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Die Post im Westallgäu

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Vorarlberg unter bayerischer Besetzung
1806 - 1814

von Dr. Anton Gruber
(2. Fortsetzung)

Im Anschluss daran kam am 3. Juni 1814 zwischen dem österreichischen Minister Metternich und dem bayerischen Feldmarschall Wrede ein seit Monaten vorbereitetes Sonderabkommen zustande, worin die schon im Rieder Vertrag in Aussicht genommene Grenzregulierung vereinbart wurde: U. a. sollte die gefürstete Grafschaft Tirol ohne das Landgericht Vils und Vorarlberg ohne das Landgericht Weiler (à l'excéption du baillage de Weiler) an Österreich gegen anderweitige namhafte Gebietsentschädigungen wieder zurückgegeben werden.

Obwohl die Anhänglichkeit Vorarlbergs an Österreich nie so stark gewesen war wie in Tirol und in den Kriegsereignissen der letzten 150 Jahre manchen Stoß erlitte (ein Habsburger hatte gelegentlich die Vorarlberger die stets "Verneinenden" genannt), obwohl man sich längst im stillen zu der Überzeugung vom Werte einzelner bayerischer Einrichtungen bekehrt hatte, war doch der Jubel darüber, dass die bayerische Herrschaft nun eine Ende habe und man wieder ins Habsburgische Reich zurückkehren dürfe, ungeheuer. Eine dreitägige Festlichkeit wurde im Anschluss an die feierliche Rückgabe (7. Juli 1814) veranstaltet. Letztere wurde unter "Paradierung" des kaiserlich österreichischen Militärs und der k.b. Nationalgarde zu Bregenz in der Stadtkanzlei bei offenen Türen vollzogen. Der bayerische Hof- und Generalkommisär von Stichaner hielt hier eine bedeutsame Rede, inder es u.a. hieß: "Infolge freundschaftlicher Übereinkunft gebe ich im Auftrage meines allergnädigsten Monarchen nunmehr das Land Vorarlberg mit Ausnahme des landgerichts Weiler wie ein anvertrautes Pfand wieder zurück. Die königliche Regierung hat dieses Pfand mit mütterlicher Sorgfalt bewahrt, sie hat das Land wie ein Schiff im Sturm geleitet und sicher wieder in seinen Hafen zurückgeführt. Nur mit innigster Wehmut konnte sie sehen, welche Wunden der Krieg auch diesem Lande geschlagen, wie sehr Handel und die Industrie seiner fleißigen Bewohner gelitten und der Wohlstand abgenommen hat. ... Möge der Friede wieder alle Verluste ersetzen, möge die wohltätige Regierung S. K. Majestät das Land in die glückliche Lage versetzen, welche es durch den Fleiß und die Kultur seiner Bewohner verdient." Der kais. österr. Hofkommissär feierte hierauf die Wiederaufrichtung der Adler auf dem Arlberg und an dem Bodensee und empfahl den Bewohnern, sie sollten auch fernerhin die Bayern, welche soviel Blut für die allgemeine Sache vergossen hätten, als ihre Brüder erkennen.

Ein schlichtes, sinniges Erinnerungsmal an die Tage der Wiedervereinigung Vorarlbergs mit Österreich hängt zur Zeit im Treppenhaus des Landesmuseums in Bregenz: Auf einem Bild sehen wir vier Bürger in großer Feierlichkeit, das Porträt des Kaisers Franz (kopiert nach dem Original im Rathaus) in die Pfarrkirche tragen, "wo sie Gott das Dankopfer darbrachten, indem sie durch seine weisesten Verfügungen nun wiederum Österreich übergeben und den besten Kaiser Franz erhielten - welches vorgegangen am 24. Julius im Jahre 1814."

So einfach und glatt sich die Lösung dieser politischen Frage ansieht, so schwierig waren die zu diesem Ende gepflogenen Vorverhandlungen und mehr als einmal schien es, als ob man, bei aller äußeren Freundschaft hartnäckig die eigenen Belange wahrend, sich nicht zu einigen vermöchte. Im Laufe des diplomatischen Notenwechsels und mündlicher Verhandlungen zwischen Wien und München lag auch ein bayerischer Antrag vor, wonach für Tirol ohne das Gericht Vils (zwischen Füssen und Reutte), für Vorarlberg ohne das Landgericht Weiler, für das bayer. Gebiet von der Ostgrenze bis zur Salzach ohne das sog. Innviertel ganz Württemberg südl. des Jura oder der Donau an Bayern abzutreten sei. Ja zeitweilig standen auch Ellwangen und Heilbronn und von Baden Konstanz, Salem, Heiligenberg, Bretten und Bruchsal bezügl. Angliederung an Bayern in Frage. Für alle Fälle aber sollten - und das wurde immer wieder betont - Vils und Weiler bei Bayern verbleiben. Warum man sich in München für Weiler so sehr ins Zeug legte, darauf wird noch zurückzukommen sein. Und wie dann Weiler bei Rückgabe Vorarlbergs für das Bayernland tatsächlich gerettet war, gabes noch ernste Auseinandersetzungen genug über den staatsrechtlichen Begriff baillage de Weiler. Vollends wollte die Hohenemser Frage noch Jahrzehnte lang nicht zur Ruhe kommen. Beide Kontrahenten klammerten sich an den Wortlaut des Preßburger Friedens (Art. VIII) und der Pariser Konvention vom 3. 6. 1814 und versuchten, jeder auf seine Weise, günstige Deutungen. Die Akten über diese Streitobjekte, füllen zwei leibige Faszikel im Bay. Geh. Staatsarchiv (Kasten schwarz: M. A. Extrad 1902, Nr. 513/514).

Es soll nun auf Haltung und Stimmung der Vorarlberger Bevölkerung um die Zeit des Pariser Friedens und die durch ihn geschaffene Rechtslage, so wie sie sich in den Augen der beiderseitigen Regierungen darbot, näher eingegangen werden.

Ein Vertreter der bay. Staatsregierung, v. Langenmantel, begab sich nach Bekanntwerden der beschlossenen Gebietsveränderungen sofort in das Landgericht Weiler und berichtete am 20. 6. 1814 von Röthenbach (geschrieben war: Röttenbach) an Generalkommissär v. Stichaner in Kempten: "Ich habe die Ehre Eu. Exz. von meinem Eintreffen in Röthenbach den 19. ds. M. Nachricht zu geben. Durch das stark anhaltende Regenwetter fand ich die Straßen auf meiner Herreise an manchen Orten in einem nicht guten Zustand und, wie es scheint, ist das Wetter die Ursache, dass so wenig Leute zu sehen und zu treffen sind. Alles bleibt ruhig zuhause. Die Übergabe Vorarlbergs an Österreich exclusive des Landgerichts Weiler ist in hiesiger Gegend noch wenig und für eine Neuigkeitslüge anerkannt. Allein hier in Röthenbach wird durch dessen Anerkennung einstweilen nur über den für diesen Bezitk zu erwartenden schlechten Verdienst gesprochen."

Am 21. 6. 1814 schreibt Stichaner an das Staatsministerium für auswärtige Angelegenheiten: "Der Umstand, dass Weiler bei Bayern bleibt, veranlasst mich zugleich alle Maßregeln zu ergreifen um dieses Gericht zu fürveillieren [= überwachen]. Ich habe deshalb verschiedene verlässige Individuen instruiert und auch einige Individuen in das Gericht abgeschickt. Einige Berichte darüber lege ich bei, worunter die Anzeige von Lindau bemerkenswert ist, dass eine Deputation nicht von Weiler, sondern von Bregenz abgehen solle, um Weiler bei Vorarlberg zu behalten. Sollten in Weiler Exzesse geschehen, so werde ich militärische Assistenz gebrauchen. Doch besorge ich zur Zeit noch nichts." Vorsichtshalber wurde in jenen Tagen die Grenze des Landgerichts Weiler gegen das Bregenzer Gebiet von Lindau aus mit zwei Kompagnien Soldaten besetzt, was "unangenehme Sensation" in Weiler verbreitete. Beide Gerichte (Weiler und Bregenz) suchen, wie Stichaner an Minister Montgelas am 24. 6. 1814 schreibt, alles anzuwenden um die Trennung zu verhindern. Ebenda wiederholt der Generalkommissär schon früher vorgebrachte Bedenklichkeiten, welche mit der Verteilung der Gewehre in Vorarlberg (für Milizen) verbunden seien. Die Gewehre seien trotz seiner Warnung verteilt worden. Gegenwärtig sollten die Gewehre zurückgeliefert werden, allein die Vorarlberger gäben sie nicht mehr her. Nur in Bregenz habe man sie eingeliefert, in allen übrigen Gerichten würden sie verweigert.

Weiter berichtet Stichaner, wenn auch die erste Nachricht von der Übergabe im Allgemeinen keine Ausschreitungen verursacht habe, so sei das In Bludenz doch anders gewesen, wo man die bayerischen Wappen herabgerissen, insultiert und zertrümmert habe. Sie seien zwar folgenden Tages wieder aufgehängt worden, allein die Tat könne nicht ohne Strafe bleiben. Diese Angabe beruhte auf einer von Kreisrat v. Thoma aus Feldkirch (am 21. 6. 1814) bei Stichaner eingelaufenen Meldung. Dort heißt es: "Der Pöbel begnügte sich nicht, nur der tollen Freude freien Lauf zu lassen, sondern die kgl. Wappen wurden (in Bludenz) von dem Landgerichte und den Mautgebäuden mit Stangen heruntergeschlagen und die von der Mautwohnung noch besonders insultiert und zertrümmert. Der K. Landrichter konnte dem Sturm keinen Einhalt tun und wollte sich wahrscheinlich auch nicht persönlichen Misshandlungen aussetzen. ... Ich habe von Augenzeugen gehört, dass die Sache arg genug gewesen sein muss."

Die oben erwähnte Anzeige vom Landgericht Lindau (20. 6. 1814) sei hier angefügt: " Bei allem Jubel, der Bregenz belebt, sollen doch schon Klagen über die Vorbehaltung des Landgerichts Weiler geschehen sein, da hiedurch der Stadt alle Straßen genommen seien. Unruhen bemerkte ich in meiner Nachbarschaft nicht, doch Unmut und die Hoffnung, dass es gewiß anders werde. Eine Deputation an Kaiser Franz (im Original unterstrichen), ist soviel als gewiß. Lindau als Handelsplatz verliert und man bedauert die Losreißung Vorarlbergs, vertröstet sich indes auf eine Ausdehnung am Bodensee und das Buchhorn (das spätere Friedrichshafen) wieder an Bayern komme, da ohne diese veränderung Lindau in eine böse, ruinierende Lage komme." Die hier betr. Weiler ausgesprochenen Mutmaßungen erwiesen sich als richtig. Es erfolgten Vorstellungen bei bayerischen Behörden, insbesondere gelangte ein Bittgesuch der Vorsteher des Landgerichts Weiler am 26. 6. 1814 an Generalkommissär v. Stichaner des Inhalts, dass man eine Wiedervereinigung auch des Landgerichts Weiler mit dem alten Kaiserhaus befürworten und genehmigen solle.

Metternich suchte mit Nachdruck das Landgericht Weiler, ja sogar das oberste Illertal zu erhalten. Er wollte so eine nähere Verbindung zwischen dem oberen Lechtal und dem Bodensee sichern, also neben der Arlbergstraße einen zweiten Zugang zum Bregenzer Wald gewinnen. Doch er stieß aber in München auf unbeugsamen Widerstand. Bayern konnte und wollte sich die Verbindung mit Lindau und dem Bodensee nicht versperren lassen, wie wir später genauer sehen werden. Nach mühsamen Beschwichtigungen und Belehrungen unserer Vorfahren [Die Agitation des Dekans Steger und seiner Gesinnungsgenossen in und um Weiler gegen Bayern machte große Schwierigkeiten.] konnte denn Stichaner am 8. 7. 1814 an den König berichten, dass die Untertanen oder vielmehr die Unzufriedenen in Weiler von aller Bewegung und selbst von dem Entschlusse, sich an die österreichische Hof-Kommission wenden zu wollen, gänzlich abgekommen seien. Nur allein die Bregenzer hätten sich für die Beibehaltung des Gerichts Weiler verwandt und sich erlaubt, ihren Wunsch auch als gemeinschaftlichen Wunsch des Landgerichts Weiler zu akkreditieren. Bei dieser Beschaffenheit und da in dem Landgericht Weiler gegenwärtig vollkommenste Ruhe herrsche, werde er die kgl. Kommandantschaft (Kommandantur) Kempten ersuchen, das Militär an der Grenze zwar nicht gänzlich zu entfernen, aber doch die beiden Kompagnien auf eine herabzusetzen.

Grelle Schlaglichter auf das leidige Verhältnis Bayern-Vorarlberg wirft ein vertrauliches amtliches Schreiben aus Bregenz (Unterschrift unleserlich) an Stichaner vom 20. 6. 1814. Nach Eintreffen der Nachricht "schoss man in den Gassen aus den Häusern heraus, was ich aber unter der Hand abstellte. Gestern hat man papierne Adler auf den Hüten aufgesteckt.

 

Auf Kaiser Franz wurden bis vier Uhr morgens Gesundheiten ausgebracht. Es gefiel mir jedoch, dass dieses wilde Volk mich dabei nicht vergaß." Schreiber war also ein bayerischer Beamter, der nicht in persönlicher Verbitterung meldete. Es heißt weiter: "Die Bregenzer wollen vor allem die Extradition des Stiftungsvermögens. Über den Administrator Kinkelin ist man allgemein aufgebracht. ... Wenn sich Eu. Exz. der Stadt gegenüber noch etwas gefällig zeigen wollen, so bitte ich, dass die Übergabe in Bregenz geschehe. Ich halte dies für das ratsamste. Und die Stadt Feldkirch hat dies gar nicht verdient, dass man ihr den Vorzug gibt. Von jeher waren dergleichen Akte in Bregenz und dahier ist der Sitz des Kreishauptmanns." In dem Schreiben ist merkwürdigerweise (trotz Wortlaut des Friedensschlusses) der Wunsch ausgesprochen, dass Bregenz bei Bayern bleibe (das war auch stets ein Lieblingsgedanke von Montgelas), damit die straße in die Schweiz erhalten bleibe. Nützlich wäre es auch, steht zu lesen, dass die Distrikte Hohenweiler und Hörbranz mit Lindau vereinigt würden.

Nachdem ich nicht Halt machte vor Schäden und Fehlern, welche die bayerische Regierung sich unleugbar in Vorarlberg zu Schulden kommen ließ, erfordert es die Gerechtigkeit und mein Streben nach Sachlichkeit, aus diesem amtlichen Bericht noch eine Stelle anzuführen, die erkennen lässt, mit welch außerordentlichen Schwierigkeiten Bayern andauernd in Vorarlberg zu kämpfen hatte. Berichterstatter schreibt: "Der Krone Bayern ist wahrhaft Glück zu wünschen, dass dieselbe Vorarlberg angebracht hat. Es ist das ärmste Land und kommt in Folge eine solche Armut, dass das Elend grenzenlos wird. Ich kenne alles so genau und habe mir vorgenommen, eine Prophezeihung für Vorarlberg im Drucke ergehen zu lassen. Da soll alles aufgedeckt werden. Die Vorarlberger waren nie zu belehren. Es ist und bleibt ein unvertrautes Volk. Das Grundübel von allem liegt sehr tief und die Regierung machte auch unverzeihliche Fehler. Ich gratuliere Eu. Exz., dass sie dieses Land verlieren, in welchem jeder in seine eigene ... (unleserlich) arbeitet. Auch Gott weiß, was ich litt und opfern musste, um gute menschen zu erhalten. Man wird in der Folge Vorarlberg noch kennen lernen. Es ist nicht mit Gewalt, nicht mit Nachgiebigkeit zu zähmen.

Da Bayern drei Übergabekommissäre für Tirol und Vorarlberg gestellt hatte, verzögerte sich das Geschäftliche der Übergabe. Staats- und Gemeindeschulden, Steuerrückstände, Versorgungs- und Pensionsangelegenheiten, Auswechslung von Beamten waren zu regeln. Die Verschleppung erregte neuen Unmut in der Bevölkerung, bedenkliche Äußerung des Hasses gegen Anhänger Bayerns wurden laut. Und als schließlich die Beibehaltung Weilers bei Vorarlberg aussichtslos erschien, gärte eine scharfe Bewegung gegen Bayern weiter, genährt hauptsächlich von Dekan Steger von Bregenz und Landrichter v. Ganahl in Dornbirn.

Woraus erklärt sich der Wille der bayer. Krone, das Landgericht Weiler bei der Rückgabe Vorarlbergs zurückzubehalten, andererseits der Versuch der österreichischen Hofkommission, vor allem der Vorarlberger selbst, bei der Rückkehr nach Österreich dieses Gericht mitzunehmen?

Eine leicht farbige Karte von Blasius Hueber aus dem Jahre 1773, die jetzt im Vorarlberger Landesarchiv hängt und 1783 als Provincia Arlbergica von Joh. Ant. Pfaundler, allerdings weniger übersichtlich, kopiert wurde, zeigt uns der Verlauf der Nord-Ostgrenze, welche die heute zu Bayern gehörigen vorarlbergischen Herrschaften, 1806 zum Landgericht Weiler vereinigt, hatten. Es handelt sich um Simmerberg, Grünenbach, Hohenegg. Sie lief, beginnend an der Hofriedergrenze, vom Bäumle am See die Laiblach entlang, die Verbindungsstraße Meckatz-Wangen querend, bei Syrgenstein ins Argental, wandte sich bei Malaichen-Usny gegen Sibrazhofen, Hellengerst zu, dann zurück nach S.W. über den Hauchenberg, lief zwischenWilhams und Missen über Geratsried, Stiefenhofen, Irsengund, Aach, Balderschwang dem Süden zu.

Hätte Bayern nun das Landgericht Weiler verloren, dann war es von Lindau und dem Bodensee durch die aneinander schließende Grenze Vorarlberg-Württemberg abgeschnitten. Lindau wär bayerische Exklave geworden, für Lindau und den bayerischen Handel mit (Salz) ein unerträglicher Zustand. Aus einer ähnlichen Notlage, aus dem Bedürfnis eines ungehinderten, unmittelbaren Verkehrs zwischen den Orten des Landgerichts Weiler und Lindau heraus war ja auch der Bau der alten Rohrachstraße in den Jahren 1830 - 1833 erstanden, an der unter Leitung von Kinkelin-Lindau, v. Langenmantel-Augsburg noch die Väter unserer allerältesten Landsleute mitgearbeitet haben. So ging man den bei Benützung der Straße Scheidegg-Rucksteig-Fäßlers zu entrichtenden Zöllen aus dem Wege.

Diese geopolitische Abhängigkeit Lindaus vom Landgericht Weiler hatte auch Montgelas wohl erkannt, wie u.a. zwei ganz ähnlich lautende Briefe von ihm an General Wrede beweisen (9. 4. 1814, 29. 4 . 1814). Er meint da: Il est aussi nécessaire, que nous conservionsle le petit baillage de Weiler, qui est situé hors des montagnes de Vorarlberg à fin de former un arrondissement à la ville de Lindau. (Es ist notwendig, dass wir das kleine Gericht Weiler, außerhalb der Vorarlberger Berge gelegen, behalten zum Zwecke der Arrondierung (Verbindung) mit der Stadt Lindau). Und unter dem 16. 5. 1814 gab er Wrede weiterhin brieflich zu verstehen, ein zu erwartender Grenzvertrag solle so geschlossen werden, dass man Bregenz bei Bayern belasse, auf das Österreich einen großen Wert lege und von dem es, mit Recht oder Unrecht, hoffe, es werde mit Lindau in Wettbewerb treten.

Aber Österreich wollte sich ohne Weiler nicht zufrieden geben und ließ es bei den Auseinandersetzungen an Spitzfindigkeiten nicht fehlen, sodass noch lange nach den Abmachungen vom 3. 6. 1814 in Paris keine endgültige Vorarlberger Grenze zustande kommen wollte. Es muss zugegeben werden, dass in dem österreichischen Hofkommissär Roschmann und dem bayer. Generalkommissär v. Stichaner zwei tüchtige, streitbare Kämpen sich gegenüberstanden. Die Federn wurden scharf geführt, noch tief in das Jahr 1815 hinein. Zum Nachweis seiner Rechte griff man in Österreich auf den Text der Urkunde vom 3. 6. 1814 zurück, wo stand, dass le 'baillage de Weiler' bei der Rückgabe Vorarlbergs ausgenommen sein sollte. Der Begriff 'baillage' deckt sich mit keinem deutschen Rechtsinstitut ganz scharf und kann, wie gelegentlich schon Stichaner in einem Briefe an Roschmann vom 9.9. 1814 bemerkt, sowohl Gericht als auch Amt bedeuten. Um nun einen Teil des Landgerichts Weiler und zwar den weitaus größeren für Österreich zu retten, wollte Roschmann unter 'baillage de Weiler' das Amt Weiler verstanden wissen und sah datin nur "die nächste Umgebung von Weiler", unter keinen Umständen aber auch "Das entferntere Simmerberg" mit den Gemarkungen ob und unter dem Berg. Dieses Weiler im engeren Sinne umschloss aber nur die Gerichte Altenburg und Kelhöf mit dem Amtssitz Weiler. Hätte die österreichische Interpretation Rechtskraft bekommen, dann wäre dieses Amt Weiler eine winzige bayerische Exklave geworden, rings umgeben von vorarlbergischen Gebiet, ein unnatürliches politisches Gebilde. ZU einer solchen Teilung hätte man auch in Bayern schon während der langen Vorverhandlungen, wie u.a. auch aus den Briefen Montgelas' an Wrede hervorgeht, niemals die Einwillgung gegeben und auf solcher Grundlage wäre es überhaupt nicht zu einem Vertrage wie dem vom 3. 6. 1814 gekommen.

Dass Roschmanns Standpunkt nicht den Absichten der Kontraktmächte entsprechen konnte, geht unwiderleglich daraus hervor, dass man auf beiden Seiten, wie in München und Wien immer wieder betont wurde, purifizierte, saubere Grenzen anstrebte. Davon konnte aber doch wahrlich keine Rede sein, wenn man Bayen da draußen im äußersten Südwesten ein zwischen Vorarlberger Land eingeschnürtes Gebietchen von ein paar Gemeinden allergnädigst beließ mit dem Bescheid, das sei der kontraktlich bestimmte "bailage de Weiler". Verständlich ist gewiß, das besonders die Stadt Bregenz dem österreichischen Hofkommissär in den Ohren lag, denn wenn man Österreichs Anspruch durchging, wäre der Rest vom Landgericht Weiler: Grünenbach mit Schönau (oft Schinau geschrieben), Hohenegg mit Waltrams und Simmerberg dem Oberamt Bregenz wieder zugefallen, für die Entwicklung der Stadt keine Kleinigkeit.

Doch blieb der Ausdruck "baillage de Weiler" weiterhin ein umstrittener Zankapfel. Man lese in dem Bericht des Landrichters v. Gimmi von Weiler an die bayerische Hofkommission (5.4. 1815): "... das k.k. Landgericht Bregenz und der k.k. Landrichter Beer (früher in Weiler) behaupten, dass Weiler früher ein eigenes Amt gewesen sei, welches die Gerichte Altenburg und Kelhöf in sich begriffen, dass dieses Amt bis zur Abtretung an die Krone Bayern fortbestanden sei, sohin das Amt Weiler und das Landgericht Weiler nicht ein und daselbe sei. Die hiefür angegebenen Gründe sind so unrichtig wie die Behauptung selbst. Ein Amt Weiler hat es nie gegeben, sondern nur einen Beamten bei der Herrschaft Altenburg, welcher wegen mangelnder Amtsgebäude in Altenburg nicht mehr wohnen konnte und deshalb in dem zu einem ganz anderen Gerichte (Kelhöf) gehörigen Orte Weiler Wohnung nahm. Nach Abberufung des Beamten wurde die Jurisdiktion den Untertanen überlassen, wo dann die Stände Altenburg und Kelhöf die Jurisdiktion durch einen Ammann und 12 Geschworene ausübten und zwat dann ungefähr 1786 ein Gerichtsschreiber aufgestellt. Dieser hatte nur die Instruierung der Sachen. Das Urteil selbst wurde von dem Ammann und den Geschworenen gefällt. Das vermeintliche Amt Weiler hatte schon vor 20 Jahren (von 1815 zurückgerechnet) nicht einmal mehr einen Ammann, sondern der war in dem zum Gericht Kelhöf gehörigen Hauptort Scheidegg."

Die regierenden Kreise mochten an dem politischen Schicksal unseres Landgerichts mehr Interesse haben als nachgerade dessen Bewohner. Das zeigt schon Stichaners Bericht nach München vom 8. 7. 1814: "Es war meine erste Sorge das Objekt der Übergabe sicher zu stellen und vor allem alle Zweifel wegen des Landgerichts Weiler zu beseitigen und den Besitz der Grafschaft Hohenems zu reservieren. Die Ausnahme des ganzen Landgerichts Weiler hatte ich als so einen entschiedenen Gegenstand anzusehen, dass ich mir selbst nicht getrauen durfte, sie nur durch einen Notenwechsel zu einem Gegenstand der Kontestation [= Streitigkeit] zu machen." Der k.k. österreichischen Hofkommission in Innsbruck rückt Stichaner in einem Schreiben vom 9. 9. 1814 vor Augen, bezügl. des früheren Ortsgerichtes Weiler, welches unter dem Namen "Amt" existiert haben solle, scheine die Hofkommission durch ganz unrichtige Aussagen irre geleitet worden zu sein. Denn es habe füher weder ein eigenes Ortsgericht noch ein eigenes Amt bestanden, sondern das Landgericht Weiler sei notorisch erst durch k. Verordnung [vom 16. 11. 1806] entstanden.

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