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Die Post im Westallgäu

Seite 20

 
 
Balderschwang ca. 1912
 

Balderschwang und
 seine Zufahrtsstraßen

Oberstaufen-Aach-Hittisau

Als vor ca. 350 Jahren das Reichskloster Weingarten und vor ca. 290 Jahren das Reichskloster Rot an der Rot Besitz im Balderschwanger Tal erworben hatte und die Klosterökonomie ihre Herden hierher trieb und sodann außer Hirten und Sennen inspektionsweise und schließlich zu abenteuerlicher sommlicher Alpenfahrt auch die Klosterherren in dieses Tal gezogen kamen, gab es nur einen Saumweg in das Tal.

Landesherren des Balderschwanger Tales waren nach den Reichsgrafen von Montfort-Rothenfels die Reichsgrafen von Königsegg-Rothenfels. Doch steuerbar blieben die Bauern nach Österreich, bis das Tal 1806 mit der Reichsgrafschaft an Bayern kam. Nun war es dem Landgericht Immenstadt unterstellt und nach erfolgter Trennung von Jurisdiktion und Administration waren in Immenstadt Amtsgericht und Rentamt und in Sonthofen das Bezirksamt (seit 1938 Landratsamt) die zuständigen staatlichen Ämter. In königseggischer Zeit hatten die Balderschwanger in Behördenangelegenheiten vor dem reichsgräflichen Oberamt in Immenstadt zu erscheinen.

In dem ehemaligen Gebiet des Landgerichts Immenstadt bestand vom "Rothen Kreuz in der Wengen" von der Immenstädter-Lindauer Heerstraße ab und links über Oberstaufen und Aach in einer Wegstrecke von zwei Stunden nach dem k.k. österreichischen Landgericht Innerbregenzerwald und einem Teil des k.k. Landgerichts Bregenz in früherer Zeit kein fahrbarer Weg. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der geringe gegenseitige Verkehr durch Lasttiere unterhalten und zwar auf einer sogenannten Saumstraße von Oberstaufen über Schindelberg, Hagspiel und Riefensberg. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde durch das allmähliche Emporkommen der Alpenwirtschaft im Bregenzerwalde das Bedürfnis nach einer Straße fühlbar.

Die damalige Rothenfelsische Regierung erteilte aus diesem Grunde den Landschaften (Oberstaufen, Aach, Thalkirchdorf und Stiefenhofen) den Auftrag, auf ihre Kosten hin eine Straße zu bauen. Als einziger Ersatz der Kosten wurde den Landschaften der Bezug eines kleinen Weggeldes (Maut) damals bewilligt.

Bei Entstehung der Straße wurde von dem Grafen von Königsegg ganz besonders darauf Rücksicht genommen, dass durch den Bau und Unterhalt dieser Straße den Gemeinden nicht übermäßige Lasten aufgebürdet werden, weil durch diese Straße hauptsächlich nur Vorarlberg eine günstigere Verkehrsmöglichkeit erhalten würde, während die bestehenden gemeindlichen Verbindungsstraßen für die betreffenden Gemeinden des Königseggischen Gebiets für den Verkehr ausreichend seien. Ein großer Teil der Unterhaltskosten wurde daher jeweils auch von der Rothenfelsischen Regierung übernommen.

Im Jahre 1814 wurde das Mautgeld in die kgl. bayer. Mautkasse hinübergeleitet, erst im Jahre 1816 kam es wieder an die beteiligten Gemeinden, jedoch so verkürzt, dass die Einnahme aus Mautgeld nur mehr 70 fl. im Jahr betrug, während in früherer Zeit mehr als das Doppelte vereinnahmt wurde. Das Mautgeld bezogen die Gemeinden bis zum Jahre 1858.

Die erste größere Brücke über die Weißach wurde um das Jahr 1760 gebaut. Sie hat einem Menschenalter Trotz geboten. Im Jahre 1813 wurde sie von den Wassern der Weißach weggerissen. Die im Jahre 1814 mit einem ziemlichen Kostenaufwand erbaute Brücke hatte nur eine Lebensdauer von ca. 7 Jahren. Für den abermaligen Brückenbau erteilte am 17. Juli 1821 den Gemeinden Oberstaufen, Aach, Thalkirchdorf und Stiefenhofen die Erlaubnis mit der Weisung, ordnungsgemäßen Voranschlag und Plan einzureichen und das notwendige Bauholz herbeizuschaffen. Die Brücke wurde noch 1821 gebaut.

Die hohe Belastung der Gemeinden durch den Unterhalt der Straße veranlassten am 14. Dezember 1826 den Joseph Mahler als Vorsteher der Gemeinde Oberstaufen, Jakob Keck als Vorsteher der Gemeinde Stiefenhofen, Xaver Schwärzler als Vorsteher der Gemeinde Thalkirchdorf und Peter Vögel als Vorsteher der Gemeinde Aach sich an die k.b. Regierung des Oberdonaukreises mit der Bitte um Übernahme der Vizinalstraße vom Rothen Kreuz bis Aach als Staatsstraße zu wenden. Ihre Begründung erzählt viel über das damalige Wirtschaftsleben, darum sie sie hier wiedergegeben:

Infolge Beschränkung der Einnahmen aus Weggeld und der stetig zunehmenden Ausgaben für den Unterhalt der Brücken und des Weges sei die Summe für die Kommunalbedürfnisse auf die gleiche Höhe gekommen, auf welcher sich die direkten Staatsauflagen befinden. Die Übernahme der Vizinalstraße auf Kosten der Regierung sei unabweisbare Pflicht, denn die Gemeinden seien nicht länger imstande, die Lasten zu tragen. Die letzten zwei Brücken haben den Gemeinden, die zahlreichen Handfronen gar nicht in Anschlag gebracht, nebst den Uferbauten eine bare Auslage von 3000 fl. gebracht.

So fest die Brücke stehe, so sei sie doch vor dem wilden Anfalle des Stromes nie ganz sicher. Die größte Gefahr bringen ihr jedoch die Holzschwemmungen aus den ärarialischen Waldungen, die auf dem Fluss und unter der Brücke durchgehen. Den Unterhalt der Straße macht besonders kostspielig, der äußerst geringe Pferdebestand in der bayerischen Gegend, wo bekanntlich nur Viehzucht getrieben wird und auf 10 Gutsbesitzer höchstens ein Pferd gerechnet werden kann, weshalb die Spannfronen mit teurem Geld bezahlt werden müssen. Die Gemeinden, die ohnehin nur auf einen einzigen kärglichen Nahrungszweig, die Viehzucht, beschränkt sind, müssen notwendig zusammenbrechen.

Dass die Straße vom Aerar übernommen werde, erfordern Recht und Billigkeit. Dieser Weg ist der einzige und die Hauptkommerzialstraße zwischen dem kgl. Landgericht Inmmenstadt und dem österreichischen Vorarlberg, die für die Gemeinden Stiefenhofen und Thalkirchdorf fast gar kein und für Staufen nur ein ganz geringes Bedürfnis darstellt. Notwendig ist sie nur für die Ausländer, die ihre Produkte nach Bayern absetzen und ihre Bedürfnisse wieder auf ihr heimführen. Es kann als gewiss angenommen werden, dass jährlich gegen 3000 Scheffel Korn von Kempten nach dem Bregenzerwald eingeführt werden und ebendahin transitieren auf der nämlichen Route 4000 bis 5000 Zentner Käse nach Österreich und Württemberg.

Nicht minder gehen bedeutende Partien Kaufmannsgüter auf ihr von Tirol nach Vorarlberg und umgekehrt. Es darf als sicher angenommen werden, dass die Zollgefälle des k.b. Beizollamts Staufen sich im Jahr immer auf einige Tausend Gulden belaufen. Den größten Nutzen zieht von dieser Straße das Aerar, einen kleineren wohl auch entlegene Untertanen des Königreiches durch ihren Absatz an Früchten.

Für die bittstellerischen Gemeinden bleibt kein Gewinn, dafür die Last für den Unterhalt, die, wie leicht begreiflich, bei so starkem Verkehr keine geringe sein kann. Nach bekannter Rechtregel soll der auch die Nachteile tragen, welcher die Vorteile einerntet und darum ist es nur recht und billig, wenn der Staat diese Straße übernimmt wie er vor einigen Jahren auch die von Immenstadt nach Kempten führende Vizinalstraße als Landstraße 2. Klasse erklärt hat, obwohl diese bei weitem dem Staatsärar keinen solchen Gewinn verschafft und überdies bloß dem angrenzenden Inländer für seinen Verkehr unentbehrlich ist.

Ein weiterer Grund der Billigkeit liegt in dem Umstande, dass jährlich ein bedeutendes Quantum Holz aus den im Weißachtale gelegenen ärarischen Waldungen auf der Weißach und durch die von den Gemeinden mit großen Kosten unterhaltenen Brücke geflößt werden. Zu diesen Holztriften und um das Holz zum Absatz nach Bregenz und Lindau bringen zu können, sind große Wasserbehälter (Holzstuben) vorhanden, in welche der Fluss gleichsam eingezwängt wird. Hat der selbe nun eine gehörige Anschwellung erhalten, so werden die Behälter geöffnet und das Wasser auf einmal losgelasssen. Die inzwischen in dem Rinnsal eingeworfenen Holzstämme werden mit solcher Gewalt vorwärts und gegen die Brücke hingetrieben, dass es oft zu verwundern ist, wie sie nicht mit fortgerissen wird. Nur eine höchst solide Bauart vermag sie zu retten. Dass jedoch das heftige Anprellen der großen  Blöcke und die hierdurch verursachten gewaltigen Erschütterungen ihr Schaden bringen, wird wohl niemand in Abrede stellen können. Im beinahe gleichen Verhältnis leiden bei dieser Holztriftung die Ufer, die hauptsächlich zum Schutze der Brücke durch kostspielige Wuhrungen versorgt und unterhalten werden müssen. Das Ende dieses verderblichen Holzschwemmens ist nicht abzusehen. Die fast unermessliche Strecke Strecke der rückwärts gelegenen Waldungen dürfte noch eine Ausbeute für Jahrhunderte enthalte. Wären dies Privatwaldungen, würde man schwerlich den Gemeinden die Zumutung machen, solche Beschädigungen ohne allen Ersatz erdulden zu müssen.

Die Übernahme der Straße mit Nutzen und Beschwerden wäre außerdem für das Ärar ein rentables Geschäft. Der bisherige Wegzoll hat zwar jährlich nicht mehr als ca. 70 fl. ertragen, während die Auslagen sich im Durchschnitt auf 140 bis 150 fl. beziffern. Die Einnahme des Wegzolles würde sich aber erhöhen, sobald der Bezug in die Hände der Zollbehörde gelegt wird. Für die Gemeinde besorgt ihn der Mahlmüller Franz Steurer an der Weißachbrücke, dem freilich bei seiner Ökonomie und seinen Gewerbegeschäften eine beständige Aufsicht auf die Weggeldpflichtigen nicht zugemutet werden konnte und dem es überdies an der gehörigen Autorität und den Mitteln fehlte, die Widerspenstigen zur Leistung ihrer Schuldigkeit anzuhalten, so dass mancher Gulden der Gemeindekasse entging, die Honorierung des Einziehers gar nicht in Anschlag gebracht. Das nimmt sofort ein Ende, wenn die an der Grenze bestehenden Zollämter diese Gefälle einziehen.

Das umfangreiche und wohlmotivierte Bittgesuch hatte keinen Erfolg. In den nächsten Jahrzehnten folgten weitere, ebenso ausführlich begründete Bittgesuche der vier Gemeinden an die Regierung, so am 2. Dezember 1829, am 12. April 1849, am 9. Mai 1851, am 25. Oktober 1854, am 8. Juli 1857. Am 16. Juni 1864 stellte das Landratsmitglied Eduard Schaflitzl an die Landratsversammlung den Antrag, es sei die Staatsregierung zu ersuchen, die Straße von Oberstaufen durch das Weißachtal an die österreichische Grenze sofort zur Staatsstraße zu erheben.

Daraufhin erfolgten ab 1866 erste planerische Vorarbeiten für einen Ausbau der Straße. Steter Tropfen höhlt den Stein, aber weil die vier Gemeinden dem Landfrieden nicht trauten wandten sie sich am 28. Februar 1869 abermals an das Staatsministerium. Doch zunächst verhinderte der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ein Fortschritt in der Angelegenheit. Erst am 17. März 1871 wurde der Straßenbrückenbau- und Wasser-Neubauten-Etat für 1871 und hiermit die Erbauung einer Straße aus dem Bregenzerwald über Aach nach Oberstaufen genehmigt, und zwar zunächst die
1. Abteilung von Oberstaufen bis Weißach mit einem Kostenbetrage von 44 000 fl. Bis 1875 war die Straße zwischen Oberstaufen und Aach/Landesgrenze als Staatsstraße ausgebaut und als Landstraße 1. Ordnung klassifiziert.

Dem Straßenneubau auf bayerischer Seite entsprachen auf österreichischer Seite Straßenneubauten durch den Bärentobel nach Krumbach und über Riefensberg nach Hittisau. Da Gesuche, insbesondere Bemühungen Ritter von Bergmanns, um Staatshilfe zum Bau einer Verbindungsstraße von Hittisau zur Landesgrenze bei Aach von der k.k. Kabinettskanzlei abschlägig verbeschieden worden waren, mussten die Straßenbauten mit den gedeckten Holzbrücken, der Auen- und Bärentobelbrücke, von den Interessenten aus Hittisau, Krumbach, Langenegg und Riefensberg finanziert werden.

Diese Straße zwischen Oberstaufen und Hittisau war einerseits die Voraussetzung für die Postexpedition Aach und die bessere Anbindung Balderschwangs an die großen Verkehrsadern und damit für den beginnenden Fremdenverkehr.

 
 
 
 
 
         
 
 
 
 
 
 
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Fortsetzung von Seite 19
"Bayerische Vorphilatelie"

Weitere Sonderformen sind u.a. bekannt von Berneck (Ovalstempel), Burgkunstadt (Kreisstempel mit Stern), Erding (Ovalstempel), Königshofen (vierzeiliger Ovalstempel, ebenfalls Königshofen (dreizeiliger Ovalstempel und einzeiliger Stempel in gemischter Fraktur, zählt nicht mehr zu den frühen Einzeilern, da 1821 eingeführt), Moosburg (Einzeiler in gemischter Fraktur, 1827 eingeführt, zählt auch nicht mehr zu den frühen Einzeilern), Neustadt an der Aisch (Ovalstempel).

15. Die Fahrpost in Bayern

Die Fahrpost war, genau wie die Briefpost, ein eigener, selbstständiger Bereich der Post, zuständig für den Transport von Paketen, Wertsachen und Geld. Dazu kam noch das Postvorschusswesen. Der Transport von Paketen durch die Post erfolgte gemäß den Gewichts- und Maßvereinbarungen. Schweres, sperriges und gefährliches Gut konnte nicht bei der Post, sondern musste beim Fuhrmann aufgeliefert werden. Der Fuhrmann war die Vorläufereinrichtung der heutigen Speditionen. Später, etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, waren auch die Güterbestättereien der Bahn in das Fuhrmannsgeschäft eingeschaltet.

Die Sendungen der Fahrpost begleitete der Fahrpostbrief. Auf diesem Begleitschreiben war alles vermerkt, was für die Sendungen wichtig war. Gewichts- und Wertangaben, Hinweise auf geleisteten Postvorschuss (Auslagen), sowie die Nummer, unter die Sendungen in der Manuale (Liste) vorgemerkt war. Bei einem notwendigen Streckenwechsel mussten die betreffenden Sendungen in die neue Liste eingetragen werden und erhielten, eine neue Manualnummer. Die bisherigen, überholten Nummern wurden gestrichen.

Die Frage der Sicherheit stellte besondere Anforderungen und es war durchaus möglich ab einer bestimmten Werthöhe bewaffneten Begleitschutz zu bekommen.

Schon um 1800 ging man dazu über eigene Fahrpoststempel einzuführen. Die Stempel waren durch eigenwillige Formgebungen so gehalten, dass im Stempelbild Raum für Fahrposteintragungen war. Formgebunden waren sie nicht. Sie sind, verglichen mit den Stempeln der Briefpost, sehr vielgestaltig.

Neben diesen, durch ihre Ausahmeformen gekennzeich-neten Fahrpoststempeln, kamen auch allgemeine Stempel der Briefpost zum Einsatz. Die Auflieferungen von Fahrpostsendungen war bei allen Postämtern möglich, aber nur verhältnismäßig wenige Postämter hatten eigene Fahrpoststempel. So kam es vor, dass Briefstempel zur gleichen Zeit auch in der Fahrpost Verwendung fanden. Es gab aber auch Stempel der Briefpost, die in der Fahrpost nach- oder weiterverwendet wurden. Oder solche, die direkt der Fahrpost zugeteilt waren, obwohl sie in der Formgebung einem Briefpoststempel entsprachen.

Alle Maßnahmen dienten der Sicherheit und die Sicherheit des Transports war vorrangig. Letztlich haftete die Post für die bei ihr aufgelieferten Sendungen, wenn auch der Posthalter im Regress stand. Wurde die Sendung bei einer Expedition aufgegeben, der keine Fahrpost angeschlossen war, so war der Posthalter für schnellste und gesicherte Übergabe an die Fahrpost verantwortlich.

Für alle Fahrpostsendungen wurden - gegen entsprechende Gebühr - Postscheine (Aufgabescheine) erstellt. Damit hatte der Auflieferer den Nachweis, der Post die im Schein näher bezeichnete Sendung zum Weitertransport übergeben zu haben. Auf Wunsch konnte auch noch ein Retour-Recipiss (Rückschein) für die Sendung erstellt werden. Der Empfänger der Sendung bestätigte den Erhalt und der Schein wurde mit dieser Empfangsbestätigung zurückgeleitet. Damit war die sichere Ankunft der Sendung nachgewiesen.

War man nicht sicher, ob die Sendung angekommen war, wurde eine Nachsuche beantragt. Dazu standen sogenannte "Laufzettel" zur Verfügung. An Hand der genau geführten Manuale konnte der Weg bis zum Empfänger überprüft werden. War das Stück nicht mehr aufzufinden, wurde die Schadenersatzverpflichtung der Post wirksam.

Beachtenswert ist, dass die Stempel der Fahrpost bis etwa in die 40er Jahre ohne Datumsangabe waren. Aber der Zeitpunkt der Auflieferung und des Transports waren verbindlich in der Manuale und auf dem Postschein vermerkt.

Eine weitere Aufgabe der Fahrpost war die Personenbeförderung. Privatpersonen war es - selbstverständlich gegen Bezahlung - möglich in der Postkutsche mitzureisen. Die Mitfahrenden mussten sich Reisescheine ausstellen lassen und hatten - wiederum gegen Gebühr - das Recht auch Reisegepäck mitzunehmen. Nachzuweisen sind solche Fahrten nur durch Reisescheine.

16. Bayerische Auslagestempel und der Postvorschuss

Die Einführung der Auslagestempel in Bayern deckt sich etwa mit dem Ende der napoleonischen Zeit. Die Gruppe der Auslagestempel gehört zu den Stempeln, die sich auf vertraglich vereinbarte Verrechnungsgepflogenheiten unter den Postverwaltungen beziehen.

Nachdem 1808 der bayerische Staat die Post in eigene Regie übernahm war die Folge, dass alle angrenzenden Länder "postalisches Ausland" wurden. Natürlich blieben die unter Taxis geschaffenen Verbindungen mit dem nachbarlichen Ausland bestehen, mussten aber nach und nach durch zwischenstaatliche Verträge neu geregelt werden. Wichtig war die Handhabung der wechselseitigen Gebührenverrechnung mit den einzelnen und hier vor allem mit den angrenzenden Postverwaltungen.

Die Bezahlung von Sendungen aus dem Ausland bis zum Empfänger in Bayern - und umgekehrt -  war nur dann möglich, wenn zwischen dem Absendeland und Bayern eine entsprechende, vertragliche Regelung bestand. Das war aber in der Regel erst viel später der Fall. In allen anderen Fällen konnte die Gebühr für einen Brief

a) bis zur bayerischen Landesgrenze bezahlt oder

b) gänzlich ohne Bezahlung

am Aufgabeort abgesandt werden. In beiden Fällen waren die Briefe bei Übergabe an die Bayerische Post unterschiedlich zu behandeln.

Fortsetzung auf Seite 21

 
Postorte im Landkreis Oberallgäu

Aach

Eröffnet am 1.4.1887 als Expedition, ab 1898 Postagentur. Ab Juni 1894 war die Bezeichnung "Aach Schwaben". Heute gehört Aach zu Oberstaufen.

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

Einkreiser
Typ Helbig 21b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1887-
Bewertung 10 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrigere Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1899-1820
Bewertung 10 €

Zweikreiser
Reservestempel
Typ Helbig 37 R
verwendet ?
Bewertung 50 €

Aushilfsstempel
Typ Helbig A5.2
verwendet 27.5.?
Bewertung 50 €

Agathazell

Eröffnet 1898 als Posthilfstelle Taxe Burgberg Schwaben

Nr. 1

 

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 31. 3.1920
Bewertung 20 €

 

Akams

Eröffnet am 1.3.1901 als Posthilfstelle Taxe Immenstadt

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1. 3. 1901 - 1917
Bewertung 20 €

Posthilfstelle
verwendet 1917 - 1922
Bewertung 20 €

Almagmach

Eröffnet am 1.6.1901 als Posthilfstelle Taxe Immenstadt

Nr. 1

 

Posthilfstelle
verwendet 1901-1920
von 1901-1911 in blauer Farbe
1919 in violetter Farbe
Bewertung 10 €


Almagmach ca. 1920

Altstädten

Eröffnet am ? als Postablage, ab 1.5.1892 Postagentur "i. Schwaben", ab 21.12.1900 "i. Algäu"

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

ohne Abbildung

Postablage
vielleicht nur ein Einkreiser
 als späte Postablage
verwendet ?
Bewertung 25 €

Normstempel
Typ Helbig 25b
hohe Grotesk
Monat in
 Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1898
Bewertung 5 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedere Grotesk
Monat in
 Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1905
Bewertung 5 €

Nr. 4

 

 

 

 

 

 

Zweikreiser
Reservestempel
Typ Helbig 37b
verwendet ?
Bewertung 50 €

 

 

 

Altusried

Eröffnet im April 1852 als Expedition, später Postagentur

Mühlradstempel

I.    492
II.     13
III.    -

 

 

auf Marke 40 €
auf Brief 325 €

auf Marke 50 €
auf Brief 250 €

 

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

Halbkreisstempel
Typ Winkler 11b
Antiqua
höhere Form
verwendet 1852-1878
Bewertung
Ausg. 2/7 ca. 250 €
Umt. 400 €
Ausg. 8/13 ca. 200 €
Ausg. 14/36 ca. 130 €
Pfennigzeit 15 €

Halbkreisstempel
Typ Winkler 12a
Grotesk
verwendet ?-1882
Bewertung 10 €

Punktstempel
Typ Helbig 28b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1885
Bewertung 25 €

Normstempel
Typ Helbig 25b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1887-1893
Bewertung 5 €

Nr. 5

Nr. 6

Nr. 7

Nr. 8

Einkreisstempel
Typ Helbig 21b
verwendet 1892
Bewertung 5 €

Einkreiser
Typ Helbig 30a
kleine Grotesk
Monat in Ziffern
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1902-1906
Bewertung 0 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
kleine Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1918-1920
Bewertung 0 €

Zweikreiser
Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 40 €

Nr. 9

Nr. 10

ohne Abbildung

Aushilfsstempel
Typ Helbig A3.2
verwendet 14.7.?
10.9.?/8.4.1887
Bewertung 25 €

Stationseinzeiler
verwendet 1876
Bewertung 25 €

Bad Oberdorf

Eröffnet 1875 als Postablage von Hindelang, ab 1.10.1898 Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Postablage
verwendet 1875-
Bewertung
Kreuzerzeit 500 €
blau, blauviolett 600 €
Pfennigzeit 30 €

Postablage
verwendet -1898
Bewertung 15 €

Nr. 3

Nr. 4

Nr. 5

 

 

Einkreiser
Typ Helbig 30b
kleine Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1898-1913
Bewertung 0 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
kleine Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1912-1920
Bewertung 0 €

Zweikreiser
Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 40 €

 

Balderschwang

Vom Jahre 1820 an soll Balderschwang von Fischen aus mit Post versorgt worden sein. Was im Sommer eine Tagesreise erforderte und im Winter unmöglich war. Im Jahr 1864 existierte in Balderschwang schon eine Briefablage. Vermutlich wurde diese Briefablage im Zuge der Umwandlung der Briefablagen in Postablagen auch in eine Postablage umgewandelt.

Bis zu dieser Zeit verkehrte eine Karriolpost Bregenz - Egg - Bezau. Das große Dorf Hittisau mit seiner Umgebung war durch einen wöchentlich viermal gehenden Boten mit Egg postalisch verbunden. Nun wurde eine tägliche Postfahrt Oberstaufen - Krumbach - Hittisau eingeführt. Den Poststall übertrug man dem Hittisauer Expedienten Joseph Mennel. Diese als "Vereinsverbindung" betriebene Fahrt wurde gemeinsam auf Bayerns und Österreichs Kosten unterhalten.

Nun kam Balderschwang zum österreichischen Zustellbezirk Hittisau. Für den Transport der Briefe von Hittisau musste Bayern an Österreich eine Pauschalentschädigung bezahlen. Vom Umfang der Balderschwanger Korrespondenz jener Zeit erhalten wir ein Bild, wenn wir hören, dass diese Entschädigung nach lange vorausgegangener Briefzählung auf vierteljährlich 18 Kr. festgesetzt wurde. So versteht man auch, dass noch niemand einen Beleg aus dieser Zeit gesehen hat.

In einem am 1. Juni 1910 vom Königl. Bayer. Verkehrsmuseum angelegten Geschichtsblatt der K. Postagentur Balderschwang ist festgehalten:

"Vom 1. August 1898 anfangend wurde in dem Pfarrweiler Balderschwang im Oberpostbezirk Augsburg, kgl. Bezirksamt Sonthofen, 29,2 km vom Zustellbezirk Oberstaufen entfernt, eine Posthilfstelle errichtet und deren Führung dem exponierten Postboten Konrad Albinger daselbst übertragen. Albinger, welcher für die Wahrnehmung des Posthilfstellendienstes keine Vergütung erhielt, hatte den Botengang Balderschwang-Hittisau und zurück in den Monaten April mit Oktober wöchentlich zweimal auszuführen und außerdem die Postzustellung in der Gemeinde Balderschwang zu vollziehen.

Vom 1. November 1903 beginnend, hatte der Bürgermeister Peter Düringer, gegen eine jährliche Vergütung von 48 Mark die Posthilfstelle übernommen.

Infolge Pensionierung des Postboten Konrad Albinger wurde vom 1. Mai 1904 an eine Postbotenstelle beim Postamte Oberstaufen eingezogen und gleichzeitig die Stelle eines aversionierten Hilfspostboten mit dem Jahresbezuge von 720 Mark zugeteilt. Der als aversionierter Hilfspostbote aufgestellte Konrad Albinger, Vetter des pensionierten Postboten Konrad Albinger, hatte außer dem Zustelldienste in Balderschwang und den dazu gehörenden Weilern und Einöden Au, Gschwend, Wäldle, Schlipfhalden, Schwabenhof auch die Verbindungsgänge zwischen Balderschwang und Hittisau in nachstehender Weise auszuführen"

Beschrieben ist dann der Winterdienstgang und der Sommerdienstgang, welch ersterer sich lediglich in den Tagesstunden, nicht aber in dem vorgeschriebenen Zeitaufwand vom Sommerdienstgang unterschied, nämlich 3 1/2 Stunden für den Postgang von Balderschwang nach Hittisau und 4 1/2 Stunden für den Rückweg, wobei auf dem Rückweg in Schlipfhalden und Gschwend Zustellung auszuführen war.

Am 1. Juni 1904 gelangte die Telegraphenstation mit Telefonbetrieb zur Eröffnung. Anschluss- und Vermittlungsanstalt war die österreichische Telegraphenanstalt Hittisau. Doch schon 2 Jahre früher konnten hochgestellte Jagdgäste Telegramme in Balderschwang empfangen. Seit 1902 existierte in Aach eine Telegraphenstation. Dabei hatte der Aacher Telegrammbote die angekommenen Telegramme von Aach nach Balderschwang zu bringen, was im Sommer einen Fußmarsch von 5 bis 6 Stunden und im Winter von 7 Stunden, also eine Übernachtung in Balderschwang erforderte.

Vom 1. Januar 1905 ab wurde der bisherige Hilfsstelleninhaber Peter Düringer seinem Ansuchen entsprechend seines Dienstes enthoben und dieser dem Besitznachfolger Gastwirt Konrad Kienle in Balderschwang gegen die bisherige Jahresvergütung übertragen. Wegen Einführung eines weiteren Verbindungsganges zwischen Balderschwang und Hittisau wurde ab 1. Juni 1905 das bewilligte Aversum von 720 Mark auf 850 Mark erhöht.

Am 1.6.1910 wurde die Posthilfstelle zur Postagentur erhoben.

Nr. 1

Nr. 2

 

 

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1.6.1910
Bewertung 25 €

Zweikreiser
Typ Helbig 39a
verwendet 1910-1920
Bewertung 5 €

 

Betzigau

Eröffnet am 1.7.1880 als Expedition, später Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

ohne Abbildung

Einkreiser
Typ Helbig 21a
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
ohne Jahr
verwendet 1880-1884
Bewertung 0 €

Einkreiser
Typ Helbig 21b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet ca. 1886
Bewertung 5 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1897
Bewertung 5 €

Nr. 4

Nr. 5

Nr. 6

 

 

Einkreiser
Typ Helbig 30b
Grotesk
Schrift breiter
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1905-1920
Bewertung 0 €

Zweikreiser
Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 35 €

Aushilfsstempel
verwendet 10.3.1891
Bewertung 35 €

 

Binswangen

Eröffnet am 1.8.1900 als Posthilfstelle Taxe Sonthofen

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1.9.1900 - 1911
Bewertung 15 €

Posthilfstelle
verwendet 1911 - 1919
Bewertung 15 €

Birgsau

Eröffnet 1899 als Posthilfstelle Taxe Oberstdorf

Nr. 1

 

Posthilfstelle
verwendet 1899-
Bewertung 15 €


Birgsau, Bergwirtschaft "zum Adler" 1912

Blaichach

Eröffnet am 1.1.1874 als Expedition, später Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

Einkreiser
Typ Helbig 21a
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
mit Stunde
mit Jahr
verwendet 1874-Bewertung
Kreuzerzeit 50 €
Pfennigzeit 0 €

Einkreiser
Typ Helbig 21b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1888-1900
Bewertung 0 €
 

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedere Grotesk
Monat in Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1902-1909
Bewertung 0 €

Aushilfsstempel
verwendet 6.3.-29.3.?
6.11.1885-3.3.?
Bewertung 15 €

Bodelsberg

Eröffnet 1897 als Posthilfstelle (Vorläufer) Taxe Zollhaus

Nr. 1

Nr. 2

ohne Abbildung

Posthilfstelle (Vorläufer)
verwendet 1897-1898
Bewertung 150 €

Ob der obige Stempel original ist, oder nur von Dr. Helbig nachempfunden wurde, vermag ich nicht zu entscheiden.

Posthilfstelle
verwendet 1898-
Bewertung 30 €

Börwang

Eröffnet am 16.11.1903 als Posthilfstelle Taxe Haldenwang

Nr. 1

 

 

Posthilfstelle
verwendet 1903-
Bewertung 15 €

 

Buchenberg

Eröffnet am 1.1.1861 als Expedition, später Postagentur

Mühlradstempel

I.    -
II.   -
III.  694

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auf Marke 25 €
auf Brief 90 €

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

Halbkreisstempel
Typ Winkler 12a
Grotesk
Normalschrift
verwendet 1861-1882
Bewertung
Ausg. 8/13 ca. 100 €
Ausg. 14/36 ca. 50 €
Pfennigzeit 10 €

Punktstempel
Typ Helbig 28b
Monat in Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1885
Bewertung 25 €

Normstempel
Typ Helbig 25b
hohe Grotesk
Monat in Buchstaben
mit Stunde und Jahr
verwendet 1887-1890
Bewertung 5 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedere Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
mit Jahr
verwendet 1900-1906
Bewertung 0 €

Vermutlich gibt es noch einen oder zwei weitere bayerische Stempel aus Buchenberg.

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