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Die Post im Westallgäu

Seite 10

 
 
Straßenzoll

Westallgäuer Verkehrsverhältnisse im Wandel der Zeiten

(Fortsetzung von S. 9)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 2. Band Nr.22 S. 110, Oktober 1926, Ausschnitte einer Arbeit von Alfred Schneidawind

Man machte Eingaben beim Landgericht Weiler, indem man sich darauf berief, dass die Weitnauer Straße schon immer als öffentliche Landstraße betrachtet worden sei. Es half nicht, der bayerische Staat baute keine neuen Straßen mehr. Auch der Einwand, es handle sich nur um den Ausbau einer Jahrhunderte alten Straße, fruchtete nichts. Da nahmen die in Betracht kommenden Gemeinden die Ausbesserung und den Umbau selbst in die Hand. Aber ein Teil der Bevölkerung war gegen das Projekt, es wurde geschickt dagegen gehetzt und eine scharfe Protestschrift an das Landgericht Weiler gesandt. Die Nachteile wurden möglichst schwarz gemalt. Im Krieg würden die "Deserteurs und Traineurs" ins Land gelockt, Schleichhändler, Hausierer und Vaganten würden das stille Tal überfallen. Obwohl das Landgericht für die Straße war, wurde das Projekt doch von der Regierung verworfen und ebenso vom König Maximilian I. selbst.

Große Schwierigkeiten aller Art hatte auch der Straßenbau Bregenz - Weiler, ja sogar die Arlbergstraße zu überwinden. Fürchteten doch verschiedene Stände und Reichsstädte, dass dadurch der Verkehr auf ihren Straßen abnehme, sie dadurch also um ihre Einnahmen kämen. Vor allem die Reichsstädte Lindau, Kempten, Ulm, Wangen, und Isny richteten an die "Creyß-Versammlung" ein "Pro Memoria" dagegen, dass die bisher über die Rucksteig verlaufene Straße durch eine neue Straße Weiler - Langen - Bregenz ersetzt werden sollte, wo bisher nie eine Straße existierte.

Die Kreisversammlung schrieb in diesem Sinne sofort an den Minister Freiherrn von Widmann, aber bereits im Mai hatte das K. K. Oberamt Bregenz mit dem Bau der Straße von beiden Seiten begonnen. Am 19. November 1766 war die neue Straße von Bregenz über Fluh (heute über Wirtatobel), Langen bis zum Siechenhaus gleich vor dem Flecken Weiler in einer Breite von 18 Tiroler Schuh schon fertiggebaut. Im folgenden Jahre 1767 sollte noch fertiggestellt werden die 1 1/2 stündige Strecke vom Leprosorium Weiler bis an die gräfl. Königseggsche Grenze auf dem Hahnschenkel und die ungefähr 1 1/2 stündige Strecke von Weiler bis Dreiheiligen in die dortige alte Landstraße Isny - Memmingen. Die Kosten kamen auf 100 000 fl., während der Voranschlag nur auf rund 39 000 fl. gelautet hatte. 4000 fl. gab die Stadt Bregenz, 9000 fl. die Gerichte Altenburg, Hofrieden, Sulzberg, Simmerberg, Grünenbach und Kellhöf. Außerdem wurden von den Gerichten Altenburg, Simmerberg und Kellhöf Naturalfuhren im Werte von mehr als 2000 fl. geleistet.

Bald hatte die neue Straße über Langen nach Bregenz lebhaften Verkehr, namentlich mit Salz, doch hörte das auf, als bei der Rückgabe von Vorarlberg an Österreich am 7. Juli 1814 das Landgericht Weiler bei Bayern verblieb. So nahm der der Verkehr der bayrisch gebliebenen Landesteile mit Bregenz ein rasches Ende und die Straße blieb still.

So gingen wohl 2 Straßen im Westallgäu, die über Heimenkirch und die über Weiler an den Bodensee, Lindenberg aber hatte immer noch keine Straße im eigentlichen Sinne. Unter der bayerischen Regierung wurde die damalige Landstraße von Seltmanns über Schüttentobel, Ebratzhofen, Schönau, Röthenbach, Heimenkirch, Opfenbach und Niederstaufen nach Lindau gebaut. Bauleiter war, wie auch bei der Rohrachstraße, Architekt Kinkelin. Auch Weiler wollte man damals durch eine Poststraße über Scheidegg bis nach Gmünd mit jener verbinden; aber das Projekt kam nur bis Scheidegg zustande: es ist die herrliche Rohrachstraße, neben der neueren Oberjochstraße - 1895 - 1900 mit gewaltigen Schleifen erbaut, sodass trotz des Höhenunterschiedes von 362 Meter die Straße nur eine Steigung von 5,7 Prozent aufweist, gegen 18 Prozent der alten Straße, die schönste im ganzen Allgäu.

Die Weilerer waren der Strecke abgeneigt, weil sie befürchteten, dass sie ihnen in Kriegszeiten Soldaten zuführen könne. Auch diese Strecke ist nicht von heute auf morgen gebaut worden. Seit 1811 ging man mit dem Gedanken um, eine Straße von Scheidegg zur Gmündmühle zu bauen; aber es dauerte doch bis 1835, bis sie gebaut war. Von Lindau musste die Strecke nach Gmünd weitergeführt werden, wenn sie einen Sinn haben sollte. Lange war man sich nicht darüber einig, welche Linienführung eingeschlagen werden sollte, ob über den Kinberg oder durch das Rohrach; man wollte möglichst viele gemeinden zur Concurrenz, zur Mitarbeit heranziehen, die aber sträubten sich dagegen usw.

Erst viel später, 1878, kam dann die Distriktstraße Riedhirsch - Lindenberg - Scheidegg zur Ausführung. Und als letzte Straßen wurden gebaut Weiler - Neuhaus und schließlich Harbatzhofen - Maierhöfen - Landesgrenze.

 
         
 
 
 
 
 
 
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(Fortsetzung von Seite 9)

Der Ausbau des Postwesens brachte eine Anzahl Linien, die von der Hauptroute Augsburg - Kempten - Lindau abzweigten. Die Verbindung Kempten - Immenstadt wurde bereits genannt. Die dort seit Anfang der vierziger Jahre täglich verkehrende Karriolpost ersetzte man 1846 durch eine tägliche Postwagenfahrt und schloss eine Fahrpost Immenstadt - Sonthofen an. 1851 verlängerte man letztere Fahrt bis Oberstdorf. Um allen Ortschaften dieser Strecke zu dienen, ging die Hinfahrt rechts der Iller über die Orte Altstätten, Hinnang, Schöllang, Reichenbach, Rubi, die Rückfahrt links der Iller über Langenwang, Fischen, Sigishofen. 1858 fuhr man an Tagen mit gerader Datumszahl rechts hinauf, links herunter, an Tagen mit ungerader Datumszahl umgekehrt. Im Juli des gleichen Jahres ordnete das K. B. Staatsministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten auf eine Beschwerde des Immenstädter Poststallhalters Severin Hilsenbeck an, der Weg rechts der Iller sei wegen Terrainschwierigkeiten als Postweg aufzugeben und zu Fischen sei eine Postablage zu errichten.

Im Jahre 1852 verwirklichte die bayerische Postverwaltung einen schon 1810 gehegten Plan: eine direkte Eilwagenverbindung Kempten - Immenstadt - Oberstaufen - Weiler - Niederstaufen - Lindau. Expedition und Poststall übernahm zu Oberstaufen der Adlerwirt Joseph Anton Keck, zu Weiler der Rößlewirt Anton Wucher.

Im Jahre 1853 erhielt Hindelang eine Postexpedition. Von der Hauptlinie zweigte auch der Kurs Nellenbruck - Isny - Wangen ab. Der seit 1683 bestehenden Relaisstation Holzleute wurde mit der Eröffnung dieser Route ein Ende bereitet, indem der Poststall nach Isny kam. An dieser Stelle soll auch über das Schicksal der ältesten Poststation im Allgäu, der ehemaligen vorderösterreichischen Posthalterei Kimratshofen berichtet werden. Nach der am 15. April 1806 erfolgten Aufhebung der vorderösterreichischen Posten wurde Kimratshofen Relaisstation der Verbindung zwischen den Poststrecken Augsburg - Leutkirch - Lindau und Augsburg - Kempten - Lindau.

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In dieser Zeit gehörte das ganze nordöstlich von Kimratshofen gelegene Gebiet zum Zustellbezirk Wolfertschwenden, das südöstlich von Kimratshofen gelegene Gebiet zu den Zustellbezirken Kempten und Nellenbruck. Mit Eröffnung der Eilwagenverbindung Kempten - Leutkirch - Waldsee am 1. November 1851 wurde die Relaisstation Kimratshofen Postexpedition. Als Expeditorin und Poststallhalterin bestellte die bayerische Postverwaltung Maria Seitz. Witwe des 1850 verstorbenen Poststallhalters Joseph Anton Seitz. Dem Postzustellbezirk Kimratshofen wurde nun das ganze Gebiet vom Schwarzen Grat bis Lauttrach (bei Memmingen) zugewiesen.

Die Eröffnung der letzten Teilstrecken der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn Oberstaufen - Aeschach am 12. Oktober 1853 und Aeschach - Lindau Bf. am 1. März 1854 schuf für die Post im Westallgäu neue Bedingungen. Die Bahn entzog der Postroute Augsburg - Kempten - Lindau die Daseinsberechtigung. Diese Postverbindung wurde den auch bald aufgelassen.. Die Vereinigung von Post- und Bahnbehörde erfolgte aber zunächst nur zu Lindau. Dort verlegte man 1854 das Postamt aus dem Langensee'ischen Haus in den Bahnhof und unterstellte den Gesamtbetrieb dem Eisenbahningenieur Wilhelm Eichhorn. Dessen mittelbarer Nachfolger als Vorstand der beiden Ämter wurde der Postverwalter Siry (1870).

An der einige Zeit nach der Eröffnung errichteten Haltestelle Harbatshofen sehen wir im Jahr 1855 den Bahnexpeditor als Vertragsangestellten der Post. Das gleiche Verhältnis wurde 1856 zu Immenstadt nach dem Tod des Postexpeditors Welz geschaffen, indem der Bahnexpeditor Wiedemann neben der Witwe Welz erfolgreich als Bewerber um die Postexpedition auftrat. Die Vereinigung der Bahn- und Postexpeditionen zu Oberstaufen und Röthenbach erfolgte am 1. Januar 1857. Die Postexpedition Röthenbach-Bahnhof wurde dabei neu geschaffen, den die Postexpedition Röthenbach-Ort blieb noch bestehen bis zum Tode des Expeditors und Poststallhalters Friedrich Bechter 1865. Dass zu Röthenbach zwei Postexpeditionen unterhalten wurden, entsprach nicht etwa einem Verkehrsbedürfnis. Vielmehr wurde der Fortbestand der Expedition Röthenbach-Ort verfügt zur Belohnung des Bechter für seine treue Anhänglichkeit an das bayerische Herrscherhaus. Von 1865 an verblieb dem Ort Röthenbach eine Postablage.

Im Quellgebiet der Argen erfolgten in den fünziger Jahren des 19. Jahr-hunderts verschiedene Postkursänderungen. Nach Einstellung des Postkurses Augsburg - Lindau blieb eine Route Kempten - Isny übrig. Von letzterer zweigte zu Nellenbruck eine Karriolverbindung nach Harbatshofen ab. Als der Kurs Kempten - Isny 1855 aufgelassen wurde, führte die Postexpeditorin und Poststallhalterin Maximiliana Kolb zu Nellenbruck im Auftrage der Postverwaltung eine Influenzfahrt Isny - Nellenbruck . Harbatshofen durch. Zugleich wurde in Weitnau eine Postexpedition errichtet mit täglicher Karriolfahrt nach Harbatshofen. Postexpedition und Poststall übernahm der bedeutende Unternehmer Karl Hirnbein. Die Postfreuden der Weitnauer sollten indes bald unterbrochen werden. Nämlich schon 1856 stellte man den alten Zustand wieder her: Wagenverbindung Kempten - Nellenbruck - Isny mit Karriolabzweigung Nellenbruck - Harbatshofen. Weitnau wurde dann wieder dem Bestellbezirk Nellenbruck zugeteilt. 1858 stellte man die Verbindung Nellenbruck - Harbatshofen ein und Weitnau erhielt seine Poststelle wieder mit täglicher Fahrt nach Harbatshofen.

Eine direkte Verbindung zwischen Isny und dem Landgerichtsbezirk Weiler wurde zunächst nicht wieder aufgenommen. Die Handel treibenden Bewohner der Stadt Isny empfanden diesen Mangel sehr nachteilig. Sie bemühten sich, Postverbindung mit Röthenbach-Bahnhof zu gewinnen. Die bayerische Generalpostdirektion verhielt sich jedoch diesen Wünschen gegenüber ablehnend.

Bayerischer Posthof


Die Begründung hierfür ist bemerkenswert, denn sie sagt uns, dass man in jener Zeit die Post noch als eine rein staatspolitische Angelegenheit auffasste und sich ängstlich hütete, ihr den Anschein eines rentierlichen Unternehmens zu geben. Dem ablehnenden Bescheid wurde nämlich beigefügt, den postalischen Bedürfnissen genüge die Verbindung von Isny über Kempten in die Röthenbacher Gegend vollständig. Eine Postwagenfahrt einzurichten, damit die Isnyer (Ausländer!) bequem zum Bahnhof Röthenbach kämen, um Ausflüge an den Bodensee machen zu können, dazu habe die bayerische Postverwaltung keinen Anlass. Diese Verbindung über Kempten bedeutete einen Umweg von etwa 70 km, d.h. etwa das Fünffache des nächsten Weges. 1861 kam die Omnibusfahrt Röthenbach - Isny aber doch zustande. Die Durchführung wurde dem Röthenbacher Poststallhalter Bechter übertragen.

Das Jahr 1864 brachte den Bewohnern des äußeren Bregenzer Waldes bessere Postverhältnisse. Bis zu dieser Zeit verkehrte eine Karriolpost Bregenz - Egg - Bezau. Das große Dorf Hittisau mit seiner Umgebung war durch einen wöchentlich viermal gehenden Boten mit Egg postalisch verbunden. Nun wurde eine tägliche Postfahrt Oberstaufen - Krumbach - Hittisau eingeführt. Den Poststall übertrug man dem Hittisauer Expedienten Joseph Mennel. Diese als "Vereinsverbindung" betriebene Fahrt wurde gemeinsam auf Bayerns und Österreichs Kosten unterhalten.

Auch Balderschwang, das "bayerische Sibirien", sah sich nun dem Postverkehr näher gerückt. Das bekannte entlegene Gebirgsdörflein hatte schon 1864 eine Briefablage. Einlaufende Briefe mussten in Sonthofen abgeholt werden. Der Weg dorthin war während des langen Gebirgswinters überhaupt nicht gangbar. Nun kam Balderschwang zum österreichischen Zustellbezirk Hittisau. Für den Transport der Briefe von Hittisau musste Bayern an Österreich eine Pauschalentschädigung bezahlen. Vom Umfang der Balderschwanger Korrespondenz jener Zeit erhalten wir ein Bild, wenn wir hören, dass diese Entschädigung nach lange vorausgegangener Briefzählung auf vierteljährlich 18 Kr. festgesetzt wurde.

Als ein ähnliches Beispiel solcher Verkehrsruhe sei Niederstaufen angeführt. Der dortige Zolleinnehmer, der jede Geldsendung zu Lindau aufgeben musste, beantragte 1848 die Errichtung einer Expedition bei der dortigen Relaisstation. Die Generalpostadministration lehnte das Gesuch ab mit der Begründung, in Niederstaufen seien sicher keine drei Individuen, welche lesen können.

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