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Die Post im Westallgäu

Seite 5

 
 
Simmerberg Dorfplatz 1936
 

Der Salzverkehr von Hall nach Bregenz im 17. und 18. Jahrhundert

(Fortsetzung von S. 4)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 4. Band Nr. 7 S. 49,Juli 1930, Ausschnitte einer Arbeit von Michael Raich

Die Linie über den Fernpass teilte sich in Reutte in zwei Hauptzweige, nämlich über Oy nach Kempten und über "Kleinnesselwang" nach Hindelang - Immenstadt - Simmerberg. Von Kempten ging das Tiroler Salz sowohl über Isny als zeitweise über Waltenhofen und Schüttentobel nach Mellatz, den sogenannten Winterweg. Von Simmerberg, wo um das Jahr 1639 ein neuer Salzstadel, und zwar aus den Resten der dortigen Burg erbaut wurde, wurde das Salz über die Ruggsteig, aber auch über Mellatz und seit 1766 über Langen nach dem Bämble (Bäumle bei Lochau) und Bregenz spediert. Im nachfolgenden behandelt Raich die Linie über Simmerberg, soweit sie mit Schlitten und Wagen zu Salzlieferungen benützt wurde. Es sei darauf hingewiesen, dass auch die Leute vom Kleinen Walsertal und die vom Bregenzer Wald die Fernpasslinie mit Saumpferden zum Salztransport benutzten, wobei sie auf dieselbe Weise über Sonthofen bzw. Oberstaufen Schmalz (Butterschmalz) nach Innsbruck und Hall beförderten.

Simmerberger
Salzrodordnung 1675

Im Mittelalter und auch noch in der neueren Zeit wurden die von Italien nach Augsburg gehenden Kaufmannsgüter "auf der Rott" oder "rottweise" fortgeschafft. Die Rottstraß" für "Rottgüter" ging von Innsbruck über die "Rottstätten" (Stationen) Mittenwald, Partenkirchen, Ammergau, Schongau. In letzerem Städtchen bildeten die "Rottfuhrleüte", auch kurz "Rottleute" genannt, die "Rottzunft oder die Rott" des Ortes. Rotfueren und Roodpferde" spediert.

 

Gemäß der Tyroler Landesordnung von 1603 wurde aber auch das Salz von Station zu Station durch "Roden, Rotfahrten,Die Bürger von Schongau erhielten im Jahre 1419 die Erlaubnis, eine "Gredt" (d.h. Lagerstelle) in ihr Kaufhaus zu machen .Es ist klar, dass hier das Zeitwort "roden" nicht in dem uns geläufigen Sinn von reuten oder urbarmachen verstanden sein will. In Krenners vielbändigen Werk "Bayerische Landtagshandlungen von 1429 - 1513" findet sich nun in Band I S. 226 die Stelle: "So haben die von Mitterwald eine Rott gemacht, dass keiner nicht fahr, dann es sey an ihm." Auf Grund dessen versteht Schmellers Bayerisches Lexikon unter der Bezeichnung "die Rott" (Rod) die Ordnung, Reihe, Tour, in welcher unter Mehreren von jedem eine Verrichtung, besonders unter den Salzfuhrleuten auf den Salzstraßen das Fahren vorzunehmen ist. Was aber die Etymologie dieses Wortes betrifft, so weist uns der in Südtirol noch um 1830 übliche Ausdruck "per rotolo" d.h. im Turnus auf lat. rotulus, Pergamentrolle, Register hin, wie ja auch eine geordnete Spedition dieser Art ohne eine genaue und stets evident gehaltene Liste der dazu verwendeten Leute und ihrer Touren undenkbar ist.

Auf der Salztransportlinie von Hall über den Fernpass nach Bregenz findet man nun im 17. und 18. Jahrhundert die "Salzrodstätten" Telfs, Nassereit, Lermoos, Reutte, Nässelwängle (Kleinnesselwang), Hindelang, Immenstadt, Simmerberg, Bäumle (bei Lochau) und Bregenz. Auf jeder Station befand sich ein"Gredstadel zum Niedersetzen des Salzes", auch Salzgred, gewöhnlich Salzstadel genannt. Das mittelhochdeutsche Wort "grede" (auch grete, aus lat. gradus, Stufe) bezeichnete nicht nur die Treppe an oder in einem Hause, sondern auch das stufenartig angelegte Warenlager. In demselben wurden die jeweils angefahrenen Hall-Innthalischen "Salzfäßl" bis zum Verschleiß in der Umgegend oder zum baldigen Weitertransport an den Bodensee zwecks Sicherung vor Nässe und Diebstahl in gedeckten und verschließbaren Räumen gelagert.

Der von der östereichischen Obrigkeit (in Hindelang vom Fürstbischof von Augsburg, in Immenstadt vom Reichsgrafen von Königsegg) ernannte Vorstand eines Salzstadels führte den Titel Salzfactor, weshalb solch ein Betrieb auch Salzfactorei genannt wurde. Für seine Mühe erhielt er von jedem eingehenden Salzfaß das sogenannte Gredgeld, wobei er nicht nur den Binder (Küfer) und die Stadelknechte zu entlohnen - wenigstens in Simmerberg - die volle Baulast am Salzstadel hatte. Ihm oblag es inbesonders, die Spedition des Salzes bis zur nächsten Station regelrecht in Gang zu setzen. Zu diesem Zwecke hatte er eine Liste derjenigen zu führen, welche ein geeignetes Fuhrwerk besaßen, und "sich der Rodordnung einverleibten" d.h. willens waren, jederzeit zu fahren, wenn sie die Reihe traf. Der Fuhrmann hatte sich an die allgemeinen und lokalen Gewohnheiten und Vorschriften betreff des Salzfuhrwesens zu halten. Die meisten dieser Salzrodleute waren Bauern aus der Umgegend. Da sie ihre kräftigen Rosse im Winterhalbjahr zu einem großen Teil müßig im Stalle hatten, galt ihnen der Salztransport als willkommener Nebenverdienst. Wie die anderen Rodstätten, so hatte auch Simmerberg seine eigene Rodordnung, die im Jahre 1675 zeitgemäß erneuert wurde. Dieselbe lautet vollständig wörtlich wie folgt:

Zu wüssen, das die Oberösterreichische Regierung und Hofkammer aus erheblichen ursachen und zur Verhüetung vieler bis hieher verspührten müßverständtnussen, und zwischen denen Salz-Roodfuhrleüthen von Hall aus bis nacher Reütti, und von dorth aus bey denen Oesterreichischen Rood-Stätten auf der oberen Straßen zu Klein-Neßlwang, und am Simmerberg bis nacher Bregenz unterloffener ungelegenheiten, Gotteslästerungen, an Leib und Gemehen (Gespann) schiff und geschür (beide Worte umfassen die zu einem Handwerk gehörigen Requisiten, hier also Fässer, Schlitten, Wagen usw.) erfolgter beschädigungenfür notwendig angesehen, die Roodordnung bey allen diesen Salzrood-Stätten von neüem zu erheben, einrichten und ausferthigen zu lassen. Und nun wahrgenommen worden, das am Simmerberg von vielen jahren hero keine dergleichen schriftliche Roodordnung mehr zu finden gewest, deren wiedererhebung aber umb so viel mehr vonnöthen seyn will, sinthemahlen die Ganze Salzfaß zu drey fuederen (1 Fuder = 1 Salzstock bis zu 1 1/4 Zentner) schon vor dreyßig Jahren abgestelt, und der Teüthiner Salzhandel, wegen von anno 1649 bis hieher mit Chur-Bayrn angestelter Salzvertändnus in einem ganz anderen modum, eingerichtet worden.

         
 
 
 
 
 

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IV. Die Anfänge der Post in Lindau und im Westallgäu

1443 traf zum erstenmal in Vorarlberg ein Reiter aus Wien ein, den wir als Vorläufer der späteren Postreiter betrachten können. Sein Ziel war Feldkirch. Kaiser Friedrich III. hatte ihn abgeschickt, um mit den Vorlanden eine Verbindung herzustellen. Der Weg führte über den "Adlerberg". Der Ritt wurde unregelmäßig durchgeführt, den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend. Im Jahre 1490 zog erstmals ein Postreiter am westlichen Allgäu entlang. Es war der niederländische Kurs, der unser Gebiet streifte:

Innsbruck - Fernpass - Kempten - Pleß bei Memmingen - Elchingen bei Ulm und weiter ins Niederländische

Beschrieben wird dieser Kurs von Dr. Fritz Ohmann in "Die Anfänge des Postwesens und die Taxis", Leipzig 1909. Dies stellt Dr. Baumann für die Zeit vor 1500 in seiner "Geschichte des Allgäus" Band 2 in Abrede.

Einige Jahre wurde dieser Kurs zum Teil über Augsburg geleitet. Am 2. August 1496 trat im großen Rathaussaal zu Lindau der Reichstag zusammen. Kaiser Maximilian ließ sich durch seinen Sohn, Erzherzog Philipp vertreten. Er selbst lag damals in Italien im Felde. Um von den Lindauer Beschlüssen möglichst schnell verständigt werden zu können, ließ der Kaiser einen Postritt von Mailand über einen der Hinterrheinpässe (Splügen oder Septimer) nach Lindau und von da durch den Breisgau nach Worms einrichten. Der Postritt Innsbruck - Augsburg - Ulm, "denn wir der yetz zu mall nit mer notdurftig sein", wurde eingestellt. Das Rathaus zu Lindau, wo der Reichstag tagte, dürfte demnach die älteste "Postablage" am Bodensee gewesen sein.

Als Erzherzog Philipp den Reichstag 1497 verließ, zweigte von Feldkirch ein Postritt nach Innsbruck ab, die Linie Mailand - Lindau wurde wieder aufgehoben. Aber schon 1499 sehen wir sie von neuem eröffnet. Es kam ihr nun besondere Bedeutung zu. Der Schwabenkrieg war ausgebrochen; Kaiser Max hatte zu Konstanz sein Hauptquartier aufgeschlagen. Da die Abzweigung Feldkirch - Innsbruck auch wieder geritten wurde und die Hauptroute bis Worms reichte, war der Kaiser mit diesen Städten unmittelbar verbunden. Im Jahre 1500 verlieren sich die Spuren dieses Postrittes, es kommt die alte Linie Innsbruck - Fernpass - Schwaben, vorerst bis Augsburg, wieder auf. 1510 hingegen lässt sich die Lindauer Route wieder nachweisen. Dann aber hören wir über 100 Jahre nichts mehr von einer Post zu Lindau. Die hier genannten Postritte wurden teils von der Regierungskammer in Innsbruck, teils durch Angehörige des Hauses Thurn und Taxis organisiert, immer aber in Regie der Kaiser durchgeführt.

V. Die Reichspost und die Stände

Die Post kommt! Vor dieser Mitteilung stand am 3. April 1635 ratlos der Rat der Reichsstadt Lindau. Es war ein Schreiben des kaiserlichen Postmeisters David Frey von Augsburg eingelaufen, er wolle im Auftrage des Hauses Thurn und Taxis von Augsburg aus eine Linie über Lindau nach Italien legen lassen, die Stadt solle solches "nicht allein verwilligen, sondern Ihme auch hierzu allen möglichen Vorschub thun". Die Lindauer nahmen diese Nachricht "etwas empfündlich". Andere Städte hatten mit der Reichspost üble Erfahrungen gemacht. Auch Lindau versprach sich nichts Gutes. Der Rat winkte deshalb ab mit der Bitte, man möge die Sache nicht übereilen und bedenken, dass trotz des kaiserlichen Postregals den Städten die "Pottereyen" nicht genommen werden dürften gemäß einer bei Reichs-, Kreis- und Städtetagsabschieden wiederholt gegebenen Zusicherung. Insbesondere verwahrte sich die Stadt Lindau gegen einen etwaigen Anschlag gegen den eigenen Mailänder Botenritt. Endlich baten die Lindauer, unter allen Umständen möge als Posthalter ein Lindauer Bürger bestellt werden.

 
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Würde dieser Wunsch wider alles Erwarten unerfüllt bleiben, dann müsse als Mindestforderung verlangt werden, dass ein Fremder sich in allen außerdienstlichen Angelegenheiten der reichsstädtischen Gerichtsbarkeit unterwerfe. Der Postmeister Frey sagte nicht ja und sagte nicht nein, sondern stellte seinen Schwager Sebastian Kobolt als ersten Lindauer Postverwalter vor. Er schrieb, Kobolt sei schon lange erwerbslos (30 jähriger Krieg!), deshalb wolle man ihm die Stell zukommen lassen. Im übrigen hätten die Lindauer einen schüchternen, schläfrigen Menschen zu erwarten, den sie nur aufzumuntern bräuchten, dann ginge sicher alles gut. Kobolt traf am 24. Juli 1635 zu Lindau ein und der Postritt Lindau - Augsburg wurde eröffnet mit den Zwischenstationen Schwabmünchen, Mindelheim, Memmingen, Leutkirch, Wangen. Auf die Weiterführung nach Süden verzichtete man zunächst. Der Rat wies dem Postverwalter das Haus des Hanns Georg Kick auf der Achbruck an, auf dem Festlande in Lindau-Äschach gelegen. Einst hatten sich dort die Fuhrwerksbesitzer in größerer Zahl angesiedelt. Draußen vor Stadt sei die Post ungestört, die Tore würden früh geschlossen. Der neue Postverwalter sagte zu allem ja. Er versprach, die Boten sollten nicht gechädigt und die Gefälle der Stadt nicht geschmälert werden. Hingegen befreite ihn der Rat für den Hausgebrauch vom Umgeld (Weinsteuer).

Aber Kobolt erwies sich bald als rechter Kobold. Dass er die Lindauer Lehensrößler abschaffte, rief zwar keine Mißstimmung hervor, den als Poststallhalter hatte man den Lindauer Untertan Balthes Boden auf der Achbruck aufgestellt, und dieser führte nun die Postritte durch. Überdies hatten die Lehensrößler ihr Geschäft wegen der Verpflichtung, am Köchlin in Bereitschaft stehen zu müssen, leichten Herzens abgeben. Aber dass Kobolt schon ein paar Wochen nach seinem Dienstantritt stürmisch in der Inselstadt Wohnung und Amtsräume verlangte, beunruhigte die Stadt. Der Rat lud den Postverwalter mit höflicher Geste ein, sich innerhalb der Stadtmauern einzumieten, wohl wissend, dass bei dem damals herrschenden Wohnungsmangel alle dahin zielenden Bemühungen ergebnislos sein würden. Sehr bald musste Lindau Briefspionage feststellen. Kobolt öffnete die an den Rat gerichteten Schreiben des in besonderem Auftrage der Stadt am kaiserlichen Hofe weilenden Dr. Jakob Heyder. Im Jahre 1643 provozierte Kobolt einen Jurisdiktionstreit. Der Waibel (= Büttel, Gerichtsdiener) hatte der Dienstmagd des Postverwalters wegen Besuches einer nicht genehmigten Tanzmusik eine Strafe abgefordert. Kobolt protestierte heftig dagegen, der Rat könnte wissen, dass er als Postbeamter mit seinem ganzen Hause der Stadt nicht unterstehe. Konfessioneller Gegensatz verschärfte die Stimmung. Das evangelische Lindau schloss in seinen Mauern ein katholisches fürstliches Damenstift ein. Das gegenseitige Verhältnis der beiden Stände war nicht eben herzlich. Fühlte Lindau den katholischen Postbeamten an sich schon als starken Schönheitsfehler, so wurde das Gefühl der Unbehaglichkeit nicht gemildert durch die Annäherung, welche der fremde Beamte im Stift suchte und fand.

1648 ließ die Stadt der in Westfalen tagenden Friedenskonferenz durch ihren Vertreter Dr. Valentin Heyder eine Beschwerde folgenden Inhalts vorlegen: Es ist nicht tragbar, als Postbeamte "ohnbeliebige, ohnverbürgte und Irer Religion nicht zugethane Subjecta, ja gar von fremden Nationes" aufnehmen zu müssen, welche in Kriminal- und Kreditsachen tun können, was sie mögen, da sie der reichsstädtischen Obrigkeit nicht unterworfen sein wollen. Ähnliche Beschwerden reichten nach Fühlungnahme mit Lindau die Städte Augsburg, Memmingen und Leutkirch ein. Da diese Beschwerden erfolglos waren, stützte sich Lindau in seiner Abwehr gegen die Post auf einen Artikel des Friedensvertrages vom Jahre 1648, welcher besagt, alle nach 1624 auferlegten Kriegsbeschwerden seien abzuschaffen. Als solche Beschwerung legte Lindau die Post aus und argumentierte: "Nun cessieren die Kriegsleuf, ergo etiam haec posta". Der zweite Nachfolger Kobolts, Postverwalter Martin Herzog (1650), stellte zwischen Postamt und Stadt ein reibungslose Verhältnis her. Er wurde vom Umgeld befreit, wogegen die Stadt für abgehende Amtsschreiben Portofreiheit zugesichert erhielt.

Im Jahre 1657 wurde zum erstenmal der Streit wegen der Boten akut. Der Postverwalter Anton Frey beschwerte sich beim Rat, Konstanzer Schiffe würden die Briefe statt beim Postamt in der "Krone" abgeben, so dass die an auswärtige Empfänger gerichteten Briefe leicht den Boten zur Beförderung zukommen könnten. Amtsbürgermeister Erkholt griff schnell ein, indem er anordnete, alle mit den Schiffen nach Lindau kommenden Briefe seien in seiner Kanzlei abzugeben. Dort wurden die weitergehenden Briefe ausgesondert und dem Postamt übersandt. Damit war das Verhältnis gegenseitiger Duldung wieder hergestellt. Auch die kaiserliche Verordnung vom Jahre 1659, welche dem Reichspostgeneralat das Recht erteilte, die der Reichspost schädlichen Einrichtungen aufzuheben, wirkte sich in unserem Gebiet zunächst nicht störend aus. Das Einvernehmen gestaltete sich vielmehr um jene Zeit so freundlich, dass die Stadt dem Postamte an bevorzugter Stelle, nämlich auf dem Markt, und einige Jahre später auf dem Baumplatz (Marktplatz) ein Gebäude zur Verfügung stellte.

Das änderte sich, als dem Postmeister Bernhard Pichelmayer die Postämter Augsburg, Ulm und Lindau unterstellt wurden. 1679 ließ er dem Lindauer Boten Mantel, Pferde und Briefpaket abnehmen. Kurze Zeit später überfiel der Wangener Posthalter Johann Berlin im Auftrage Pichelmayers mit Hilfe zweier Montforter Jäger den von Ulm nach Lindau reitenden Boten. Der Graf von Montfort auf Tettnang, ein grimmiger Städtehasser, ließ den Boten vollständig ausrauben und für längere Zeit ins Gefängnis werfen. Bei der Freilassung bedeutete der Graf, er werde künftig jeden Ulmer Boten, der sich in seinem Hoheitsgebiet blicken lasse, solchermaßen nachhause schicken. Zu gleicher Zeit nahm Pichelmayer auf Fuggerschen Gebiete mit Hilfe eines anderen Reichspostbeamten dem von St. Gallen nach Nürnberg reitenden Boten Christoph Locher Mantel, Roß und alles Botengut ab. Fugger ließ darauf Pichelmayer in Arrest setzen.

Im März 1680 überfiel der eben genannte Wangener Posthalter Berlin gemeinsam mit dem Lindauer Postschreiber Joseph Heinzel die von Ulm gegen Lindau reitenden Boten Georg Groß und Leonhard Bayer, und zwar geschah der Angriff im Hoheitsgebiet der Reichsstadt Lindau. Der Rat der Stadt Lindau strafte den Postschreiber um 40 Reichsthaler und zwang ihn, die den Boten abgenommenen Gegenstände zurückzuerstatten. Dem Wangener kamen die Lindauer in der Weise bei, dass sie dem nächsten aus Wangen ankommenden Postritt das Pferd beschlagnahmten. Schon ein paar Wochen später hatten die Lindauer einen scharfen, befristeten kaiserlichen Befehl in Händen, die verhängten Strafen rückgängig zu machen, andernfalls würde gegen die Stadt eingeschritten.

Zu gewöhnlichen Zeiten hätte Lindau wohlweislich sofort den Rückzug angetreten. Die Habsburger suchten nämlich am Bodensee immer mehr Besitz zu erwerben, namentlich seit ihre Machtstellung in der Schweiz endgültig verloren war. Nachdem Konstanz dem Kaiser willkommenen Anlass gegeben hatte, die Stadt der Widerspenstigkeit zu bezichtigen und der Reichsfreiheit zu berauben, hütete sich Lindau ängstlich, die mächtigen Habsburger zu reizen. Es trieb stets eine habsburgfreundliche Politik. Wenn die Stadt jetzt die Forderungen eines kaiserlichen Ultimatums ablehnte, so lässt sich dies damit erklären, dass der von den Franzosen und Türken hart bedrängte Kaiser bei den Reichsstädten nicht anstoßen durfte. Lindau beantwortete das kaiserliche Schreiben mit der Feststellung, dass kein Fremder das Recht habe, im Hoheitsgebiet einer Reichsstadt irgend eine Person mit Waffen zu stellen, vom Pferde zu reißen und dieses abzuführen. Wer solches tue, habe mit obrigkeitlicher Bestrafung zu rechnen. Nach dieser Abwehr ging Lindau zum Angriff über. Es regte bei den Städten Augsburg, Nürnberg und Ulm den Zusammenschluss zu einem Zweckverband an, um die Angriffe der Reichspostbeamten erfolgreich abwehren zu können. Die vier Städte richteten im Dezember 1680 eine dringende Bitte an den Kaiser Leopold, er möge sie Schutz nehmen gegen die Übergriffe des Hauses Thurn und Taxis. Sie begründeten ihre Bitte wie folgt:

1. Keiner, wes Standes er sei, darf den andern in seiner wohlhergebrachten possession belästigen, verhindern, turbieren, weder ihn noch seine Angehörigen angreifen, überfallen und spolieren.

2. Es ist außer allem Zweifel, dass die Reichsstädte das Recht seit alters haben, Boten zu beauftragen.

3. Obwohl Lamoral von Thurn und Taxis sich 1610 angemaßt, dieses Recht zu beschneiden, hat der Kaiser Matthias ausgesprochen, jedem Bürger stehe frei, den Boten für seine Sendungen frei zu wählen.

4. Auch Ferdinand II. Erlass vom Jahre 1627 lässt "Sonnenheiter" erkennen, dass die alten Rechte der Städte nicht angetastet werden dürften.

5. Als der Augsburger Postmeister 1635 die Rechte der Städte schmälern wollte, hat Ferdinand II. gegen ihn entschieden.

6. Ebenso hat die Stadt Frankfurt sich mit Erfolg der Übergriffe der Gräfin Alexandrina von Thurn und Taxis gewehrt.

7. Die alten Botenrechte der Städte wurden also von den Kaisern Ferdinand II. und Ferdinand III. ausdrücklich anerkannt.

8. Der Friede von Münster und Osnabrück tat daselbe.


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