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Die Post im Westallgäu

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Westallgäu bei Weiler

 
     
 

Straßen im Westallgäu
1500 - 1800

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 3.Band Nr. 18 S. 129, Juni 1929

Michael Raich berichtet in seiner Geschichte des Marktes Weiler im Allgäu auch über die Straßenverhältnisse im Westallgäu. Lassen wir ihn zu Wort kommen.

Abgesehen von den Vicinalwegen, welche von Weiler in die zugehörigen Filialorte und Nachbarpfarreien hinaus gingen, zog zu Beginn der neueren Zeit die sogenannte Isnyer- oder Kempterstraße vom Gasthaus zur Post nordwärts durch die Breite ins Moos und nach Auers, um dann vor Dreiheiligen in die alte "Land-, Commercial- und Heerstraße" von Bregenz nach Isny und Kempten einzumünden. Da letztere namentlich zur Spedition des bayerischen Salzes diente, hieß sie auch "die untere Salzstraße". Außerdem aber zog durch Weiler die sogenannte "Tiroler- oder obere Salzstraße", welche von Reutte her durchs Thannheimer-, obere Iller- und Constanzertal und über den Hahnschenkel nach Simmerberg und Weiler kam und von da über Bremenried, Scheidegg, Weihenried, die Rucksteig gen Leutenhofen und Bregenz führte. Dieselbe war in den Jahren 1540/50 "zur kaiserlichen freien offenen Reichstraße" ausgebaut worden und diente ganz insbesonders der Spedition des zu Hall im Inntal gewonnenen Tiroler Salzes von Reutte ab an den Bodensee.

Trotz der stolzen Bezeichnung "Reichsstraße" wäre es gefehlt, dabei an die Beschaffenheit unserer heutigen Landstraßen zu denken. Schmal und ohne soliden Unterbau, war sie mit ihren starken Steigungen für schwere Lasten "unpracticabel", so dass z.B. die großen vierspännigen Tiroler Wagen, welche über den Fernpaß nach Reutte kamen, zwar nordwärts über Pfronten nach Kempten, nicht aber westlich gen Hindelang laufen konnten, so dass, um letztere Route zu ermöglichen, deren Umladung auf drei Fuhrwerke vonnöten war. Zwar oblag die Unterhaltspflicht der Tirolerstraße den Herrschaften, durch welche sie zog, resp. den besonders an dieser Straße interessierten Ortschaften. Allein noch im 18. Jahrhundert brachten die mit der Straßenauffsicht betrauten Zollbeamten immer wieder Klage über "schlechtes und lüderliches Beschütten" vor. Da die Fuhrleute oft genötigt waren, unpassierbare Stellen der Straße auf benachbarten Feldwegen zu umgehen, erging z.B. im Jahr 1737 das Verbot, "auf dem Wege, welcher beim Siechenhaus zu Weiler am steinernen Bildstock von der Landstraße in die dortigen Felder abzweigt, mit Kaufmanns-, Wein- oder Holzfuhren zu verkehren, da derselbe nur ein Bau- oder Gemeindsweg ist".

Der schlimmste Feind unserer Landstraße aber war ihr Nachbar, der Hausbach. Im Sommer 1676 hat "sich der Hausbach, welcher durch den Flecken Weiler fließt, also ergossen, dass er nicht allein etwelche Häuslein alldort ruiniert, theils gar hinweggenommen, großer Schaden gethan, seinen gewohnten Lauf und Bachmutter, die hinter des Kramers Haus an Hans Milzen Gut hinunter ging, verlassen und den geraden Weg der Landstraße nach genommen und somit selbe zerstört hat".

Am 20. Juli 1676 nahm der Landammann Kleinbrodt aus Bregenz im Beisein des dortigen Amtswerkmeisters auf Ansuchen der Gemeinde Weiler eine Besichtigung der Schäden vor, worauf er folgendes anordnete: "dem Hausbach soll ein möglichst gerader Lauf gemacht werden, und zwar von 40, bei unvermeidlichen Krümmungen von 50 Schuh Breite; beim Kaplanerhaus sollen wegen der Enge von 30 Schuh Wehr und Wuhr verbleiben und erhöht werden; die obere Brücke soll in jetzigem Stand belassen, die untere 12 Schuh breiter gegen Jakob Schedler gestreckt und der Kasten, worauf sie liegt, um soviel zurückgebaut werden; von dieser Brücke soll bis an den langen Steg bei Theus Spieler die gerade Linie beibehalten, vom Steg weg soll in Richtung auf Jörg Hehlins Wuhr eine Wehr errichtet, die Wuhr aber weiter in den Bach hinausgelegt werden. Weil bei solchem Lauf durch den ganzen Flecken Weiler eine andere Landstraße von Nöthen, ist selbe durch die Baustraße oberhalb von Martin Dollmann an, bei Hans Linder und Mang Wangner herunter bis zum Kreuz, zu führen, weshalb jene Straße mit Kies zu beschütten und eine Ausweichstelle zu machen ist, bis die alte Landstraße wiederum befahren werden kann. Das unterste Häuslein des Färbers soll auf die alte Bachmutter transferiert werden."

Im Jahr 1686 ordnete das Oberamt Bregenz an, die Ufer des widerspenstigen Hausbaches "mit Faschienen, Stangen und Bretterwänden zum Schutz der Landstraße einzuarchen". Die Gemeinde Weiler aber tat nichts, weil auf Georg Hehle durch Überlassung der alten Bachmutter an Milz die Verpflichtung übergegangen sei, jenes Straßenstück gegen den Hausbach zu sichern.

Fortsetzung auf Seite 3

 
 
         
 
 
 
 
 

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Ich hätte mir eigentlich denken können, dass sie weiter lesen. Wer sich für Post-, Verkehrs- bzw. Heimatgeschichte interessiert ist ein echter Freak. Sie und ich haben die Verantwortung, dass die "kleine Geschichte", die "Alltagsgeschichte" nicht dem Vergessen anheim gegeben wird. Also erzählen sie alles weiter und machen sie allen klar: Geschichte ist hip!

Also wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei dem Zustand der Straßen und wie die "Herrschaften" aus Scheiße Geld machten ('tschuldigung). Wir waren bei der Düngergewinnung und den Schlaglöchern als Düngerquellen auf den Heer- und Landstraßen. Aber auch bei entsprechendem Aufwand für die Instandhaltung der Straßen wären diese in schlechtem Zustand geblieben. Schauen wir uns einmal die Wagen an, die auf diesen Sraßen verkehrten. Diese schmalspurigen Gefährte hatten keine Deichsel, sondern die Enz oder Gabel. Im Allgäu und am See wird diese Vorrichtung Lanne genannt (siehe auch den Lannenwagen auf der letzten Seite). Wir haben uns darunter zwei vom Vorderrädling bis zum Geschirr reichende Stangen zu denken, zwischen denen das Zugtier Platz nahm. Das Pferd ging also in der Mitte der Straße. Schwer beladene Wagen waren mit bis zu zehn oder noch mehr Pferden bespannt, die alle voreinander zogen. Auf diese Weise wurde die Straße in der Mitte derart ausgetreten, dass sie nur noch eine mehr oder weniger tiefe Rinne darstellte. Die im Allgäu häufig fallenden wolkenbruchartigen Regenfälle (die Touristikmanager mögen mir vergeben) wuschen diese Rinnen oft so aus, dass sie Kiesgruben glichen. Auf feuchtem Grund aber wurde die Pferdespur zu bodenlosem Schlamm. Der Convent des schwäbischen Kreises suchte zunächst die Straßenverhältnisse dadurch zu bessern, dass er das Höchstladegewicht von 60 Zentner (3 Tonnen) festsetzte und als Gespann nur 6 Pferde einschließlich der Vorspann zuließ. Der Vorspann waren die zusätzlichen Pferde, die man brauchte um eine Steigung zu bewältigen. Am Fuß der Steigung/ des Berges konnte man sie mieten oder musste man sie selbst unterhalten.

Die Straßen im Westallgäu um 1780
(klicken Sie die Karte an um sie zu vergrößern, rechts unten
im Eck lässt sie sich dann auf die tatsächliche Größe bringen)

Aber die Boten umgingen diese Vorschrift auf verschiedene Weise. Die Obrigkeiten versuchten nun ein niedrigeres Ladegewicht zu erzwingen. Zu diesem Zweck wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts alles Begleitpersonal der Wagen untersagt mit Ausnahme des "Zünders". Tja, auch damals wurde nachts gefahren und Scheinwerfer gab es nicht. Für die Beleuchtung war der "Zünder" zuständig. Und eine zweite Begleitperson ließ man zu, den "Anheber". Preisfrage: Wozu war der "Anheber" notwendig? Ich versichere, so ein "Anheber" war damals selbst auf ebener Straße erforderlich. Von 1685 an suchte der Kreisconvent durch Verbot der Lannen Besserung. Die Fuhrleute umgingen das Verbot durch Änderung der Bespannung oder blieben stur. Letztlich änderten sich die Verhältnisse erst um etwa 1770 durch den Um- und Ausbau der Straßen.

Jeder in Lindau ankommende Bote musste sich bei einem von der Stadt bestellten Güterbestätter melden. Dieser nahm die Waren ab und stellte darüber eine Bescheinigung aus. Auch hatte der Bestätter die von Lindau durch Landboten abzuführenden Transitwaren auszuhändigen. Über diesen amtlichen Dienst hinaus entfalteten einzelne Bestätter eine außerordentlich weitgehende Tätigkeit als Briefsammler , und zwar noch zu einer Zeit, als Lindau längst Sitz eines Reichspostamtes war. Das Haus manches Bestätters glich einer Postexpedition. Selbstverständlich sammelten die Bestätter nicht für das Postamt, sondern für die Boten. Später werde ich darüber mehr berichten.

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4. Personenbeförderung

Die Personenbeförderung besorgten bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Westallgäu auf dem Landwege die reitenden Boten, indem sie die Reisenden mit Leihpferden versahen und die Führung übernahmen. Vor allem die Reisen nach Mailand vollzogen sich auf solche Art, weil die Überquerung der Alpen dem Reisenden in der Regel ohne Führung nicht möglich gewesen wäre. Diese Ritte von Fußach nach dem Süden über den Septimer und später über den Splügen glichen in der Organisation ganz den heutigen Gesellschaftssreisen. Die von der Stadt Lindau bestellten Mailänder Boten kamen gegen Bezahlung von 24 Reichstalern für die Reittiere, für Verpflegung und sichere Führung der Reisenden auf. Nach einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1627 gewährten die Boten "Hülf und Trost in allen betrübten Zuständen, deren nicht wenig ob der grausamen wilden hochen Schneebergen auff dieser Rais zu erwarten", und "vermittelst Der Gnaden Gottes liefert der Bott den Passagiero innerhalb 5 1/2 Tagen nach Maylland mit gutem contento". Mit der Beförderung von Kurieren befassten sich übrigens nicht alle Lindauer Boten, sondern nur die "Lehensrößler". Jeder derselben sollte drei Leihpferde zur Verfügung haben. 1621 hatte der Rat von Lindau Anlass, die Lehensrößler, auch Postillone genannt, dringend zu ermahnen, nicht unwillig zu werden, wenn kaiserliche Offiziere oder andere Herren ihre Klepper heischen. Die ablehnende Haltung der Lehenrößler war anscheinend dadurch hervorgerufen worden, dass die reisenden Offiziere schlechtes Geld aus aller Herren Länder führten.

Während die Reisen nach dem Süden bis weit in die neue Zeit herein streckenweise nur mit Saumtieren ausgeführt werden konnten, bot sich für Reisen von Lindau und aus dem Westallgäu ins Reich schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts regelmäßige Fahrgelegenheit. Die "Botten Kaletschen" oder "Landgutschen" beförderten neben Personen auch Briefe und Pakete und waren demnach ausgesprochene Postwagen. 1662 wird urkundlich die regelmäßig nach München fahrende Landkutsche des Boten Matthäus Lotter genannt, 1735 die Kalesche der Boten Dempfle und Scheitlin für den Kurs Augsburg - Lindau.

Personenbeförderung um 1735

5. Amtsboten, Metzger- und Müllerpost

Ich will noch kurz vom Bregenzer Amtsboten berichten. Lange Zeit ging wöchentlich ein Bote im Auftrage des Oberamtes Bregenz von dort nach Altdorf (Weingarten), seit 1619 Sitz eines vorderösterreichischen Postamtes. In die Gerichte des Allgäus sandte das Bregenzer Oberamt seine Amtsschreiben durch eigene Boten, sehr oft durch "Expreßen". Den amtlichen Verkehr von den Dorfschaften zum zuständigen Gerichtsammann und von diesem zum Oberamt vermittelten die Untertanen der Reihe nach als Frondienst. Die Ausbauer (Ausbauer nannte man jene Flurgenossen, deren einst im Dorf stehende Häuser bei der hauptsächlich im 17. und 18. Jahrhundert durchgeführten Flurbereinigung abgebrochen und in der Einöde wieder aufgebaut worden waren. Man sprach damals von Vereinödung.), also die Ausbauer waren von diesem Botendienst in den meisten Gemeinden für gewöhnliche Zeitläufe befreit. In den anderen Herrschaften des Allgäus vollzog sich der amtliche Verkehr in ähnlicher Weise.

Die wohlbekannte Metzgerpost lässt sich im Westallgäu noch am Ende des 17. Jahrhunderts nachweisen. 1694 wurde den Metzgern der Herrschaft Rothenfels-Königsegg ausdrücklich befohlen, sich zur Beförderung amtlicher Schreiben allenthalben bereit zu finden. Lindau hingegen kannte die Metzgerpost nie. Zum Lindauer Wochenmarkt kamen nicht selten bis 3000 Wagen und Karren aus dem Allgäu und von Oberschwaben. Überdies liefen Botenschiffe von einem großen Teile der Seeorte ein. Das Bedürfnis einer Metzgerpost war also nicht gegeben. Die Lindauer Metzger wären aber auch infolge einer Eigenart ihres Geschäftsbetriebs gar nicht als Briefboten in Frage gekommen. Aus dem Allgäu wurde damals viel Zucht- und Schlachtvieh ausgeführt. Letzteres ging über Lindau nach Italien und an den unteren See. Es war Vorsorge getroffen, dass Lindau von dem durchziehenden Vieh seinen Bedarf decken konnte. Darum sah man Lindauer Metzger nur ausnahmsweise auf einer Gänfahrt. Hingegen kannte Lindau eine Müllerpost. Da diese eine Hilfseinrichtung der kaiserlichen Reichspost war, ist über sie später zu berichten.

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