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Die Post im Westallgäu

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Röthenbach im Allgäu

 
     
 

Straßen im Westallgäu
1500 - 1800
(Fortsetzung von S. 3)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 3.Band Nr. 18 S. 129, Juni 1929

Endlich ließ das Oberamt Bregenz den Bau der neuen Straße im Mai 1766 von Bregenz aus in aller Stille in Angriff nehmen und durch den Wegebauinspektor Johann Peter Hürn aufs äußerste beschleunigen. Wiederum versuchten die Städte Lindau, Wangen, Isny und Kempten durch eine von der schwäbischen Kreisversammlung zu Ulm am 27.6.1766 verfasste Beschwerde an den Kaiser die Sache "um ihres versierenden äußersten Ruines willen" zu verhindern. Allein man ließ sich nicht beirren. Schon am 19. November desselben Jahres konnte der Landvogt von Vorarlberg, Freiherr von Ramschwag in Konstanz, an die Regierung in Freiburg berichten, dass die Straße in einer Breite von 18 Tiroler oder 20 herausigen Schuh bereits so weit fertig sei, dass sie schon im kommenden Winter wenigstens von den Salzfuhrleuten benützt werden könne. Auch werde im kommenden Jahre die Strecke vom Leprosenhause bis zum Hahnschenkel und von Weiler (über Hammermühle) nach Dreiheiligen erweitert bzw. gebaut, was auch geschah. Dabei wurde die durch Weiler gehende alte Landstraße von der Kronenwirtschaft oder untersten Bruck bis zur Straußwirtschaft oder obersten Bruck auf eine Länge von 587 Schuh entsprechend erweitert.

Die Gesamtkosten dieser Straßenbauten, welche Ramschwag als "die ersprießlichste Unternehmung" bezeichnete, "die Vorarlberg je gesehen und die dem gesammten Publico und dem landbeglückenden Commercio voraussichtlich übergroßen Nutzen bringen werde", beliefen sich (gegenüber dem Voranschlag von 40 000 fl) auf 100 000 fl, was das Oberamt Bregenz " der unbekannten Tücke des Geländes und der hinterhältigen Natur zuschrieb, welche unter scheinbar weichem Boden bis in die Tiefe das härteste Gestein offenbarte". Da das Oberamt Bregenz zunächst nur 1809 fl aus hinterlegten Lehenrelutionsgeldern und die Regierung zu Innsbruck aus dem Straßenbaufond nur 19000 fl in Hofcameral-Patentwährung (= 22 740 fl 10 kr in herausiger Conventionsvaluta) gewährte, wurden sowohl die Stadt Bregenz als die Gerichte Altenburg, Hofrieden, Sulzberg, Simmerberg, Grünenbach und Kellhöfe durch starke Averskonkurrenzen belastet. An das große Werk aber erinnert die aus Stein ausgeführte große Feldkapelle zwischen Auers und Dreiheiligen mit der Madonna, welche der Schlange den Kopf zertritt.

Der Entwicklung des Verkehrs auf der neuen Straße stellten sich anfänglich allerlei Schwierigkeiten entgegen. Es ist zwar nicht richtig, dass die in ihrer bisherigen Ruhe gestörten Anwohner des Rottachtales aus Unmut über die neue Straße durch Barrikaden gesperrt hätten. Sie haben lediglich vor steilen Strecken einen Teil ihrer Ladung (Hölzer, Bretter, Latten) seitwärts auf die Straße abgeladen, um sie dann als Nachfuhr "über die Steile" (und deren gab es sehr viele) hinaufzubringen. Auch haben sie seitlich in die Straße Pfähle eingeschlagen und Sperrgatter daran angebracht, aber nicht aus Bosheit gegen die Passanten, sondern wegen des Weideviehs. Die Hauptursache der anfänglich geringen Frequenz aber war das Wirtatobel, welches bei hart gefrorenem, nicht mit Schnee bedeckten Boden sowohl beim Hinabfahren in dasselbe, als beim Herauffahren mit großer Gefahr für Leben und Gut verbunden war. Dazu kam der Geschäftsneid der Lindauer, welche alles aufboten, um den Salztransport über die Rucksteig und den Gang der Kaufmannsgüter über Isny - Wangen aufrecht zu erhalten. Immerhin entwickelte sich später auf der neuen Straße namentlich mit Holz- und Salzfuhren ein namhafter Verkehr. Um 1800 wurden auf derselben soviele Specereiwaren, Feigen, Mandeln und Rosinen befördert, dass der Marktplatz zu Weiler stets voll von Ballen und Kisten war. Mit dem Übergang des südlichen Westallgäus an Bayern und der Bevorzugung erhielt jedoch diese Straße eine so geringe Bedeutung, dass sie Landrichter Gramm in seinem Bericht von 1825/27 nicht einmal erwähnt. Denn er sagt betreff der Straßen: Die Landstraße nach Lindau ist gut, aber jetzt noch in die Kreuz und Quer. Eine geradere Richtung würde den Verkehr erleichtern. Die Vicinalstraße nach Scheidegg führt in das österreichische Gebiet, wo ihr schlechter Zustand und die Plakkereien der österreichischen Mauten alle Verbindung mit Lindau hindern und das Bedürfnis immer drückender wird, eine Straße über Gmünd nach Lindau zu führen.

Speditionsgeschäfte konnten im Landgerichte nicht aufkommen, da nur die Landstraße von Innsbruck und Kempten nach Lindau hindurch zieht, welche schon längst im Besitze aller Speditionen ist. Es blieb also den Einwohnern nichts, als dass zwei Wirte Güterwagen auf den Straßen nach allen Seiten hatten. Eine Straße nach Gmünd, welche seitens des Landgerichts Weiler schon 1811 geplant, und 1815 den Gemeindevorstehern von Weiler-Simmerberg und Umgebung zur Meinungsäußerung vorgelegt wurde, kam erst im Jahre 1835 in Gestalt der Rohrachstraße zur Ausführung.

 
 

Der Salzverkehr von Hall nach Bregenz im 17. und 18. Jahrhundert

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 4. Band Nr. 7 S. 49,Juli 1930, Ausschnitte einer Arbeit von Michael Raich

...
Hall in Tirol war die Stätte, von welcher aus u.a. auch Vorarlberg und die gesamten österreichischen Vorlande im 17. und 18. Jahrhundert auf allerhöchsten Befehl sich ordnungsmäßig zu "besalzen" hatte.
...
Die Belieferung des Landes Vorarlberg mit "Hall-Innthalischen Salz", welche amtliche Bezeichnung auch manchmal durch die Ausdrücke österreichisches Salz, Tiroler Salz ersetzt wurde, geschah teils über den Arlberg, teils über den Fernpaß. Der erstere Weg war nur mit Saumrossen passierbar, da derselbe erst 1787 als Post- und Kommerzialstraße ausgebaut und 1822/25 durch eine Kunststraße ersetzt wurde. Diesen Saumweg benützten zwecks ihrer Besalzung die Gerichte und Herrschaften Feldkirch, Bludenz, Sonnenberg, Montafon, Jagdberg und Blumenegg. Dieselben ließen durch ihre Säumer Schmalz (Butterschmalz) und andere Kaufmannsgüter ins Inntal bringen. Als Gegenladung aber wurde den Saumpferden zu Hall das Sacksalz aufgeladen. Um die Schmalzeinfuhr aus Vorarlberg für die landesfürstlichen Bediensteten zu Innsbruck und die Salzbergwerksarbeiter zu Hall zu sichern, schloss die Regierung zu Innsbruck im Jahre 1658 mit dem Hinteren Bregenzer Wald, Blumenegg, St. Gerold, Damüls, Tamberg und Mittelberg einen Vertrag, wonach diese Orte und Gerichte sich verpflichteten, alles über den eigenen Bedarf erübrigte Schmalz auf die Fronwagen zu Innsbruck und Hall zu liefern. Hiergegen sollten sie das Salz billiger als andere österreichische Untertanen erhalten.

 
         
 
 
 
 
 

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III. Verkehrspolitisches

Das Verhalten der Reichsstände zur Post wurde bestimmt durch der Stände verkehrspolitische Gesamteinstellung. Die westallgäuer Herren waren feudal; sie hatten am Verkehr vor allem das Interesse der Zollberechtigten. Die Verkehrspolitik der Reichsstädte war von merkantilen Gedanken beherrscht: Schutz und Förderung des Handels war ihr vornehmstes Ziel. Zunächst musste dieser Schutz tätliche Angriffe abwehren. Solche Angriffe sind seitens der einst mächtigen Grafen von Montfort nachgewiesen von 1208 bis 1772, wenn sie auch in späteren Jahrhunderten nur mehr als wirkungslose Unwillensbekundung dienten.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts überfiel der wilde Kriegsmann Hans von Rechberg, der auf der Ruggburg am Pfänder herrschte, mit einigen Schnapphähnen aus dem Hegau ständig Kaufmannszüge zu Wasser und zu Land. Lindau zog mit 21 verbündeten schwäbischen Städten gegen die Raubnester, zerstörte diese und stellte die Sicherheit der Handelswege wieder her. Nach Auflösung dieses Städtebundes schloss Lindau mit Wangen ein Schutz und Trutzbündnis. Wirksamer als solche Städtebünde aber schützte Lindau seinen Handel dadurch, dass es sich 1476 dem Schutze des Erzherzogs Sigmund unterwarf. Zwar verzichtete die Reichsstadt dadurch für lange Zeit auf das Selbstbestimmungsrecht in der Führung der Außenpolitik. Aber was konnte dies bedeuten gegenüber dem Vorteil, dass sich der Handel unter dem Schutze des mächtigen Habsburgers zur höchsten Blüte entwickelte!

1. Die Arlbergstraße

Gegen Raubüberfälle konnte der Handel, wie eben beschrieben, leicht wirksame Maßnahmen ergreifen. Schwieriger wurde der Kampf, wenn der Handel von einer Stadt abgelenkt werden sollte. Lange Zeit blieben dem reichsstädtischen Lindau dahin gehende Sorgen erspart. Die Stadt Lindau wurde vielmehr selber beschuldigt, dass sie den seit alters her von Lindau über Feldkirch ziehenden Handelsweg missachtet und den Handelsverkehr über die Schweiz abgelenkt habe, so 1561, 1608, 1666, 1670. der Rat der Stadt war klug genug, solche Abwegigkeit der Kaufleute nicht zu verteidigen, sondern sich immer ausdrücklich zur kaiserlichen Verordnung zu bekennen, dass der Handelsverkehr die alten Heer- und Landstraßen nicht verlassen und die alten Zollstätten nicht umgehen dürfe. Denn Lindau konnte jederzeit in die Lage kommen, sich selbst auf diese Verordnung berufen zu müssen (siehe auch den Artikel über die Straßen im Westallgäu im Seitenrand). So sah sich Lindau zu solcher Verteidigung gezwungen, als im Jahre 1593 der Plan einer Arlbergstraße auftauchte. Die Ausführung dieses Planes hätte den von Innsbruck über Füssen - Kempten - Lindau nach der Schweiz gehenden Handelsverkehr abgelenkt. Der Protest der Lindauer genügte indes, ein kaiserliches Verbot des geplanten Straßenbaues herbeizuführen.

Doch der Gedanke einer Arlbergstraße kam nicht mehr zur Ruhe; genau 100 Jahre später nahm er als ein von Feldkirch ausgehendes Projekt wieder greifbare Gestalt an. Zu gleicher Zeit 1694 wollte der Fürstabt von Kempten von seiner Zollstätte im Kempter Wald (heute Zollhaus) eine Straße nach Immenstadt bauen. Dieser Plan war eine Aktion gegen die Arlbergstraße. Seine Durchführung hätte Österreichs Wünsche erfüllt; denn der Handel wäre an den Reichsstädten Kempten - Isny - Wangen - Lindau vorbei unmittelbar nach Bregenz gezogen. Zugleich hätte hätte das Stift Kempten seine Zollstätte gerettet. Selbstverständlich stieß dieser Plan des Fürstabtes nicht weniger auf Widerstand als das Arlberg-Projekt. Mit Lindau erhoben Einspruch dagegen: Württemberg, der Bischof von Konstanz, die Städte Augsburg, Kempten, Isny und Wangen. Der Bau unterblieb.

Lindau im 17./18. Jahrhundert
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1704/05 erlangten die oberschwäbischen Stände eine weitgehende kaiserliche Zusicherung bezüglich des Arlbergstraßen- Bauplans. Kaiser Leopold gab die schriftliche Zusage, es dürften von Tirol nach den Landen vor dem Arlberg überhaupt keine neuen Wege hergestellt werden. Freilich war dieser kaiserliche Erlass vor allem strategischen Erwägungen entsprungen; er sollte nämlich eine militärische Invasion erschweren. Zum guten Teil aber dürfte den Kaiser das Bestreben geleitet haben, die oberschwäbischen Städte in guter Stimmung zu erhalten. Dies erhellt schon daraus, dass die Entschließung dem schwäbischen Kreiskonvent in Form eines Versprechens mitgeteilt wurde.

Dem Kaiser bereitete der spanische Erbfolgekrieg auch nach dem Siege bei von Höchstädt und der darauf erfolgten Besetzung Bayerns schwere Sorge. Es gärte nämlich um jene Zeit bei den ohnehin nicht leidenschaftlich habsburgfreundlich gesinnten Vorarlbergern bedenklich. Die Kriegsabgaben, namentlich die "Leinengarnimposten" hatten böses Blut gemacht. Die Bauern der Herrschaften Bregenz und Dornbirn erhoben sich, verjagten die königl. kaiserl. Beamten und Offiziere und forderten Anschluss an Bayern unter Max Emanuel. Die Vertriebenen und ihre Familien suchten Zuflucht in dem kaisertreuen Lindau. In dieser Lage war es dem Kaiser sehr dienlich, dass die Insurgenten aus dem nahen Schwaben weder moralische noch materielle Unterstützung erfuhren.

Im Jahre 1733 hatten Lindau und die mitinteressierten Stände Anlass, sich auf die eben mitgeteilte kaiserliche Verordnung zu berufen. Von Karl VI. war dem Vorarlberger Landkassier Fritsch die Genehmigung zum Bau der Arlbergstraße erteilt worden; infolge des Protestes der oberschwäbischen Stände zog der Kaiser die Genehmigung zurück. 1750 bekämpfte Lindau zum viertenmal den Bau der Arlbergstraße mit Erfolg. Endlich aber, nachdem allenthalben "Chausseen" entstanden waren, ließ sich die Verbindung zwischen Tirol und den Vorlanden über den Arlberg nicht mehr hintanhalten. 1782/84 wurde die Straße durch Bozener Handelsleute gebaut.

2. Die Rivalität mit Bregenz

Am heftigsten und am zähesten musste Lindau seinen Handel gegen die Rivalität der Stadt Bregenz verteidigen. Bregenz, zur Herrschaft gleichen Namens und zum Niedergericht Hofrieden gehörig, war eine Untertanenstadt, es wurde wie andere Ortschaften der Herrschaft, z.B. Weiler im Allgäu, rechtlich durch das kaiserliche Oberamt vertreten. Der Handel der Stadt erschöpfte sich im Austausch von Landesprodukten. Im großen wurde Holz aus dem Bregenzer Wald auf die Bodenseeschiffe verfrachtet. Zum Bregenzer Wochenmarkt brachten die Waldbauern Schmalz und tauschten dafür Getreide ein. Ein anderes wichtiges Erzeugnis des Waldes und der Bodenseegegend, Garn und Leinwand, konnte auf dem Bregenzer Markt nicht abgesetzt werden. Nach der 1523 erfolgten Erwerbung der Herrschaft durch Österreich hofften die Bauern des Bregenzer Waldes auf eine bessere Organisation des Warenaustausches.

Der Landamann des äußeren Bregenzer Waldes richtete 1534 eine dahin zielende Eingabe an die Regierungskammern in Innsbruck. Diese Behörde forderte das Oberamt Bregenz auf, einen Garnhandel "in Schwung" zu bringen. Aber es geschah nichts aus "Hinläßigkeit dero von Bregenz". Auch 160 Jahre später besaß Bregenz "kaine Mercantili Niderlag, noch handlschafft, noch wexl Statt". 1698 bat die Stadt ihre Obrigkeit um "Aufrichtung einer Plaich und Leinwath Handl". Die guten Bregenzer fügten aber bei, die vorgeschlagenen Unternehmungen vermöchten sie nur in Schwung zu bringen, wenn 2 Stunden im Umkreis alle Konkurrenz verboten würde. Sie konnten sich wirtschaftlichen Aufstieg überhaupt nicht als Frucht freien Wettbewerbes denken, sondern als ein von der Obrigkeit auf dem Verordnungswege zu verleihendes Geschenk. So forderten sie, der Kaiser solle ihnen den Salzhandel nach der Schweiz dadurch sichern, dass er alle Zufuhr des Haller Salzes nach Lindau verbiete. Ein andermal verlangten sie, der Handel mit Tiroler Kupfer- und Eisenwaren solle den Lindauern zu Bregenz' Gunsten untersagt werden. Selbstverständlich konnte der Kaiser keine solchen Eingriffe in den freien Handel machen.

Die Bregenzer erfuhren aber doch behördliche Hilfe. Der am Ende des 17. Jahrhunderts amtierende Oberamtsverwalter Benedikt Reichard von Wolfurt suchte durch diplomatische Kniffe den Hauptteil des über Lindau gehenden Warenzuges nach Bregenz abzulenken. Den ersten Schritt in diesem Sinne unternahm er 1694. Dieser Schritt fällt also zeitlich mit dem Straßenbauplan Kempter Wald - Immenstadt - Bregenz zusammen. Bestimmt war dies kein Zufall. Der Oberamtsverwalter richtete in dem genannten Jahre eine Eingabe an das Kaiserliche Reichspostamt Augsburg, es möchte zu Bregenz eine Reichspostamt errichtet werden, wohin alle aus dem Reich "per Millano et Italia" bestimmten Briefe und Pakete gehen sollten. Eine in Bregenz zu errichtende Massagerie sollte die Weiterbeförderung besorgen. Also wollte Bregenz den uralten Lindau - Fußach - Mailänder Botenverkehr an sich reißen.

Zugleich wandte sich Reichard "mit herrlichen Verhaißungen und stattlichen Versprechungen" an die Reichsstadt Wangen - auch wurden einzelne Ratsmitglieder dort "geschmiert" - der Rat möge den Bau einer Straße von Wigratz Bad (Hergatz) nach dem bregenzischen Dorfe Opfenbach gestatten. Durch diesen Straßenbau sollte der aus dem Reich kommende Warenzug nach Bregenz abgelenkt werden. Die Stadt Wangen ließ sich auf den Vorschlag, dessen Folgen nicht abzusehen waren, nicht ein, zumal die Stadt Lindau und der Fürstbischof von Konstanz heftig dagegen protestierten. Auch die postalischen Wünsche der Bregenzer blieben unerfüllt.

Bregenz um 1910

An sich hätte es für das Haus Thurn und Taxis eine über die Maßen verlockende Einladung sein müssen, sich im Gebiet der vorderösterreichischen Post festzusetzen. Aber die Taxis trieben wohlüberlegte Realpolitik. Sie erkannten genau, was das Oberamt Bregenz nicht erkannte, nämlich dass sich die alten, gut fundierten Lindauer Handelshäuser durch neue Bregenzer Unternehmungen, denen jede kaufmännische Tradition mangelte, würden nicht überflügeln lassen. Insbesondere glaubte der Fürst von Thurn und Taxis entgegen dem Oberamte Bregenz an den von Lindau angekündigten Gegenzug, im Falle der Verwirklichung der Bregenzer Pläne den Warenverkehr mit Mailand über die Schweiz zu leiten.

Was Bregenz erreichte, war weniger als nichts. Die Stadt kam nämlich, um einen postalischen Terminus von heute zu gebrauchen, zum Zustellbezirk Lindau. Vorher waren alle für Bregenz bestimmten Sendungen durch die Vorderösterreichische Post nach Altdorf (Weingarten) gebracht und dort durch einen Ordinari wöchentlich abgeholt worden. Von 1694 an besorgte die Reichspost diesen Verkehr, indem sie die Sendungen zu Leutkirch übernahm und nach Lindau beförderte, selbstverständlich gegen Entschädigung. Indes wurde dieser Erfolg der Reichardschen Diplomatie bald rückgängig gemacht.

Die Idee mit der Straße von Wigratzbad nach Opfenbach aber blieb lebendig und wurde zu bayerischer Zeit verwirklicht, wenn auch aus ganz andern Gründen.

Um dem Verkehr die Möglichkeit zu verschaffen, auf bayerischen Straßen nach Lindau zu kommen, sah Bayern sich 1814 nach Abtretung Vorarlbergs an Österreich und infolge der territorialen Veränderungen an der westlichen Grenze zwischen Württemberg und Bayern gezwungen u.a. auch die Straße von Kempten aus ab Nellenbruck - Röthenbach - Heimenkirch - Opfenbach zu bauen. Um von hier nicht wieder über die Gmündmühle in ausländisches Gebiet zu kommen, war das Nächstliegende, eine Verbindung über Wigratzbad mit der über Isny von Kempten herführenden Straße nach Lindau herzustellen. Der Bau dieser Straße von Opfenbach nach Wigratzbad wurde im Jahr 1816 fertiggestellt.

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