einen Brustschild mit Stadtwappen und einen Spieß. Später als die Botenkurse sich stark vermehrt hatten, unterblieb die Begleitung durch einen Ratsherrn. Die Stadt zeigte von da ab den gewährten Schutz an, in dem jeder Bote als städtisches "Gleit" Brustschild und Spieß tragen durfte.

Gleich den anderen Reichsstädten verlieh auch Lindau die Botenrechte an geeignete Personen. Nicht immer fanden sich solche unter den Bürgern und Untertanen der Stadt. Vor allem war es nicht immer leicht, fahrende Boten zu finden, denn diese mussten nicht nur die nötigen Pferde und Wagen besitzen, sondern auch eine hohe Kaution zu stellen imstande sein. Letztere betrug um die Mitte des 18. Jahrhunderts 1000 fl (Gulden), eine beim damaligen Geldwert sehr beträchtliche Summe. Zu dieser Zeit hat ein Tagelöhner zwischen 6 und 8 Kreuzer am Tag verdient, und da 60 Kreuzer ein Gulden sind, hat eine Tagelöhner für diese Summe zwischen 25 und 30 Jahre arbeiten müssen. Man kann also die 1000 fl mit heute etwa 1 000 000 Euro gleich setzen. Wir dürfen uns also unter "Boten" keine armen Briefträger vorstellen, sondern das waren von der Stadt lizenzierte Speditionsunternehmen, die Waren und Briefe transportierten. Daneben gab es natürlich auch Boten zu Fuß und reitende Boten, aber dazu später mehr.

Der Rat der Stadt verpflichtete deshalb unbedenklich Untertanen anderer Städte als Boten. So waren mitte des 18. Jahrhunderts die Brüder Rist zu Heimenkirch, damals Vorderösterreich, Wengen (Trauchburg) und Pronten (Hochstift Augsburg) der Stadt Lindau als Boten für den Kurs Lindau - Bozen verpflichtet. Der Mailänder Botenkurs, über den noch mehr zu sagen sein wird, war aus Zweckmäßigkeitsgründen fast ausschließlich Bewohnern des über dem See gelegenen Fußach anvertraut.

2. Die Botenordnungen

Wiederholt erließ Lindau Botenordnungen. Diese bestimmten, meist im Einvernehmen mit den anderen Reichsständen vor allem die Laderechte und die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Boten. Dabei wurde unterschieden zwischen "beauftragten Boten" (Ordinari) und Fuhrleuten. Die Ordinari sollten zu bestimmter Stunde abfahren und am Ziele eintreffen. 1707 musste z.B. der Augsburger Bote zu Lindau am Dienstag Abend abfahren und sollte am Samstag früh in Augsburg eintreffen. Die Rückfahrt war am gleichen Tage abends anzutreten. Hatte der Bote aber keine entsprechende Rückfracht, dann durfte er bis längstens zum nächsten Dienstag warten. Die gleiche Warte- oder Stapelzeit wurde auch zu Lindau gewährt. So eine Botenfahrt nach Augsburg und zurück konnte also durchaus zu einer 14-tägigen Reise werden. Die Fuhrleute, auch Rader genannt, waren entgegen den Ordinari, an keine Zeit gebunden. Sie durften ruhig warten, bis sie eine volle Ladung hatten. So konnte es vorkommen, dass eine Viertelstunde nach der mit halbleerem Wagen erfolgten Abfahrt eines Boten für einen Rader volle Fracht einlief. Die Städte begegneten dieser Benachteiligung der Boten auf verschiedene Weise. Vor allem standen den Ordinari höhere Fuhrlöhne zu (Eilguttaxe).

Wiederholt versuchte man zu Lindau eine Verlängerung der Stapelzeit zu Gunsten der Boten durchzuführen. Aber die Kaufleute bekämpften eine solche Verzögerung der Warenabfuhr leidenschaftlich. 1728 musste die auf 11 Tage verlängerte Stapelzeit auf 6 Tage verkürzt werden. da erschienen sofort die Boten klagend auf dem Plan. Vielfach griffen sie zur Selbsthilfe, indem sie eigenmächtig die Stapelzeiten verlängerten. Dann beschwerten sich sofort die Kaufleute und die Rader. Der Rat verbesserte die Stellung der Ordinari auch in der Weise, dass er ihnen die Abfuhr feiner Waren ausschließlich zusprach. Als solche kamen in Betracht Südfrüchte, Gewürze, Tabak, Gewebe, Spitzen, Geschmeide, Kleider und "Barettle", Drogen, Geld.

3. Organisation und Betrieb der fahrenden Boten

Zwischen der Stadt Lindau und den mit ihr durch unmittelbaren Botenzug verbundenen Städten durfte vereinbarungsgemäß kein Etappendienst stattfinden. Es war also beispielsweise verboten, dass ein von Lindau nach Frankfurt gehendes Frachtstück in Lindau dem Ulmer Boten übergeben wurde, um in Ulm an den zwischen Ulm und Frankfurt verkehrenden Boten überzugehen. Vielmehr hatten die von Lindau bis Frankfurt fahrenden Boten das Recht auf die Sendung. Immer wieder missachteten die Boten diese Vorschrift und gaben dadurch Anlass zu endlosen diplomatischen Verhandlungen. Wie sehr sich solche Streitigkeiten zuspitzen konnten, dafür ein Beispiel:

Im Jahre 1751 überbrachte der zwischen Memmingen und Augsburg verkehrende Bote acht für Lindau bestimmte Fässchen Kienruß nach Memmingen. Der zu Memmingen als Lindauer Bote bestellte Fuhrmann brachte die Ware an den Bestimmungsort. Nach der Vorschrift hätte die Fracht dem von Augsburg bis Lindau fahrenden Boten gebührt. Der Memminger wurde deshalb im Gredhaus zu Lindau um 4 fl (Gulden) bestraft (etwa ein Monatseinkommen). Die Strafe war zu Recht verhängt. Infolge irreführender Berichterstattung des Bestraften aber verlangte der Rat von Memmingen die Rückerstattung des Betrages unter Androhung der "reichs-Constitutions-mäßigen Gegenmittel". Das heißt, Memmingen würde bei Weigerung die Lindauer beim uralten "Landgericht auf Leutkircher Heide" zu Weingarten verklagen.

Auch die Zahl der Wagen, welcher sich jeder Bote bei einer Fahrt bedienen durfte, wurde von den Städten als eine organisatorische Frage behandelt. Um 1730 war diese Frage zwischen Lindau und Frankfurt folgendermaßen geregelt: Der Lindauer Bote zu Frankfurt durfte bei jeder Fahrt mit drei "Geschirren" (Wagen) nach Lindau kommen, während dem von der Stadt Lindau für die Fahrt nach Frankfurt bestellten Boten zwei Wagen zustanden. Nur während der Frankfurter Messe durfte er drei Wagen laden. Die Städte achteten streng darauf, dass die ankommenden fremden Boten diese Vorschriften einhielten. 1733 büßte die Stadt Lindau den mit vier statt mit drei Wagen ankommenden Frankfurter Boten um den hohen Betrag von 20 fl (Gulden). Der Frankfurter hatte mit diesem vierten Wagen dem von Lindau nach Frankfurt fahrenden Boten den größten Teil der Rückfracht abgejagt.

Der Betrieb des Botenwesens machte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Wandlungen durch. Im frühen Mittelalter und zum Teil noch in späterer Zeit wurde der Botendienst vielfach durch Fußgänger versehen; noch um 1640 zog ein Bote zu Fuß nach Konstanz. Anderserseits wissen wir, dass schon sehr früh berittene Boten den Verkehr vermittelten. Ein Botenritt von Lindau nach Mailand lässt sich schon für das Jahr 1440 nachweisen. Aus noch früherer Zeit wird von einem Botenritt von Innsbruck über Nassereit - Leermoos - Füssen - Kempten nach Lindau berichtet. Schon 1373 ließ der Fürstabt von Kempten den Saumweg durch den Kempter Wald zu einer fahrbaren Straße ausbauen. Also wurde schon im 14. Jahrhundert der zwischen Innsbruck und Lindau betriebene Säumerverkehr wenigstens streckenweise durch fahrende Boten abgelöst.

Die Boten zu Fuß beförderten kleinere Pakete, Wertsachen, Geld, vor allem aber Briefe. Die reitenden Boten taten das gleiche in ausgedehnterem Maß. Aber erst durch den Dienst der fahrenden Boten konnte sich der Warenverkehr befriedigend entwickeln. Der ganze Handelsverkehr sollte sich an die Heer- oder Landstraßen halten. Diese von den Kaisern wiederholt getroffene Anordnung diente der Stadt Lindau des öfteren als Rückhalt für ihre Verkehrspoltik. Hierzu habe ich auch einen Beitrag über den Straßenbau im vorderösterreichischen Westallgäu in den Seitenrändern der nächsten Seiten.

Als Heer- oder Landstraßen waren im Allgäu folgende Strecken anerkannt:

1. Ulm - Biberach - Aitrach - Lindau

2. Innsbruck - Nassereit - Leermoos - Füssen - Kempten - Isny - Wangen - Lindau

3. Augsburg - Memmingen - Leutkirch - Gebratzhofen - Wangen - Lindau

4. Lindau - Feldkirch - Lichtenstein - Pünten (Graubünden)

Außer von diesen Straßen wurde das bayerische Allgäu berührt von dem noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts zum Teil nur mit Saumtieren benützbaren Weg:

5. Innsbruck - Reutte - Hindelang - Sonthofen - Immenstadt - Simmerberg - Rucksteig - Bregenz

Über die Zustände der Straßen im Westallgäu stellte der Kreisconvent von Schwaben zu Ulm 1760 fest: Die Straße von Lindau nach Kempten sei die schlechteste im ganzen schwäbischen Kreis. Der im Jahre 1506 niedergeschriebene Wasserburger (Bodensee) Gerichtsbrauch erlaubte den Bauern ausdrücklich, in die Pfützen der Straßen vor ihren Häusern Streu zu legen zwecks Düngergewinnung. Die Straßen außerhalb der Ortschaften verpachtete die Herrschaft streckenweise auf je zwei Wochen an die Meistbietenden zu gleichem Zweck. Diese Gepflogenheit war nachweislich noch weit im 17. Jahrhundert in Übung. Im Allgäu wurde es vielerorts ebenso getrieben.

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