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Die Post im Westallgäu

Seite 14

 
 

Brief von Lindau nach Tettnang aus dem Jahre 1779. Gestempelt ist der Brief mit dem ersten Lindauer Poststempel "v.Lindau". Der Altbriefsammler spricht von einem "adligen" Stempel, da das "v" "von" bedeutet. Die Briefgebühr betrug 2 Kreuzer, siehe den Vermerk unten links.

 

Kurzgeschichte

1635 Taxisches Postamt und Poststall, Kurs Augsburg-Lindau
1680 Taxischer Kurs Ulm-Lindau
1683 Taxischer Kurs Lindau-Kempten
1771 Vorderösterreichischer Kurs Bregenz-Lindau
1778 Vorderösterreichischer Kurs Freiburg-Lindau-Bregenz
1806 Postamt der Taxischen Lehenposten in Bayern
1808 Kgl. Bayer. Postamt

Postamtsvorstände

1635 Sebastian Kobolt
ca. 1645 Wilhelm Kobolt (Sohn)
1650 Martin Herzog
1657 Anton Frey
1693 Johann Nikolaus von Luftfeld

Die oben genannten waren Postverwalter, jetzt folgen die Postmeister.

1739 Matthias Anton von Schmid
1746 Franz Joseph Cramer
1770 Johann Rochus Söhnlein
1786 Heinrich von Haysdorf
1809 von Kray
1837 Freiherr von Tautphoeus
1844 Wenzeslaus Böttinger
1854 Seiler (Postmeister und Betriebsinspektor)
1862 Wilhelm Eichhorn (Betriebsingenieur)
1870 Siry (Post- und Bahnmeister)

Poststallhalter

1635 Balthes Boden
1683 Balthes Schreyvogel
Hans Jakob Schreyvogel (Sohn)
dann Konrad Müller
1681 Postschreiber Joseph Heinzel
1683 Postverwalter Johann Nikolaus Wilhelm von Lustfeld
1739 Postmeister Matthias von Schmid
1748 Johann Georg Göttler
1773 Andreas Hechelmann
1773 Bernhard Oberdorfer
1800 Johann Friedrich Zagelmayer
1842 Georg Wilhelm Späth

Neben den im Text links genannten Offizialen und Gehilfen sind mir noch folgende Briefträger und Packer bekannt.

1635 "Tampe Anne" Briefträgerin nach Ravensburg
1683 "Salomon Haugs Sohn" Briefträger für Lindau
1808 Matthias Göttler Briefträger und Packer,
dessen Nachfolger Johann Greif bis 1842
1842 August Grassinger
1870 B. Greif

 

Brief ca. 1865 von Lindau, über die Schweiz, auf dem Landweg nach Civitavecchia im Kirchenstaat. Der Brief ist tarifgemäß mit 15 Kreuzern bis zur römischen Grenze frankiert, das Porto im Kirchenstaat musste vom Empfänger entrichtet werden.

Posthäuser

1496/97 im Rathaus Briefablage

1635 Haus des Hans Georg Kick auf der Achbruck

1660 "aufm Baumplatz" (Marktplatz)

1675 "aufm Markth" (alter Markt)

1697-1841 ein ehemals städtisches Gebäude in der Fischergasse (jetzt Hotel Alte Post), dazwischen 1817 nach der Zerstörung der Landtorbrücke vorübergehend Gastwirtschaft Köchlin in Reutin

1841-1854 Langenseeisches Haus (Institut der Englischen Fräulein)

1854-1903 alter Bahnhof

1903 Postamtsgebäude

 

Das Telegraphenwesen

Der "Metallweg" Augsburg-Lindau gehört zu den frühesten Telegraphenlinien Bayerns. Als im Februar 1851 die Verbindung Augsburg-Ulm vollendet wurde, war die Südlinie schon bis Kaubeuren ausgebaut. Der Vorstand des Telegraphenamtes in München, Regierungsrat Dyck, erteilte als Kommisär zur Erbauung des Staatstelegraphen am 29. Januar 1851 den Auftrag, die Drahtverbindung mit Lindau herzustellen. Im folgenden Juni begann der Bau auf fünf Teilstrecken zu gleicher Zeit.

Bis Kempten hielt man sich an den Bahnkörper. Zwischen Kempten und Lindau war der Bahnbau aber noch wenig fortgeschritten; man stritt sich noch wegen Richtungsänderungen herum. deshalb verließ die Linie zu Kempten die Richtung der Bahn und folgte der Poststraße über Buchenberg-Wengen-Nellenbruck-Röthenbach-Niederstaufen-Lindau.

Das Lindauer Telegraphenamt wurde im Postamtsgebäude 1. Stock Nordseite untergebracht. Dort stellte der Ingenieur Gumbart im September des genannten Jahres den Apparat auf. Am 12. Oktober 1851 nahm man die Telegraphenlinie Augsburg-Lindau in Betrieb. Das Personal des Lindauer Telegraphenamtes bestand bei der Eröffnung aus dem Vorsteher Schauensee, dem zweiten Telegraphisten Schüler und dem Stationsdiener Hofmann.

Als mit dem Bau der Teilstrecke Kaufbeuren-Lindau begonnen wurde, war schon eine Drahtverbindung Wien-Innsbruck-Bregenz hergestellt. Die bayerische Telegraphen-verwaltung suchte Anschluss von Lindau nach Bregenz. Zunächst lehnte König Max II. diese Verbindung ab, man habe ja zu Salzburg schon Drahtanschluss an Österreich. Die Telegraphenverwaltung wandte ein, bei Störungen auf dieser einen Linie könnte der Verkehr tagelang unterbrochen werden, worauf der König am 18. Juli 1851 zu Hohen-schwangau die Linie Lindau-Lochau (mit Anschluss an Bregenz) genehmigte.

Verschiedene Hemmnisse schoben aber den Anschluss auf lange Zeit hinaus. Zunächst beharrten die bayerischen Telegraphen-Techniker auf der Ansicht, man könne ohne gemeinsame Grenzstation nicht auskommen. Da die Grenzstation der Ostverbindung in Österreich (Salzburg) war, erwartete Bayern, an der neuen Linie müsse die gemeinsame Station zu Lindau errichtet werden. Österreich dagegen hielt eine gemeinsame Grenzstation überhaupt für überflüssig, falls beide Länder gleiche Apparate benützten. Hingegen wandte Bayern ein, die angeblich weittragenden Apparate Österreichs würden wohl enttäuschen. Überdies dürfte nach den damals geltenden Bestimmungen nach Österreich nur Regierungstelegramme ohne Übertelegraphierung eingelassen werden, nicht aber Privattelegramme.

Gerade als diese Verhandlungen auf dem toten Punkt angelangt waren, beschloss die Konferenz des Internationalen Telegraphenvereins 1851 die Einführung des Morseapparates. Ferner einigten sich die Länder, alle internationalen Telegramme als Vereinseinkommen zu berechnen und diese Einnahmen unter den Mitgliedern zu verteilen nach der Länge der dem internationalen Verkehr zur Verfügung stehenden Drahtleitungen. Sowohl Bayern als auch Österreich hatten nun ein Interesse daran, den Anschluss Lindau-Bregenz herzustellen und dadurch den Linien Augsburg-Lindau und Wien-Bregenz den Charakter internationaler Drahtverbindungen zu geben.

Verkehrspolitische Bedenken ließen aber den Plan auch jetzt noch nicht zur Ausführung kommen. Österreich verlangte, Bayern solle vorher das bindende Versprechen geben, dass 3 Monate nach dem Anschluss Bregenz-Lindau eine Drahtverbindung Lindau-Friedrichshafen eröffnet werde. Bayern wünschte eine direkte Telegraphenleitung nach St. Margarethen (Schweiz) über österreichisches Gebiet zu bauen. Österreich lehnte ab, weil es selber eine Leitung Bregenz-Schweiz zu bauen beabsichtigte.

Und auch Bayern ging auf die Forderung des Partners nicht ein. Eine Verbindung Lindau-Friedrichshafen würde den Verkehr von der Linie Wien-München-Ulm-Stuttgart ablenken, so dass Ost-West-Telegramme Bayern nur auf der kurzen Strecke Lindau-Landesgrenze durchliefen. Österreich wandte ein, dadurch entstände für Bayern kein finanzieller Nachteil, da der Einkommensanteil der Länder ja nach der Länge internationaler Leitungen berechnet würde, gleichviel ob die Telegramme die Länder durchlaufen hätten oder nicht. Dies ließ Bayern jedoch nicht gelten. Die Abmachung bezüglich der internationalen Telegramme könnte wieder geändert werden, der Verein könnte sich auflösen. In solchen Fällen hätte Bayern das Nachsehen.

Durch das Versprechen Bayerns, sofort nach der Herstellung des Anschlusses Lindau-Bregenz mit Württemberg zwecks einer Verbindung Lindau-Friedrichshafen zu verhandeln, fühlte sich Österreich nicht genügend gesichert. Andererseits wäre Bayern durch die verlangte Bindung bei den mit Württemberg einzuleitenden Verhandlungen aller Trümpfe bar gewesen.

So standen die Dinge im Dezember 1852. Inzwischen hatte aber jeder der beiden Staaten in der Hoffnung auf diplomatischen Erfolg die Leitung bis zur Grenze bei Lochau gebaut, so dass nun zwei Drahtenden warteten, aneinander gebunden zu werden - und zwar ein volles Jahr lang. Zugleich hatte Bayern mit Württemberg über eine zu bauende Drahtverbindung Lindau-Friedrichshafen verhandelt. Im Dezember 1853 führten diese Verhandlungen zu einem Vertrage, durch welchen die Linie Lindau-Friedrichshafen gesichert wurde. Hierauf knüpfte man zu Lochau das bayerische und das österreichische Drahtende zusammen, und vom 1. Januar 1854 war die Linie Augsburg-Lindau international.

Der Lindauer Telegrahenverkehr entwickelte sich schon von der ersten Zeit an stetig weiter. Im Januar 1853 nahm das dortige Telegraphenamt den Nachtdienst auf. Im 1. Quartal 1854 verbrauchte man 300 Depeschenformularien und 750 Brouillons, im letzten Quartal hingegen 500 Depeschenformularien und 1500 Brouillons.

Auf Depeschenformularien wurden die eingehenden Telegramme festgehalten und zugestellt. Brouillons sind Aufgabeformulare.

1856 eröffnete Württemberg die Unterseeleitung Friedrichshafen-Schweiz (Romanshorn), 1865 die gleiche Kreßbronn-Österreich (Haardt).  Westallgäuer Orte erhielten Telegraphen in folgenden Jahren:

1867 Immenstadt
1870 Sonthofen und Oberstdorf
1874 Lindenberg
1879 Weitnau
1885 Kimratshofen und Scheidegg
1888 Buchenberg und Wengen

         
 
 
 
 
 

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Einige Posttaxen

1. Lindauer Boten-Brieftaxe 1677

nach Nürnberg:

1/4 Bogen 6 Kr.
1/2 Bogen 7 Kr.
1 Bogen 9 Kr.
2 Bogen 10 Kr.
1 Lothbrief 5 Kr.
1 Pf.-Paket 18 Kr.
100 Dukaten 24 Kr.

nach St. Gallen:

1/4 Bogen 2 Kr.
1/2 Bogen 2 Kr.
1 Bogen 3 Kr.
1 Lothbrief 1 Kr.
1 Pf.-Paket 2 Kr.
100 Dukaten 6 Kr.
100 fl. in Silber 6 Kr.

2. Taxen der Mailänder Boten

Personenbeförderung von Lindau nach Mailand 1628: Rittgeld samt Verpflegung 24 Reichsthaler.

1731: Brief mit 1/4 bis 1/2 Bogen 6 Soldi, mit 3/4 Bogen 8 Soldi, mit 1 Bogen 14 Soldi, mit 1 1/2 Bogen 20 Soldi.

1806: einfacher Brief nach Como oder Mailand 6 Bluzger (Bluzger ist eine kleine Silbermünze Graubündens, Wert zwischen Pfennig und Kreuzer)

Doppelbrief 9 Bluzger, 100 fl. in Gold bis Graubünden 15 Kr., von dort nach Thusis 2 Kr., von dort nach Splügen 5 Kr.; 100 fl. in Silber für die angeführten Strecken 20, 3, 6 Kr.

1812: Brief bis 1 Loth von Mailand zur kgl. bayer. Poststation Feldkirch 6 Kr., bis 2 Loth 9 Kr., darüber 12 Kr.

3. Lindau - Bregenz

1771: einfacher Brief 2 Kr.

4. Württembergische Lehenspost und kgl. bayerische Post 1837

Wangen - Augsburg mit Eilwagen die Person 3 fl 48 Kr. für Württemberg, 5 fl 36 Kr. für Bayern; mit Packwagen für Württemberg 2 fl 24 Kr., für Bayern 4 fl 30 Kr.

Wangen - Lindau mit Eilwagen für Württemberg 1 fl 36 Kr.

5. Kgl. bayer. Post

1841: München - Lindau mit Eilwagen 40 Pfund Gepäck frei, 13 fl 2 Kr.

 

1 Kr. schwarz, Platte 1, oben mit doppelter Trennungslinie, sowie allen Trennungslinien, entwertet mit dem Stempel Lindau Nr. 7 (Typ Winkler 8a) aus der Vorphilazeit

Dieser Schwarze Einser wurde im Jahre 2000 beim Auktions-Haus Deider für 3500.- DM ausgerufen.

Es sei noch einmal erwähnt, dass der Stempel Lindau Nr. 8 (Einzeiler, Winklertyp 7) auch noch in der Markenzeit verwendet wurde.

 
 

Lindau

Wir haben über Lindau ja schon ausführlich gesprochen, doch lassen sie mich noch einige Ergänzungen anbringen.

Zu Lindau treffen wir als Postamtsvorstände nie Vertragsangestellte, sondern schon seit Eröffnung der Route Augsburg - Lindau 1635 Berufsbeamte. Die Poststelle Lindau war nämlich nie eine Posthalterei, sondern von Anfang ein Postamt, als dessen Inhaber der jeweilige Augsburger Postmeister bestellt wurde, der zugleich Postmeister des Postamtes Ulm war. Er ließ den Dienst zu Lindau und Ulm durch Verwalter ausüben.

Wir hörten, dass als erster Postverwalter Sebastian Kobolt berufen wurde, der Schwager des Augsburger Postmeisters David Frey. Kobolts Nachfolger war sein Sohn Wilhelm Kobolt. Nach dessen frühem Tod erhielt Martin Herzog von Meßkirch den Dienst gegen das Versprechen, Kobolts Witwe zu ehelichen. Diese Witwenversorgung war früher gar nicht selten.

In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurde das Lindauer Postamt durch einen Beamten versehen. 1680 sprach man zu Lindau unmutig und verächtlich von 3 Postmeistern wie von einem sich stark vermehrenden Ungeziefer. In Wirklichkeit waren um jene Zeit dem Lindauer Postverwalter Anton Frey der Postschreiber Joseph Heinzel und ein Gehilfe beigegeben. Wir treffen um jene Zeit wohl deswegen 3 Postbeamte zu Lindau, weil Heinzel zugleich Poststallhalter war und die Konkurrrenzritte gegen den Konstanzer Boten persönlich durchführte.

1739 versah erstmals ein Postmeister in der Person des Anton von Schmid den Dienst zu Lindau. 1771 waren tätig der Postverwalter und spätere Postmeister Joseph Cramer, der Offizial Andreas Rauffer und der unständige Gehilfe Wölfle. 1810 finden wir 3 ständige Beamte beim Lindauer Postamt, nämlich den Postmeister Kray, den aus der Taxischen Zeit übernommenen Postverwalter Adam Tauber, nun Offizial und Expeditor, und den Offizial Georg Limpert. Hinzu kommen als Briefträger und Packer Matthias Göttler, als Packergehilfe Johann Göttler (Sohn des Matthias G.)

1844 wurde die Führung des Lindauer Postamtes als besonders schwierig bezeichnet, weil es die Verbindung mit den anderen Bodenseeländern aufrecht zu erhalten hatte. Überdies war die bayerische Post Mitglied der Lindauer Dampfschifffahrtsgesellschaft, weshalb das Rechnungswesen besondere Anforderungen an den Lindauer Postamtsvorstand stellte. Die Generaladministration der bayerischen Posten berief deshalb den als hervorragend befähigt bekannten Postmeister Wenzeslaus Böttinger nach Lindau.

Nach der Vereinigung von Post- und Bahnamt treffen wir zu Lindau als Vorstände zunächst Techniker, von 1870 an wieder einen Postbeamten. Unter den 11 Taxischen und 6 bayerischen Postamtsvorständen, die 1635 bis 1870 amtierten, waren 6 Adlige. Auffallend oft wurden in der Taxischen Zeit Söhne und entfernte Verwandte höherer Postbeamter nach Lindau berufen. Die Besoldung der Lindauer Postamtsvorstände war ziemlich hoch. Postmeister Söhnlein bezog 1770 ein Jahresgehalt von 800 fl (Gulden) bei freier Wohnung. Sehr kärglich hingegen waren die Gehilfen entlohnt. Heinrich Söhnlein, der Sohn des ebengenannten Postmeisters, bezog 1771 das jahresgehalt von 200 fl, der Gehilfe Rauffer 100 fl. Die immer wiederkehrenden Gesuche um Aufbesserung und einmalige Entschuldungszulagen, die nicht endenden Klagen über die "teure Lebsucht der Stadt Lindau" geben Zeugnis von der Unzulänglichkeit dieser Entlohnung.

Die ältesten Nachrichten über Poststallhalter in unserem Gebiet stammen aus dem Jahre 1499. Kaiser Maximilian I. ordnete damals für die Route Innsbruck-Feldkirch folgende Relais an: Landeck ein Bote zu Pferd, Arlberg einer zu Pferd und einer zu Fuß, Stuben einer zu Fuß, Bludenz zwei zu Pferd. An der 1523 eröffneten Route Füssen-Stockach wollten die Postreiter 1528 die Tätigkeit einstellen, weil sie schon ein Jahr lang keinen Lohn mehr erhalten hatten. Der Kaiser holte die Bezahlung, die monatlich 3 bis 4 fl Rheinisch betrug, dann nach. Von 1531 an erhielten die vorderösterreichischen Postreiter monatlich für ein Pferd 8 fl. Die Postexpeditoren kleinerer Stationen waren regelmäßig auch Poststallhalter. In unserem Gebiet ist mir nur eine Ausnahme bekannt. An der 1683 eröffneten Route Wangen-Holzleute-Kempten finden wir um 1770 die Zwischenstation Holzleute nicht mehr als Expedition, sondern nur noch als Poststall. Die Expedition war damals nach Isny verlegt.

Mit der Eröffnung des Postamtes Lindau 1635 übernahm Balthes Boden auf der Achbruck den Poststall. Schon einige Jahre darauf wird als Poststallhalter Balthes Schreyvogel genannt, der Konstanzer Bote und ehemalige Lehenrößler. Nach dem Sohn Hans Jakob Schreyvogel tritt der Konstanzer Bote Konrad Müller als Poststallhalter auf. Müller wurde abgesetzt, weil er den Befehl des Postverwalters, den Konstanzer Botenritt aufzugeben, nicht erfüllte. Nach diesem Vorfall hatte Lindau eine Zeit lang gar keinen Poststall. Dann wurde dem Postschreiber Heinzel der Poststall übertragen, nicht einem Lindauer Bürger. Die damals herrschende scharfe Spannung zwischen Post und Stadt kam u.a. auch dadurch zum Ausdruck. Noch 1693 wurde der Poststall durch Taxische Beamte geführt. Aber die Stadt nahm diese Tatsache nicht mehr als feindliche Äußerung der Reichspost, sonst hätte sie nicht dem Postverwalter Johann Nikolaus Wilhelm von Luftfeld gestattet, 2 Pferde auf die städtische Roßweide zu treiben.

1748 übertrug das Reichspostgeneralat den Lindauer Poststall wieder einem Bürger der Stadt, nämlich dem Johann Georg Göttler auf der Achbruck. Während der Dienstzeit Göttlers häuften sich die Extraposten derart, dass der Pferdebestand des Posthalters oft nicht mehr ausreichte. Deshalb ordnete der Rat der Stadt an, alle Müller seien verpflichtet, zu jeder Zeit ihre Pferde für Extraposten und Vorspann zur Verfügung zu stellen. Den unmittelbaren Anlass zu dieser Verfügung gab die Grobheit eines Postknechts. Ein Herr von Schütz war 1765 aus Memmingen kommend, in Lindau eingetroffen und wollte ohne Verweilen auf dem Landweg nach Rheineck weiter reisen. Der Knecht äußerte, es seien keine Pferde da, er werde für den Herrn den Stier satteln, worauf sich der Herr von Schütz beim Rat beschwerte.

1770 war der Poststallhalter Göttler vollständig verarmt. Pferde, Sattel- und Geschirrzeug und Wagen entsprachen nicht mehr. Man suchte deshalb nach einem anderen Poststallhalter. Endlich 1773 ließ sich der Müller Hechelmann zu Reutin zur Übernahme des Poststalles herbei, gab aber den Dienst schon nach einem Vierteljahr zurück. Sein Nachfolger wurde Bernhard Oberdorfer, welcher den Poststall bis 1800 führte und dann mit jährlich 100 fl pensioniert wurde. Dessen Nachfolger wurde Johann Friedrich Zagelmayer, der Besitzer der "Krone" der altbewährten Herberge vornehmer Reisender. Zagelmayer verlegte den Poststall, welcher seit 1635 immer vor der Stadt gewesen war, herein auf die Insel, ohne den Rat um seine Meinung zu fragen. Während Zagelmayers Dienstzeit wurde der Ritt nach Buchhorn dem Lindauer Poststallhalter abgenommen und dem Buchhorner Poststallhalter übertragen. Der letzte Lindauer Poststallhalter war Johann Wilhelm Späth aus Gunzenhausen, Nachfolger Zagelmayers als Kronenwirt. Als die Bahnlinie Augsburg-Lindau 1854 die Postbeförderung übernahm, war das Ende des Lindauer Poststalles gekommen.

Die wirtschaftliche, landschaftliche und politische Eigenart unseres Gebiets machte den Poststallhaltern im Westallgäu immer wieder Schwierigkeiten. Das Allgäu war einst ein Hauptausfuhrgebiet für Vieh; doch eine nennenswerte Pferdezucht wurde dort nicht betrieben, vielmehr herrschte immer Pferdemangel. Zeitweise bestand im österreichischen Allgäu ein strenges Pferdeausfuhrverbot. Noch weniger Pferde fanden sich in den Kleinbetrieben am Bodensee. Darum bereitete die Beschaffung der Postpferde oft Schwierigkeiten. Ein Allgäuer aus der Herrschaft Bregenz, welcher 1720 einem auswärtigen Postmeister beim Ankauf und bei der Ausfuhr von Pferden behilflich war, obwohl damals die Pferdeausfuhr verboten war, büßte diesen Dienst mit 10 Reichsthalern. Im Allgäu wurde immer, am Bodensee von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an, wenig Getreide gebaut. Die Poststallhalter dieser Gegenden mussten deshalb den nötigen Hafer einführen. Bei der Kleinstaaterei früherer Zeiten war die Einfuhr aber nicht nur empfindlich preissteigernd, sondern manchmal auch sehr schwierig. Namentlich in den Zeiten des Mißwachses, die von 1730 bis 1772 ständig wiederkehrten, stieß die Beschaffung des Hafers am Bodensee und im Allgäu auf viele Hindernisse. Diese Umstände und die großen Geländeschwierigkeiten im Allgäu erklären hinlänglich die vielen Bitten der Poststallhalter unseres Gebietes um Besoldungserhöhung. Der Lindauer Poststallhalter Göttler war nach 22 Jahren seiner Tätigkeit, wie oben berichtet, 1770 völlig verarmt.

Betrachten wir einmal welche regelmäßigen Fahrten und Ritte der Poststallhalter Göttler 1770 wöchentlich zu leisten hatte: 2 Ritte nach Buchhorn, 4 Ritte nach Wangen, 2 Ritte nach Tettnang, 1 Fahrt mit 4 Pferden nach Ravensburg. Hierzu kamen Extraposten, und zwar im April 1772: 17 Ritte nach Tettnang, je 8 nach Buchhorn und Wangen, 9 nach Bregenz, 2 nach Simmerberg, 4 Postwagenfahrten nach verschiedenen Orten. Außerdem waren sehr viele nicht genau bekannte Extraposten nach Rheineck, Hohenems und Feldkirch zu leisten gewesen. Aus dem Jahre 1773 existiert eine Ausgaben/Einnahmenrechnung des Lindauer Poststallhalters. Danach betragen die Auslagen (Ausgaben) vierteljährlich 373 fl 17 kr und die Einnahmen 333 fl 33 kr. Der Lindauer Poststallhalter musste also vierteljährlich einen Ausfall von 40 fl 14 kr beklagen. Kein Wunder das Göttler verarmte und der Müller Hechelmann 1773 nach einem Vierteljahr den Poststall wieder aufgab.

Die Postverwaltung wandte zwar ein, die Ausgaben seien zu hoch angesetzt, ohne jedoch diesen Einwand zu begründen. Letzterer Umstand lässt vermuten, dass die Rechnung doch gestimmt hat. Dafür spricht auch die tatsächlich bald darauf erfolgte Erhöhung der Rittgelder und die Neufestsetzung von Postentfernungen. Die Strecke Lindau-Wangen z.B., die bis dahin zu 1 Post berechnet worden war, wurde nun auf 1 1/2 Posten festgesetzt.

Es bleibt noch von den Lindauer Briefträgern zu berichten. Von der Briefsammeltätigkeit der Bestätter (Güterbestätter) habe ich schon erzählt. Hier sei weiter festgestellt, dass die Bestätter nicht nur den abfahrenden Boten die gesammelten Briefe übergaben, sondern auch von ankommenden Boten Briefe entgegennahmen und den Adressaten zustellten. Viele Boten trugen die überbrachten Briefe selber aus. Solches wurde 1771 ausdrücklich festgestellt von den Boten, die zu Lindau eintrafen aus Bregenz, Hohenems, Feldkirch, Arbon, Rheineck, Berneck. Erstmals wird zu Lindau ein Briefträger 1683 genannt, nämlich Salomon Haugs Sohn. In den darauffolgenden Jahrzehnten sah man in dieser Stadt wiederholt Frauen Briefe zustellen. Das vorderösterreichische Oberpostamt Bregenz bestimmte 1771 bezüglich der Briefzustellung folgendes: Briefe können an den Fenstern (des Postamtes) abgeholt werden. Nicht abgeholte Briefe werden am zweiten Tage dem Briefträger zur Zustellung übergeben. Dieser Briefträger genoß aber seitens der Post keine Vergütung. Das Oberpostamt legte vielmehr den Briefempfängern nahe, sie möchten für jeden zugestellten Brief 1 Kr. Gebühr entrichten. Erster amtlich bestellter Briefträger zu Lindau war Matthias Göttler 1810. Sein Sohn Johann war von ihm als Packergehilfe beigezogen.

1812 trat Johann Greiff an die Stelle Göttlers. Noch 1842 war der nun 73-jährige Greiff für den Briefträger- und Packerdienst zu Lindau allein angestellt. Ziemlich modern die Alten an die Arbeit zu hetzen, oderrrr? Der Postmeister Frhr. von Tautphoeus hatte wiederholt um Zuweisung eines Packergehilfen nachgesucht mit der Begründung dieser Bitte, dass nicht selten die Augsburger Post, der Mailänder Bote und das Rorschacher Dampfschiff (erstmals 1837 als Postdampfer eingesetzt) zu gleicher Zeit ankamen. Dabei sollte der Packer überall anwesend sein, desgleichen im Postlokal, ferner sollte er die Briefe rechtzeitig austragen. Endlich, 1842 erhielt der alte Greiff 150 fl Zulage, damit er auf seine Kosten und Verantwortung einen Gehilfen einstelle. Merken Sie etwas? Auch die Ich-AG und das Subunternehmertum sind keineswegs Erfindungen unserer ruhmvollen Regierungen. Im Gegenteil sie schreiben im 19. Jahrhundert ab. Aber lassen wir das! Das Jahresgehalt des Lindauer Briefträgers und Packers setzte sich nun wie folgt zusammen:

Gehalt.................300 fl
Monturgeld............30 fl
Zulagen...............112 fl
Emolumente.........150 fl
Gehilfenaversum...150 fl

Emolumente (von lateinisch emolere, „herausmahlen“) ist ein heute nicht mehr gebräuchlicher Begriff aus dem Rechts- und Wirtschaftsleben für regelmäßig ausbezahlte, in ihrer Höhe jedoch schwankende Nebeneinkünfte. Typische Emolumente waren beispielsweise die früher, teilweise in Naturalien zu bezahlenden Einkommen der Lehrer sowie die Kohlen- und Schmierstoffprämien des Fahrdienstpersonals auf Dampflokomotiven. Was bei einem Briefträger Emolumente sein könnten, da habe selbst ich keine Vorstellung. Wer es weiß, möge es mir mailen. Großen herzlichen Dank im voraus! Mit dem Monturgeld wurden die Kosten (Kauf und Pflege) der Montur (Uniform, Stiefel, Tasche) abgegolten. So etwas Ähnliches hat es noch 1970 bei der Post gegeben. Als ich in Erlangen das Studium aufnahm, habe ich in den Semesterferien als Briefträger gearbeitet. Als Zulage gab es das "Latschengeld", damit wurde die Abnützung der eigenen Schuhe abgegolten. Keine Ahnung ob es das heute noch gibt.

Vom Gehilfenaversum konnte/musste der alte Greiff jemanden einstellen, der ihm die meiste Arbeit abnahm. Verantwortlich war aber er.

Gesuche um einen zweiten Packergehilfen wurden 1850 und 1861 abgewiesen. Erst 1870 treffen wir einen solchen zu Lindau. Trotzdem hatte der jourhabende Packer Dienst von früh 4 Uhr bis abends 11 Uhr (ach du meine Güte, hoffentlich liest das die gegenwärtige Regierung nicht). In diesem Jahre wurde nun das Gehilfenaversum zwecks Aufstellung eines dritten Packergehilfen auf 450 fl. erhöht (man vergesse auch die damals vorhandene jährliche Inflationsrate nicht).

Poststempel der Vormarkenzeit

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

"von"-Stempel
Typ Winkler Nr. 1
nach Münzberg gibt es verschiedene Typen
Farbe Schwarz
verwendet ca.1789-ca.1802
Bewertung 130 €

Zweikreiser
Fahrpoststempel
Farbe Schwarz
verwendet 1800
Bewertung 1500 €

Rayon-Stempel einzeilig
gerade Antiqua
Typ Winkler 3a
Schriftöhe 4,5 mm
Farbe Schwarz
verwendet 1802-1804
Bewertung 20 €

Nr. 4

Nr. 5

Rayon-Stempel einzeilig
schräge Antiqua
Typ Winkler 3b
Schriftöhe 3,5 mm
Farbe Schwarz
verwendet ca.1803-1812
Bewertung 20 €

Rayon-Stempel zweizeilig
gerade Antiqua
Typ Winkler 4
Schriftöhe 2,5 mm
Farbe Schwarz
verwendet ca.1810-1821
Bewertung 10 €

Nr. 6

Nr. 7

gekürzter Rayon-Stempel
(R.3 bei Nr. 5 wurde entfernt)
Typ Winkler 6
verwendet ca.1822-ca.1827
Bewertung 10 €

Zweizeiler
Typ Winkler 8a
verschiedene Typen
Farbe Schwarz und Rot
ohne Stunde
verwendet 1832-1854
Bewertung Vorphila 5 €
neben Ausgabe 1/4I ca. 80 €
neben Ausgabe 2/7 10 €

Nr. 8

Schweizer Stempel

privater Güterbestätter-Stempel

Einzeiler
Typ Winkler 7
Fahrpoststempel in der Vorphilazeit
Winkler nennt 2 Typen
verwendet 1835 und ca.1853-ca.1862
Bewertung Vorphila Farbe Rot 40 €
Markenzeit Schwarz 0 €
Blau 250 € (auf Marke)

Auslagestempel
"Schweizer Auslag von Lindau"

Dieser Stempel wurde vom Schweizer Grenzpostamt verwendet.
 

Dieser private Güterbestätter-Stempel muss man als Vorläufer der Güterexpeditions-Stempel ansehen.
verwendet ca. 1800
Bewertung "selten"

Dieser Brief von 1807 wurde in der 22. Auktion von Peter Sem (11.3.2006) für 50 € ausgerufen. Verkauft wurde er für 70 €, ein Meisterschuss!

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