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Die Post im Westallgäu

Seite 22

 
 
Altdorf (Weingarten)

Fortsetzung von Seite 21
"Bayerische Vorphilatelie"

19. Recommandations- und Chargé-Vermerke der vorphilatelistischen Zeit

Recommandationshinweise auf Briefen aus dem 17. Jahrhundert entsprechen dem Wunsch des Absenders auf die Sendung besonders gut zu achten. Es war dies der Wunsch des Auflieferers, für den keine Gebühren zu erheben waren und die keine Verpflichtung für die Post darstellten. Ebenso verhielt es sich bei der Kennzeichnung der Briefe durch ein Kreuzzeichen. Man wollte den Brief durch diese Kennzeichnung unter den Schutz Gottes stellen, was durchaus der damaligen Einstellung zum christlichen Leben entsprach. Für die Post ergab sich auch aus der Kreuzzeichnung keine Verpflichtung für eine Sonderbehandlung. Das bedeutet, dass beide Formen der Kennzeichnung nicht als Vorläufer postamtlicher Recommandation anzusehen sind.

Bei der Kaiserlichen Reichspost musste jeder aufgelieferte Brief in eine "Postcarta" (Manuale = Liste) einzeln eingetragen werden. Sendungen und Liste gingen zu den zuständigen Postanstalten, wurden dort kontrolliert und wenn eine Weiterleitung erforderlich war, erneut listenmäßig erfasst. Die Listen waren bei der Post längere Zeit zu verwahren, um den Laufweg jeder Sendung nachweisen zu können. Dies war ein zeitaufwendiges Verfahren.

Dieser aufwendige Arbeitsablauf war bei zunehmenden Postaufkommen nicht mehr zu vertreten. Die Administration der Kaiserlichen Reichspost entschloss sich, die aufgelieferten Briefe nur noch nach ihrer Anzahl in der Manuale (Postcarta) vorzumerken. Damit war gleichzeitig die Möglichkeit der Nachforschung bei einer einzelnen Sendung nicht mehr gegeben. Wollte der Absender, dass sein Brief nach der bisher praktizierten Methode registriert wird, so musste er dafür eine zusätzliche Gebühr entrichten. Die Briefe wurden dann eingeschrieben und gekennzeichnet. Sie erhielten auf der Vorderseite ein Doppelkreuz, ein Gitterzeichen, eine meist zusammenhängende r r r Kenzeichnung oder einen NB-Vermerk. Auch der handschriftliche Vermerk "Recommandiert" kommt vor. Der Auflieferer erhielt als Beleg für die Aufgabe und Bezahlung einen Aufgabeschein.

Ersatzansprüche bei Verlust der Sendung konnte der Auflieferer zunächst nicht stellen. Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein vom Wert der Sendung unabhängiger Verlustbetrag erstattet. Der Betrag war in seiner Höhe nicht festgelegt, er wurde jeweils ausgehandelt. Die Kennzeichnung der Briefe änderte sich zunächst nicht. erst etwa 1795 führten einige Städte mit größerem Postaufkommen Stempel als Recommandationsvermerk ein.

Gleichbedeutend wie die Bezeichnung "Recommandiert" ist der französische Begriff "Chargé". Am 14.12.1801 kam es zwischen dem Hause Thurn und Taxis (Kaiserliche Reichspost) und Frankreich zu einem Postabkommen. Es wurde festgelegt, dass wechselseitig auch rekommandierte Briefe versendet werden können, die mit "Chargé" zu kennzeichnen waren.

Unter Zugrundelegung der vorgenannten Postkonvention wurden ab etwa 1802 auch bei bayerischen Postorten Chargé-Stempel eingeführt. Das bedeutete aber nicht, dass die Bezeichnung "Recommandiert" aufgehoben war. Recommandiert-Stempel wurden auch nach 1802 noch weiterverwendet und in einem Falle sogar neu eingeführt.

Bei der Übernahme der Post durch den bayerischen Staat wurde die Recommandation in der bisherigen Handhabung beibehalten. Die Administration der Bayerischen Post legte sich allerdings auf die Bezeichnung "Chargé" fest, die sie letztendlich als verbindlich erklärte. Es wurden unter bayerischer Posthoheit weitgehendst alle Postanstalten mit Chargé-Stempeln ausgestattet. Eine zentrale Versorgung erfolgte allerdings zunächst nicht. Die Stempel waren einzeilig und bedingt durch die dezentrale Beschaf-fung in Schrift und Typen unterschiedlich. Geschnitten wurden die Stempel in den Schriftarten Antiqua, Kursiv und in Schreibschrift. In einigen Fällen haben Post-anstalten den Chargé-Stempel mit dem Ortsnamen verbunden. Vermutlich bewährte sich diese Stempelart nicht. Sie wurde nach einiger Zeit nicht mehr eingesetzt und auch nicht nachgefertigt.

Mitte der 30er Jahre (im
19. Jahrhundert) wurden in Bayern die Chargé-Stempel zentral angefertigt. Es handelte sich um einheitliche Stempel in Schreibschrift. Die bereits vorhandenen Stempel konnten weiterverwendet werden.

Die aus der Frühzeit bei recommandierten Briefen bekannte Doppelkreuz- oder Gitterkreuz-Kennzeichnung war mit Einführung der Stempel durchau nicht passé. Gewohnheit oder Sicherheit, was immer es auch gewesen sein mag. In vielen Fällen tragen Briefe neben einem Recommandiert- oder Chargé-Stempel auch die handschriftliche Kennzeichnung, nicht selten bis hinein in die Markenzeit. In der vorphilatelistischen Zeit gibt es sogar Stempel in denen die Gitterkreuzzeichnung im Stempelbild enthalten ist. Allerdings in sehr geringer Zahl.

 
 

20. Verspätungsstempel

Schon ab 1820 verwendete die Bayerische Post Stempel zur Kennzeichnung für verspätet aufgelieferte Sendungen. Verspätet aufgeliefert war ein Brief dann, wenn er zu einem Zeitpunkt aufgegeben wurde, zu dem die Post  in die in Frage kommende Richtung bereits abgegangen war und die Sendung erst mit nächst anfallenden Post weitergeleitet werden konnte.

Die Stempel tragen in der Regel den Text: "Nach Abgang" oder "Nach Abgang der Post". Die Stempel waren einzeilig. Sie hatten keine genormte Schrift und waren in allen denkbaren Möglichkeiten abgekürzt. Mit diesen Stempeln begründete die Post die Verzögerung des Weitertransports ohne postamtliche Verschulden.

Anfang 1843 wurden bei den Oberpostämtern Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg die Schreibschriftstempel mit dem Text "Abends" und "Morgens" eingeführt. Diese Stempel kennzeichnen die Arbeitszeit, also die Zeit, zu der die Behandlung der Sendungen vorgenommen wurde. Die Stempel sind bei aufgelieferter Post, als auch bei weiterzubearbeitenden Sendungen von anderen Postorten beim Oberpostamt angebracht worden. Sie sollten Kontrolle und Beweis für unverzügliche Weiterbearbeitung sein. Die Kennzeichnung wurde nur angebracht auf Sendungen, die keinen Ortsstempel mit Uhrzeitangabe aufwiesen. Diese Kennzeichnungsstempel hatten nur eine sehr kurze Laufzeit.

         
 
 
 
 
 
 
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21. Bayerische Sanitätsstempel

Aus Seuchengebieten ankom-mende Sendungen wurden an den Grenzpostämtern, oder an Orten mit Briefpaketschlüssen von dort eingerichteten Sanitätsstationen (in Bayern auch Kontumazämter genannt) vor der Weiterleitung nach verschiedenen Methoden desinfiziert und mit speziellen Stempeln als "gereinigt" gekennzeichnet.

Im 19. Jahrhundert waren zu unterschiedlichsten Zeiten und in verschiedensten Gebieten Europas Cholera-Epidemien. Cholera war die verbreiteste Seuche, und wurde in allen Ländern zielstrebig bekämpft, auch vorbeugend. Die Desinfektion der Briefe gehörte dazu.

So kam es, dass man bei desinfizierter Post allgemein von Cholerabriefen sprach und die auf den Briefen angebrachten Kennzeichnungsstempel als Cholerastempel bezeichnete. Noch immer werden in philatelistischen Kreisen diese Bezeichnungen häufig verwendet. Das ist aber nur bedingt richtig. Die Stempel wurden nach einer Desinfektion auch dann angebracht, wenn die Sendungen aus Ländern kamen in denen Fleckfieber-, Typhus-, Pest und andere Epidemien herrschten. Die Bezeichnung Desinfektions- oder Sanitätsstempel wäre zutreffender. Sanitätsstempel sind keine postalischen Stempel. Sie wurden von einer postfremden Institution, den Kontumazämtern, gemäß geltendem Recht auf den Sendungen angebracht.

 
Postorte im Landkreis Oberallgäu
 

Frauenzell Schwaben

Eröffnet am 1. 11. 1894 als Postexpedition, später Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

ohne Abbildung

?

?
verwendet 1894-
Bewertung 15 €

Einkreiser mit Gebietsangabe
Typ Helbig 35
verwendet 1905 - 1910
Bewertung 15 €

 

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 40 €

Freibergsee

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Oberstdorf am 16. 9. 1900, geschlossen am 7. 3. 1904

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1899 -
1906
Bewertung 35 €

Posthilfstelle?
(nach?)verwendet 1906 - 1920
Bewertung 5 €

Die Verwendungsdaten stammen aus dem Helbig-Stempelhandbuch. Ich kann es mir nur so erklären, dass der Stempel Nr. 1 schon vor der offiziellen Eröffnung benutzt wurde. Stempel Nr. 2 findet sich im Helbigs Stempelhandbuch. Nach den Daten kann es keineswegs ein offizieller Stempel gewesen sein. Vielleicht ein Aushilfsstempel für einen Posthilfstellenstempel? Warum führt Helbig ihn auf? Letztlich kann dies nur ein engagierter Heimatsammler klären. Ich vermag es anhand der Literatur nicht zu klären. Es ist doch etwas abseits vom Westallgäu.

Gaisalpe

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Fischen am 1. 6. 1901, ab 16. 6. 1913 Posthilfstelle Taxe Langenwang

Nr. 1

Nr. 2

privater Vorläuferstempel
verwendet 1898
Bewertung - . -

Posthilfstelle
verwendet 1901 - 1913
Bewertung 15 €

Nr. 3

 

 

Posthilfstelle
verwendet 1913 - 1920
Bewertung 15 €

 

Gerstruben

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Oberstdorf (nur im Sommer offen) am 1. 6. 1900, geschlossen am 31. 3. 1920

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1900 - 1914
Bewertung 15 €

Posthilfstelle
verwendet 1914 - 1920
Bewertung 15 €

Grüntenhaus

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Burgberg am 16. 6. 1901

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1901 -
Bewertung 15 €

Posthilfstelle
verwendet 1905 - 1920
Bewertung 10€

Gunzesried

Eröffnet als Postablage (späte) am 16. 1. 1897, Postagentur ab 1. 10. 1898

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Nr. 4

ohne Abbildung

Einkreiser
Typ Helbig 30b
"R-Fuß eng "
niedrige Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
 mit Jahr
verwendet 1897 - 1908
Bewertung 15€

Einkreiser
Typ Helbig 30b
"R-Fuß weit"
niedrige Grotesk
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
 mit Jahr
verwendet 1908 - 1911
Bewertung 10 €

Doppelkreisstempel
mit zwei Sternen
Typ Helbig 39a
verwendet 1911 - 1920
Bewertung 5 €  

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ca. 7. 1908
Bewertung 30 €

Gunzesriedersäge

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Gunzesried am 1. 3. 1911, geschlossen am 31.3. 1920

Nr. 1

Posthilfstelle
verwendet 1911 - 1920
Bewertung 30 €

Häfeliswald

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Kreuzthal am 1899

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1899 -

Bewertung 25 €

Posthilfstelle
verwendet 1913 - 1920
Bewertung 15 €

Haldenwang

Eröffnet als Postagentur am 16. 11. 1903

Nr. 1

Nr. 2

 

 

 

 

Doppelkreisstempel
mit zwei Sternen
Typ Helbig 37a
verwendet 1903 - 1915
1908 repariert
Bewertung 5 €

Doppelkreisstempel
mit zwei Sternen
"b" schmaler
Typ Helbig 37a
verwendet 1903 - 1915
Bewertung 5 €

 

 

Härtnagel

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Kempten 1899, Posthilfstelle Taxe Heiligkreuz ab 1. 4. 1906

Nr. 1

Nr. 2

ohne Abbildung

Posthilfstelle
verwendet 1899 - 1906
Bewertung 40 €

Posthilfstelle
verwendet 1906 - 1920
Bewertung 30 €

Heiligkreuz

Eröffnet als Postagentur am 1. 8. 1899

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

 

 

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk

"R-Fuß eng "
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
 mit Jahr
verwendet 1900-1912
Bewertung 20 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk

"R-Fuß weit "
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
 mit Jahr
verwendet 1912-1920
Bewertung 15 €

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ca. 10. 1912
Bewertung 35 €

 

Heising

Eröffnet als Postexpedition am 1. 5. 1884

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

 

 

Einkreiser
Typ Helbig 30a
niedrige Grotesk

Monat in
 Buchstaben
einfache Stunde
 mit Jahr
verwendet 1892 -
Bewertung 15 €

Einkreiser
Typ Helbig 30b
niedrige Grotesk

breite Schrift
Monat in
 Buchstaben
Doppelstunde
 mit Jahr
verwendet 1913-1920
Bewertung 5 €

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 30 €

 

 
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