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Die Post im Westallgäu

Seite 30

 
 
 

Ergänzung zur Geschichte der Post im Westallgäu

(Autor M. Wiedemann)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter, September 1927, Bd. 2, S. 198

Im Jahre 1694 unternahm das Oberamt Bregenz ernstliche Schritte, um eine Besserung der bestehenden Postverhältnisse herbeizuführen. Bis dahin hatten die Herrschaften Bregenz und Hohenegg keine Postanstalt besessen; der Briefverkehr war durch das Postamt Altdorf (Weingarten) vermittelt worden. Auch die nach Italien gehenden Briefe wanderten von Altdorf über Ulm-Augsburg nach Innsbruck und weiter. Der lebhafte Briefwechsel zwischen den Bodensestädten und Mailand vollzog sich also nicht, wie man vermuten könnte, über den Splügen, St. Bernhard oder St. Gotthard. Die Briefe von Mailand [soweit sie nicht von den Fußacher Boten befördert wurden, hätte Wiedemann ergänzen müssen] gelangten durch die reitende Post über das Stilfser Joch oder den Brenner nach Innsbruck. Das dortige Reichspostamt sortierte schleunigst die Briefschaften und verteilte sie in "Paquets", heute Postbeutel genannt.

Solche Postpakete gingen unter anderem von Innsbruck nach Augsburg, Ulm, Lindau, Altdorf. Es könnte befremden, dass der Briefverkehr mit Mailand und Italien sich auf solchen Umwegen abwickelte. Eine Erklärung für diese auffallende Tatsache finden wir darin, dass in jener Zeit nicht eine Weltpost, sondern nur eine Reichspost zunächst sich der Briefe aus reichsdeutschem Gebiet annahm. Der nächste Weg vom Bodensee nach "Millano" und "Italia" hätte über Schweizer, also über ausländisches Gebiet geführt; dieser Weg war deshalb für die Reichspost nicht gangbar. Die Strecke Innsbruck-Arlberg-Lindau wäre freilich kürzer gewesen wie Innsbruck-Augsburg-Ulm-Lindau. Wäre aber die Post aus dem Süden über diese Strecke geleitet worden, dann hätten die überragenden Handelsplätze Augsburg und Ulm erst mehrere Tage nach Lindau ihre Briefe erhalten. Eine solche Verkehrspolitik war unmöglich; und von Innsbruck aus nach Augsburg-Ulm und nach Arlberg-Lindau je eine besondere reitende Post einzurichten, verbot sich wegen Unrentabilität. Erst viel später konnte der Postverkehr in diesem Sinne ausgebaut werden.

[Wiedemann unterscheidet leider nicht strikt zwischen Reichspost, Vorderösterreichischer Post und TT-Lehenspost.]

Die für Bregenz bestimmten Briefschaften wurden, wie ich bereits erwähnte, in Innsbruck dem Altdorfer Paket beigepackt. Ein "Ordinari Pott", ein wöchentlich verkehrender Bote zu Fuß, holte zu Altdorf die Sendungen ab. Das von Innsbruck nach Lindau gerichtete Paket ging über Augsburg-Ulm-Leutkirch-Wangen. Die letztgenannten Städte hatten damals keine Reichspostämter, sondern nur Posthaltereien; dieselben mussten die Reitpferde und Postknechte stellen.

Es drängt sich die Frage auf, warum die für Bregenz bestimmte Post nicht dem Lindauer Paket beigepackt war. Die Antwort ergibt sich aus dem schwäbischen und elsässischen Länderbesitz der Habsburger. Zu Freiburg im Breisgau residierte eine kaiserliche Regierungs- und Hofkammer. Diese unterhielt nicht nur mit Wien und Innsbruck eine lebhafte Korrespondez, sondern auch mit dem Oberamt der beiden Herrschaften Bregenz und Hohenegg. Dieses Oberamt unterstand zum Teil der Freiburgischen Behörde; namentlich die landwirtschaftlichen Angelegenheiten in beiden Herrschaften regelte der Kammerpräsident zu Freiburg. Zwischen Bregenz und Freiburg gab es also ein lebhaftes Hin und Her, so dass ein regelmäßiger Botenverkehr Bedürfnis war. Da da die Brieftaxe von Ulm nach Altdorf billiger war als nach Lindau, wurde die Bregenzische Post über das Postamt von Altdorf geleitet. Auch war der Postknecht von Leutkirch bis Lindau so reichlich beladen, dass man ihm weitere Sendungen nicht mehr aufbürden durfte.

So lagen die Verhältnisse 1694. Bregenz wollte nunSitz eines Reichspostamtes werden. Aber auf welchem Wege dazu kommen? Dass in zwei Städten in so geringer Entfernung wie Bregenz und Lindau Reichspostämter unterhalten würden ohne einschneidende Änderung der bisherigen Verkehrsbedürfnisse, war nicht zu hoffen. Noch weniger konnte erwartet werden, dass das Amt der damals als Handelsplatz bedeutenden Reichsstadt Lindau nach Bregenz verlegt werde; zumal in Bregenz "Kaine Mecantili Niderlag noch handlschaft, noch wexl Statt" war. Der bregenzische Oberamtmann Benedikt Reichard von Wolfurt glaubte einen Weg gefunden zu haben. Er machte folgende Vorschläge: In Bregenz wird ein Privatpostamt errichtet. Die aus den schwäbischen Landschaften nach Italien und Mailand bestimmten Briefe sind nicht mehr über Ulm-Augsburg-Innsbruck zu leiten, sondern an das neue Postamt zu Bregenz. Zu diesem Zwecke ist neben dem bisher zwischen Leutkirch und Lindau durchgeführten Postritt ein weiterer einzuführen. Die kosten hiefür belaufen sich auf jährlich 300 Gulden. Von Bregenz werden die Briefe durch die regelmäßig nach Italien fahrenden Boten weiterbefördert. Diese Boten bringen auch Briefe aus dem Süden zurück. -

Die Regierungskammer zu Innsbruck unterbreitete diese Vorschläge dem Oberpostamt Ausgburg und dem Freiherrn Sigmund Max von Thurn und Taxis, einem Verwandten des Reichspostmeisters Grafen von Thurn und Taxis. Im Augsburger Gutachten war das Reichard'sche Projekt scharf verurteilt; die Hofkammer zu Innsbruck wurde direkt gebeten, Hern Reichard zur zu weisen. Die Beförderung der Briefe von Bregenz nach Mailand durch Boten besorgen zu lassen, sei ein lächerlicher Gedanke. Während die Briefe von Mailand nach Innsbruck durch die reitende Post in fünf Tagen gelangten, hätten die fahrenden Boten die gleichen Sendungen erst in vierzehn Tagen von Mailand nach Bregenz befördert. Augsburg und Ulm wären also acht bis neun Tage später in den Besitz der Briefe gekommen.

Das Reichspostamt Augsburg ließ auch den Reichard'schen Kostenvoranschlag nicht gelten. Zur geordneten Durchführung des Briefverkehrs wären nach je drei Meilen Nebenpoststellen einzurichten gewesen, so dass sich nicht 300, sondern 3000 Gulden jährl. Betriebskosten ergeben hätten. Das Gutachten fragt: Zu deme, welcher Khauffmann wurde seine Correspondenzen so weithen weeg umb nach Bregenz Senden?" Im übrigen wurde darauf hingewiesen, dass allein Graf von Thurn und Taxis das Recht als ein kaiserliches Lehen besitze, im Reichsgebiet Postanstalten einzurichten.

Die gutachtliche Antwort des Freiherrn Sigmund Max von Thurn und Taxis, dem die Oberaufsicht über die süddeutschen Postämter anvertraut war, ging genauer auf das Reichard'sche Projekt ein. Es wirde folgendes ausgeführt: Das Projekt greift an die Rechte des Reichspostmeisters Grafen von Thurn und Taxis zu Brüssel, beziehungsweise an die Rechte des Reichspostamtes Augsburg, dem das Lindauer Amt unterstellt war.

Nie würde Augsburg gestatten, hieß es, dass die Posthalter zu Leutkirch und Wangen den Ritt nach Bregenz ausführten. Es wären also neue Posthaltereien mit eigenen "solarii" (Sonnenuhren) einzurichten. Die Briefe von Mailand hätten in Bregenz nie so zeitig eintreffen können, dass sie die Lindauer Post ordnungsgemäß erreicht hätten. Wahrscheinlich hätten die Kaufleute eine solche Verschlechterung des Postverkehrs damit beantwortet, dass vom Bodensee durch die Schweiz nach Italien ein eigener direkter Botenverkehr eingerichtet worden wäre zum Schaden der Reichspost.

Fortsetzung auf Seite 31

 
         
 
 
 
 
 
 
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Postorte im Landkreis Oberallgäu

Rettenberg

Rettenberg 1924

 

Eröffnet als Postablage der Postexpedition Immenstadt am 1. 5. 1863, ab 1. 11. 1878 Postexpedition, ab 1. 11. 1898 Postagentur

Bericht vom 15.4.1863 vom Oberpost- und Bahnamt Augsburg:

"Die in Folge hoher Entschließung vom 31. Januar 1863 angeordneten Verhandlungen haben ergeben, dass der bisherige Postablage Inhaber zu Kranzegg dieselbe jederzeit abgeben will, während zur Führung einer Postablage in Rettenberg bereits ein taugliches Individuum gefunden ist; erlaubt sich daher die ehrbietigste Bitte, die Einziehung der Postablage zu Kranzegg mit 30. ds. Monats und dagegen die Errichtung einer solchen in Rettenberg vom 1. Mai an gnädigst verfügen zu wollen."

Am 23. April 1863 verfügte das Oberpost- und Bahnamt Augsburg:

Auf den Bericht vom 15. ds. Monats in bezeichnetem Betreffe wird der Postablage Inhaber hiedurch angewiesen, die Postablage zu Kranzegg, Postbezirk Immenstadt mit 30. ds. Monats aufzuheben und dagegen eine solche mir dem 1. Mai lf. Jahres in Rettenberg, desselben Postbezirks zu errichten. Die Inventarstücke und Dienstbehelfe haben mit Ausnahme des Stempels, wegen dessen Anschaffung und resp. Einziehung die Regie- und Materialverwaltung gleichzeitig angewiesen wird, von der Postablage zu Kranzegg auf jene zu Rettenberg überzugehen.

Allgäuer Anzeigenblatt Nr. 281 vom 10. Dez 1878

Auf Dienstvertrag wurde der Postexpeditionsdienst zu Rettenberg dem Bräuer Josef Anton Müller verliehen.

Josef Anton Müller verstarb am 11. 4. 1879. Die Witwe Hedwig Müller führte mit Unterstützung des Postgehilfen Lau die Postexpedition weiter. Sie bittet um Bestätigung als Postexpeditorin. Da die Kündigungsfrist ein halbes Jahr betrug, sah die Generaldirektion keinen Anlass zur Eile. Am 15. Juli 1879 wurde der Sohn Andreas Müller als Gehilfe verpflichtet. Der Gehilfe Lau musste entlassen werden. Ab 1.1. 1880 wurde der Postexpeditionsdienst offiziell auf die Witwe Hedwig Müller übertragen.

16. 10. 1885 Eröffnung der Telegrafenstation Rettenberg, Sept. 1892 Telegrafenstationen in Kranzegg und Vorderburg.

1. 12. 1890 Die Orte Altach, Wagneritz und Weiler der politischen Gemeinde Rettenberg werden von dem Postbestellbezirk Blaichach abgetrennt und jenem von Rettenberg zugeteilt.

1. 12. 1914 Die Gemeinde Vorderburg wird dem Postzustellbezirk Rettenberg zugeteilt.

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Postablage
verwendet 1863 - 1878
Bewertung
auf Marke 30 €
auf Brief 100 €
auf Dienstbrief 40 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 19a
verwendet 1878 - 1882
Bewertung 10 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 25b
verwendet 1889
Bewertung 10 €

Nr. 4

Nr. 5

Nr. 6

Nr. 7

ohne Abbildung

Einkreisstempel
Typ Helbig 30b
verwendet ?
Bewertung 10 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 30b
verwendet 1914 - 1920
Bewertung 5 €

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ?
Bewertung 30 €

Aushilfsstempel
Typ Helbig A 3.2
verwendet 20. 6. ?
Bewertung 35 €

Ried

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Sulzberg i. Schw. 1898

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1913
Bewertung 15 €

Posthilfstelle
verwendet 1914 - 1921
Bewertung 20 €

Rieden

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Sonthofen 1898

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1909
Bewertung 40 €

Posthilfstelle
verwendet 1909 - 1920
Bewertung 20 €
weiterverwendet bis 1929 für
Postaufgabestelle

Röhrmoos

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Tiefenbach am 1. 8. 1900

Nr. 1

 

Posthilfstelle
verwendet 1900
Bewertung 40 €
weiterverwendet bis 25. 8.1942

Rothkreuz

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Kempten 1898, ab 15. 10. 1909 Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

 

 

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1909
Bewertung 15 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 39a
verwendet 1909 -
Bewertung 0 €

 

Rottach

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Kempten 1898

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1913
Bewertung 25 €

Posthilfstelle
verwendet 1913 - 1920
Bewertung 45 €

Schelldorf

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Kempten am 16. 3. 1907,
ab 1. 6. 1910 Posthilfstelle Taxe Kottern-Neudorf, geschlossen 31. 3. 1920

Nr. 1

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1907 - 1910
Bewertung 40 €

Posthilfstelle
verwendet 1910 - 1920
Bewertung 30 €

Schöllang

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Fischen 1898, geschlossen am 31. 3. 1920

Nr. 3

Nr. 2

Posthilfstelle
verwendet 1898 - 1913
Bewertung 25€

Posthilfstelle
verwendet 1913 - 1920
Bewertung 20 €

Seifen

Eröffnet als Postablage am 1. 8. 1896, ab 1. 10. 1898 Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

Posthilfstelle
verwendet 1897 - 1899
Bewertung 60 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 30b
verwendet 1899 - 1916
Bewertung 5 €

Einkreisstempel
Typ Helbig 30b
"R-Fuß weit"
verwendet 1916 - 1920
Bewertung 0 €

Seltmanns

Eröffnet als Posthilfstelle Taxe Sibratshofen 12. 2. 1918, geschlossen am 20. 8. 1918, wiedereröffnet am 24. 2. 1919, geschlossen 1930

Nr. 1

 

 

Posthilfstelle
verwendet 1918 - 1930
Bewertung 20 €

 

Sibratshofen

Eröffnet als Postablage am 1. 7. 1894, ab 1. 10. 1898 Postagentur

Nr. 1

Nr. 2

Nr. 3

 

 

Einkreisstempel
Typ Winkler 30b
verwendet 1894 - 1911
Bewertung
Postablage 25 €
Postagentur 5 €

Einkreisstempel
Typ Winkler 30b
"R-Fuß weit"
verwendet 1911 - 1920
Bewertung 5 €

Reservestempel
Typ Helbig 37R
verwendet ca. 3. 1911
Bewertung 30 €

 

 
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