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Die Post im Westallgäu

Seite 6

 
 
 
 

Heimenkirch um 1940

 
     
  Fortsetzung vom linken Rand

Zum Anderen: sollen alle von Reütti nacher Simmerberg Kommende salzfäßlein, es seye gleich herrschaftliches oder der Kaufleüth Salz, in dem salzstadel daselbs und darzugehörigen unterkommen, aber sonst nirgendts anderstwo am Simmerberg abgelegt und mit deren abwerffung fleiß gebraucht, auch hierzu, wie bei anderen Eoodstätten observierlich ist, die fäßlen auf die hiezu gemachte Pausch (Ladebrücke) geworffen werden; Da nun einer oder der ander Roodfuhrmann hierwider handelte, die Salzfäßlen schadhaft lieferte oder sonsten der Immenstädtischen Salz-Politen (aus ital. Buletta, Passierschein, vgl. Billet) nach gar zu lang auf der Straßen die Fäßlen im wetter herumgezogen hätte; deme soll der factor den Zedl oder Politen nit unterschreiben, sondern mit dem gräfl. Königseggischen Salzfactorn zu Immenstadt vertraulich correspondiren, und nach befundener saumseligkeit, unfleiß oder verspürten schaden an fäßlen mit den Roodfuhrleüten Sträfflich verfahren lassen, damit das salz fürderlich außer Landts an seine gehör verführt und wohl conditionirter dahin gebracht werde.

Zum Dritten: wirdt statuirt und verschaffen, das alle die Simmerbergische Roodfuhrleüth, welche bey selbiger Roodstatt ordentlich einverleibet und aus dem Stadel daselbst die fäßlen zu laaden haben, solche längist innerhalb Zween tagen an sein gehöriges orth ohne schaden liffern und erst am dritten tag hernach, nicht aber darvor oder ehender zu besagtem Simmerberg widerumb laaden dörffen.

Viertens; soll denen Hofriedern unterm berg im leiblacher Thaal alter observanz und gebrauch nach in der Wochen öffter nicht, dann allein am Montag aus dem Stadel am Simmerberg Salz zu laaden und zu verführen gebühren und zustehen, auch der Salzfactor ihnen zu anderen Zeiten und tägen solches nicht gestatten oder hierauf die Politen abgeben.

Zum fünfften: die salzfuhr auf einer Aex von Immenstadt bis nacher Simmerberg und von dorth weiters bis nacher Bregenz und Lindau ist sowohl denen Roodfuhrleüten, welche ihr Gemehen aigentlich auf die Salzfuhr halten und mit anderen beschwehrlichkeiten, auch gemeinen oblaagen vielfältig betrangt seyn, als auch der landesfüstl. Herrschaft wegen des deroselben entgehenden schreib-Kreüzers am Simmerberg ye und allzeit schädlich gewesen; Als soll die Durchfuhr der Fäßlen auf einer Aex hiemit gänzlich und insgemein abgestelt und aufgehebt seyn. Doch will im Nahmen der Allergnädigsten Landts-fürstl. Herrschaft die o.ö. Regierung und Hofkammer Ihro zu freyer willchur reservirt haben, wann die Salzcontrahenten oder andere Handelsleüth, welche zu beförderung der Commercien in das Land Tyrol waaren nacher Bozen versenden, und die Fuhrleüth ihren Weeg von Bozen nacher Hall nehmen, alldorthen zu einer Gegenfuhr Salz zu laaden, das sey solches ungehindert männiglichs auf einer Aex bis nacher Bregenz und Lindau verführen mögen, gestalten der Salzfactor zu Hall befelcht ist, dergleichen Fuhrleüthen die Politen hiernach abzugeben

 
     
 

Mellatz vom Ratzenberg aus

 
 

Ingleichen wird auch verwilliget, wenn ein oder der andere leer nacher Bregenz und Lindau auffahren müßte, so alldorth wein aufzuladen und in das Allgäu herauf zu verführen hätte, das demselbigen der Factor zu beförderung der Commercien in das Land, und damit der Herrschaft von jedem Faß der gewohnliche Kreuzer nit entzogen werde, in solchen Begebenheiten Salzfäßlein aufgeben und laaden möge.

Zum Sechsten: hat man von geraumer zeit her wahr genommen, das sich zu Simmerberg zwischen den fuhrleüthen von haimenkirch, Opfenbach und (Nieder-)Stauffen an einem, sodann denen übrigen sammentlichen fuhrleüthen anderen Theyls zwytracht und uneinigkeiten in disem erhebt, das nemblich dise letztbenännte fuhrleüth auf der Straßen von Weyler herauf yeziweillen vermeint haben, das sye mit ihren wägen und schlitten ebender als die Opfenbacher, Heimenkircher und Stauffer auf die Simmerbergische Roodstatt ankommen seyen und dahero in Ladung der Salzfäßlein den Vorgang praetendirt, hinentgegen aber der andere Theil, der Heimenkircher Straß herauf vor denen von Weyler angekommene Salzfuhrleüthe, den Vorgang haben wollen: Als ist der alten, von dem Amt Bregenz de dato 21. January ao 1646 ergangenen erläutterung gemäß hiemit statuirt und verordnet, das wann sich unter gemelten fuhrleüthen fürdershin dergleichen Streitigkeiten ereignen, und der factor auf Simmerberg nicht aigentlich wüssen kann, welcher vor dem anderen bey der Roodstatt ankommen, alsdann der Heimenkirchische, Opfenbachische und Stauffische fuhrleüth die gelegenheit und straß nacher Ysni zu fahren haben und sich daselbsten des Salzfuhrwerks bedienen können.

Zum Sibendten: wirdt vorgesehen, das fürdershin die Setzung, aufnehmb und abschaffung des Stadel-Pindters (Binder, Fassmacher) und der stadelknechte einzig und allein dem verpflichten Salzfactor am Simmerberg gebühren und er von ihnen das handgelibdt zu empfangen haben soll; Allermassen dieses bey allen anderen Roodstätten observiert wirdt, auch zu befürderung sowohl des herrschaftlichen als auch der kauffleith salz darumben geraichen thuet, damit sich der salzfactor jeniger persohnen bedienen möge, mit welchen er am bequembisten fortzukommen waiß.

 
     
 

Opfenbach um 1920

 
 

Zum achten wirdt ernstlich verpoten, das die roodfuhrleüth, die am Simmerberg geladen veßl undterweegs auf der straßen im wetter nit ligen lassen, vilweniger neben und bey den heüseren oder auf den städlen eine zeitlang aufhalten, sonder es soll ein yeder sein geladene gebür von stund an und ohne verzug fortfiehren und zu rechter auch solcher zeit wie obgemelt seiner gehör einliferen; und da ainer oder der ander die gelane veßlen in solcher zeit nit gelifert und seine undterschribene politen hierumben auszuweisen hete, soll der factor nach gestaltsame seiner nachlessigkeit des rottlohns zum thail oder vellig aufzuheben und nit ausvolgen zulassen, hiemit bevelcht und berechtiget sein, es were denn erweißlich, das ihme undterweegs auß Gots gewalt und dergleichen unvermeidenlichen ursachen am gemehn, schiff und gschür oder dergleichen hinterung zuegestanden, auf welches hin der factor billichmessige moderation zu gebrauchen waiß.

 
 
         
 
 
 
 
 

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Der Salzverkehr von Hall nach Bregenz im 17. und 18. Jahrhundert

(Fortsetzung von S. 5)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 4. Band Nr. 7 S. 49,Juli 1930, Ausschnitte einer Arbeit von Michael Raich

Dahero wirdet für das Erste hiemit statuirt, und verordnet, das alle diejenige sowohlen österreichische als andere dortherumb wohnhafte und benachbarte unterthanen, so sich der neüen Roodordnung einverleiben lassen wollen, dem Ihrer kaiserl. Majestät als Landesfürsten in Tyrol verpflichteten Salzfactorn (so der zeit Caspar feürstein ist) an aydt statt das gewohnliche handt-gelibdt erstatten, das sye allen hernach folgenden articlen, puncten und ordnungen in lieb und layd, bei guth und bösen wetter mit verführung des herrschaftlichen und derer Kaufleüthen Salz, und was dabey berührt, getreülich und fleißig nachzuleben, mit ihren haltenden Gemehen in Bereitschaft zu stehen, und ihrerseits keinen abgang, hinterung oder mangel erscheinen zu lassen; Zu welchem ende gedachter Salzfactor feürstein, auch nach ihme ein jeder nachfolgender Simmerbergischer factor diese Roodfuhrleüth alle Jahr in ein ordentliche verzaichnus oder specification zu bringen und vor Begebende hand-gelibdts-erstattung diese Toodordnung von worth zu worth ablesen zu lassen hat.


Fortsetzung im rechten Rand

 
 
 

Der um jene Zeit in Regensburg tagende Konvent der Reichsstädte wurde von dem Inhalt der Denkschrift verständigt und gebeten, diese Sache beim Kaiser zu unterstützen. Während die Angelegenheit in der Schwebe war, verschärfte sich der Gegensatz zwischen der Stadt Lindau und dem dortigen Postamt. Postverwalter Hans Leonhard Frey, Sohn seines Vorgängers Anton Frey, ging nämlich daran, den Konstanzer Boten abzuschaffen. Der erste entscheidende Anschlag richtete sich aus zwei Gründen gerade gegen den Konstanzer Botenritt. Dieser wurde nur von einem Partner verteidigt, nämlich von der Reichsstadt Lindau. Konstanz, die österreichische Untertanenstadt, wurde durch kaiserliche Beamte vertreten und diese traten - in diesem Falle - für die kaiserliche Reichspost ein. Überdies war der Konstanzer Bote Konrad Müller der Lindauer Poststallhalter, also dem Reichspostgeneralat verpflichtet. Der Postverwalter verbot dem Poststallhalter im Jahre 1681 den Konstanzer Botenritt. Müller weigerte sich, den von der Stadt übertragenen Dienst aufzugeben., weshalb ihn Frey "mit schmählicher verkleinfuegung seiner persohn abgesetzt hat". Auch ließ der der Postverwalter dem Boten schon beim nächsten Ritt die Briefe abnehmen.

Nicht nur dieser Vorfall gab der Stadt Anlass zu einer Klage beim Kaiser, sondern auch die Entlassung Müllers. Frey hatte nämlich keinen anderen Posthalter aufgestellt. Er ließ vielmehr alle Sendungen von und nach Lindau durch den Wangener und Ravensburger Posthalter besorgen. Wurden nun Estafetten oder Kurierritte nötig, musste man immer erst von einer dieser beiden Städte Pferde holen (Aus dieser Feststellung ist zu schließen, dass Tettnang nicht schon mit der Eröffnung der Route Ulm - Lindau 1680 eine Posthalterei erhielt, sondern einige Zeit später), da ja die Lindauer Lehenrößler seit 1635 abgeschafft waren. Dadurch entstanden unerträgliche Verzögerungen. Während die Klagen Lindaus und der anderen Städte beim Kaiser anhängig waren, suchte jeder der streitenden Teile durch Selbsthilfe eine Vorentscheidung herbeizuführen. Frey hatte den Botenritt nach Konstanz für aufgehoben erklärt. Da dieser aber nicht zu entbehren war, ließ er ihn durch den Postschreiber Heinzel ausführen. Heinzel ritt nicht als Beauftragter der Reichspost, denn der Lindauer Postverwalter, mit dessen Einverständnis der Ritt begonnen wurde, war nicht zuständig, neue Kurse zu eröffnen. Allem Anschein nach ritt Heinzel zunächst auf eigene finanzielle Gefahr. Heinzel war aber auch kein Bote, denn die Botendienste wurden von der Stadt verliehen. Der Postschreiber bezeichnete sich selbst als Beauftragten der Post. Die Beanstandungen seitens des Rats, dass er keine postalischen Abzeichen trage, beantwortete er mit der Behauptung, er "seye ein Herr bei der Post" und bedürfe keiner Abzeichen. Der Rat ließ dies aber nicht gelten, behandelte Heinzel als "Usurpator", nahm ihm das Felleisen ab und ließ dieses von einem Schlosser öffnen. Daneben bemühte man sich den städtischen Botenritt weiterzuführen. Da sich wegen der Konkurrenz des Postbeamten, der trotz allem wieder ritt, der Botenritt nach Konstanz nicht mehr lohnte, unterstützte die Stadt ihren Boten durch Unterhalt eines Pferdes und durch ein Wochengeld.

Lindau im 17. Jahrhundert
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Der Postverwalter Frey hingegen weigerte sich, die durch den Boten überbrachten Briefe weiterzubefördern. Auch ließ er die aus dem Reich einlaufenden Briefe, welche auftragsgemäß dem Konstanzer Boten zu übergeben gewesen wären, immer längere Zeit liegen, um durch Verzögerungen die Unzuverlässigkeit der Boteneinrichtung darzutun. Das Mißgeschick wollte, dass sich unter den verzögerten Sendungen ein an den Fürstbischof von Konstanz gerichtetes Schreiben des schwäbischen Kreiskonvents befand, worin die dringende Bitte des Kaisers um Hilfe gegen die Türken übermittelt wurde. Dies wurde nun zum Anlass, das Gebaren des Postverwalters ausdrücklich festzustellen. Dieser stille, verbissene Kampf ging jahrelang fort. Zu gleicher Zeit gestaltete sich auch das Verhältnis zwischen der Stadt Leutkirch und der dortigen Reichsposthalterei höchst feindselig. Der Fürst Thurn und Taxis beklagte sich 1684 beim Kaiser, die Gravamina der Städte Lindau und Leutkirch nähmen nicht ab, sondern zu. Leutkirch erklärte, der Kampf richte sich nicht "gegen den rechtmäßigen Hergang und richtigen Lauf der Post, sondern wider den abusum und Mißbrauch und die Excesse und exorbitierende Gewalt". Der Abwehrkampf der Stadt Leutkirch erhielt eine besondere Note durch den Umstand, dass dort auch ein vorderösterreichisches Postamt war. Die Leutkircher unterließen es nicht, zur rechten Zeit auf das loyale Verhalten der österreichischen Beamten und auf die schnelle, zuverlässige Bedienung durch diese hinzuweisen.

1685 griff, den Bitten des Hauses Thurn und Taxis entsprechend, die österreichische Regierung in den Kampf ein, soweit er sich gegen Lindau richtete. Die Regierungskammer zu Innsbruck beauftragte den Stadtkommandanten zu Konstanz, General von Stadel, den von Lindau eintreffenden Boten zu kontrollieren. Als Anlass zu solch ungewöhnlicher Maßnahme diente ein an Basler und französische Kaufleute gerichtetes Gesuch der Stadt Lindau, sie möchten auf ihren über Konstanz an den oberen See gehenden Briefen ausdrücklich Beförderung durch die Lindauer Boten vermerken. Dieses Gesuch tadelten die Gegner als das höchst verwerfliche Unterfangen, fremde Mächte gegen die Reichspost, also gegen eine Einrichtung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, angerufen zu haben.

Aber nicht nur ein General wurde im Kampf gegen den Konstanzer Boten in Anspruch genommen; man zog selbst die religiösen Gegensätze in den Streit. 1688 wandte sich der österreichische Geheimrat Baron von Landsee an den Konstanzer Fürstbischof, der im Schloss Meersburg residierte, er möge der Abschaffung des Botenrittes Lindau - Konstanz unterstützen, weil die lutherischen Reiter allzuleicht verbotene Korrespondenzen in die Schweiz und nach Frankreich schmuggeln könnten "zu dießseitiger Religion nachtheil". Der Fürst lehnte zunächst eine Stellungnahme in dieser Sache ab, teilte aber der Stadt Lindau noch im gleichen Jahre mit, er werde künftig ihren Boten zur Briefbeförderung nicht mehr gebrauchen. Inzwischen war nämlich 1683 der zuerst inoffiziell unternommene Postritt Heinzels amtlich als Postroute Lindau - Meersburg eingeführt worden.

Mehr und mehr erkannten die Lindauer, dass der Kampf um den Konstanzer Boten den finanziellen Aufwand nicht lohne. Dieser Kampf wurde auch beeinflusst - wahrscheinlich ausschlaggebend - durch ein weltpolitisches Ereignis. Er flaute von von 1688 an auf der Seite Lindaus stark ab. Und nicht nur dies - Lindau fühlte sich bemüßigt, den bisher verbündeten Städten Augsburg, Nürnberg und Ulm gegenüber die Gleichgültigkeit an dem Kampf zwischen Post und Boten überhaupt zu bekunden. Belgrad war erobert worden; der Kaiser konnte wieder freier aufatmen, er konnte sich den inneren Angelegenheiten wieder aufmerksamer zuwenden. Die Stadt Lindau hielt es nun für zweckmäßig, einzulenken. Die Stadt entzog 1690 die "Sustentation", worauf Konrad Müller den Ritt nach Konstanz einstellte. Und die Reichspost reichte versöhnlich die Hand - nachdem sie ihr einstweilen gestecktes Ziel erreicht hatte. 1693 erhielt der Postverwalter Nikolaus Wilhelm Luftfeld die Erlaubnis, auf die städtische Pferdeweide zwei Postpferde treiben zu dürfen. 1697 übergab Lindau der Post ein städtisches Gebäude "in der Fischergasse gelegen, underhalb am Egg gegen dem Werkhof über". Die Miete wurde in der Weise entrichtet, dass der Postmeister Pichlmayer der Stadt ein Darlehen von 1500 fl gewährte und jährlich die 5 prozentigen Zinsen gutschrieb.

 

Nach der Abschaffung des Konstanzer Boten wandte sich der Kampf der Reichspost gegen die aus der Schweiz ins Reich ziehenden Boten. 1684 schon hatte Taxis einen kaiserlichen Befehl erwirkt, welcher den seit etwa 1400 bestehenden Botenritt St. Gallen - Nürnberg untersagte. Die Verbindung wurde darauf durch einen Boten zu Fuß durchgeführt. 1714 verbot Kaiser Karl VI. auch diesen Botengang. Zugleich wurde das große Botenunternehmen Bern - Nürnberg der Familie Fischer untersagt. Die an all diesen Kämpfen interessierten kleineren Städte Oberschwabens hielten sich ihrer geringeren wirtschaftlichen und politischen Bedeutung entsprechend mehr oder wenig zurück. Jedoch unterstützten sie die Sache, wo es ging. Von Leutkirchs Stellungnahme hörten wir. Wangen machte die städtefeindlichen Maßnahmen der Postbeamten mit Vorliebe durch passive Resistenz unwirksam. So setzte die Stadt 1684 auf Verlangen des Posthalters Berlin den Boten Dempfle aus Augsburg in Arrest, gab ihm aber Gelegenheit zur Flucht. Diese Streitigkeiten zwischen der Reichspost und den Städten wurden bei uns zu einem vorläufigen Abschluss gebracht durch ein von der Stadt Augsburg vorgeschlagenes Abkommen folgenden Inhalts.

   

Gasthaus "Alte Post" Fischergasse 3

Beherbergte die Lindauer Post - mit kurzer Unterbrechung 1817 von 1697 bis 1841

 

1. Die Boten sollen im Interesse des Commercium und des gemeinen Wesens die alten Gepflogenheiten beachten, soferne diese dem neuen Reglement nicht zwider sind.

2. Bei allen Reisen sollen die Boten die Abzeichen ihrer Stadt tragen, aber kein Posthörnlein.

3. Sie sollen während der Reise die Pferde nicht wechseln, sondern bis ans Reiseziel die gleichen Pferde behalten.

4. Nur wenn ein Pferd krank wird oder tot umfällt, dürfen sie ein anderes wählen, sollen aber darüber ein Zeugnis erwirken.

5. Wenn ein Pferd die Last nicht fortschaffen kann, darf eine Bote deren mehr nehmen.

6. Die Boten dürfen nach Belieben Personen befördern.

7. Das sammeln von Briefen ist den Boten verboten. Die Briefe und Pakete, die man ihnen bringt oder die zu holen der Absender sie auffordert, dürfen sie befördern.

8. Wenn man einen Boten in einem Orte, durch den er reist, Briefe oder Pakete übergibt, darf er sie befördern.

9. Nach Italien, Frankreich, Hispanien, Engelland und Holland dürfen die Boten keine Briefe annehmen, es sei denn, dass die Post solche Briefe nicht befördern kann (Lindau - Mailand).

Die Annahme dieser Abmachung konnte freilich nicht den Zustand ungetrübten Friedens herbeizaubern. Das Reichspostgeneralat hatte immer wieder Anlass, über vorschriftswidrige Beförderung von Korrespondenzen seitens der Boten zu klagen. 1719 beschwerte sich der Fürst von Thurn und Taxis bei dem Rat der Stadt Lindau über die durch die Schiffsleute besorgte Briefbeförderung nach Schaffhausen. Lindau antwortete, mit den Schiffen würden immer nur die zu den Waren gehörigen Briefe befördert. Den Wunsch der Post, die in der Stadt zur Abfahrt bereit liegenden Schiffe kontrollieren zu dürfen, lehnte die Stadt mit der Begründung ab, diese Kontrolle würde durch die städtischen Beamten zuverlässig ausgeübt.

Im Jahre 1730 sah Lindau seinen besonders hoch geschätzten Mailänder Botenkurs bedroht. Zunächst wähnte man, von Mailand nahe Gefahr. Man glaubte, dass dortige Postamt wolle den Boten durch einen Postkurs ersetzen. Es wurde aber dem Boten lediglich das Sammeln von Briefen untersagt, und der Corriere di Lindo, der seit 1592 dem Senat und dem Handelsstand zu Mailand verpflichtet war, musste nun auch der Post den Diensteid leisten. Von nun an hatte er beim Mailänder Postamt alle Briefe abzugeben und zu übernehmen. Diese Anordnung der Mailänder Post lenkte die Aufmerksamkeit des Reichspostgeneralats auf die Mailänder Boten. Man zog in Erwägung, den alten Plan eines Ostkurses Lindau - Mailand nun auszuführen. Mindestens sollte der Mailänder Bote zur Reichspost in ein dependierendes Verhältnis gerückt werden. Die Handelsstände, welche von der Durchführung solcher Pläne Portoerhöhung und Hemmnung des Bargeldverkehrs befürchteten, schlugen Alarm, worauf viele Städte des Reiches, der Schweiz und Graubündens Einspruch erhoben. Das Reichspostgeneralat ließ in der Folge die Hand vom Mailänder Botenritt.

Dieser Zwischenfall konnte das Einvernehmen zwischen Lindau und der Reichspost nicht für längere Zeit trüben. Die Stadt verfolgte die 1688 eingeschlagene postfreundliche Politik unbeirrt weiter. 1749 kam zwischen dem Postverwalter Johann Rochus Söhnlein und dem Stadtrat ein Abkommen zustande, das auf den ersten Blick den Eindruck macht, als habe ein wirksam bestochener Beamter die Interessen seines Herrn verkauft. Lindau befreite den Postverwalter von allen Personal- und Realabgaben, sogar von den Lebensmittelimposten. Diese Begünstigung sollte auch den anderen Postbeamten zugesichert sein, soweit diese nicht Bürger der Stadt Lindau waren. Lindau anerkannte damit ausdrücklich die vom Hause Thurn und Taxis entsandten Beamten als Angehörige einer fremden souveränen Macht. Die Stadt verzichtete mit diesem Zugeständnis auf ein Stück ihrer Hoheitsrechte. Für das Haus Thurn und Taxis, das damals mit anderen Ständen schwer in Fehde lag, war Lindaus Entgegenkommen von höchstem Werte. Das Verhältnis zu dieser Zeit konnte jederzeit als Präjudiz verwertet werden. Der Postverwalter Söhnlein belohnte die Lindauer denn auch entsprechend. Die Postbeamten nahmen nun den Lindauer Boten gegenüber den Standpunkt einer unbeschränkten Nachsicht ein. Es konnte ihnen nicht unbekannt bleiben, dass die Lindauer Bestätter eifrig Pakete und Briefe für die Boten sammelten. 1767 richtete der von Memmingen nach Lindau fahrende Bote an den Rat von Lindau die Bitte, man möge ihm vom Bestätter Sirch zum Bestätter Schreyvogel überweisen, weil letzterer, zugleich Mailänder Bote, Briefe, Pakete und Geld sammle für Wangen, Leutkirch, Memmingen, Ottobeuren, Mindelheim, Kaufbeuren, Augsburg. Lindau betrachtete bei solchem Einvernehmen die Reichspost geradezu als jene Einrichtung, mit welcher am besten auszukommen war. 1776 wandten sich die Städte Kempten und Isny, deren Boten von dem vorderösterreichischen Postmeister Anton Ohmayer zu Dorenweid, einem handfesten Allgäuer, ständig verprügelt wurden, an den Rat von Lindau zwecks gemeinsamer Abwehr. Lindau vertröstete die Beteiligten mit der Bemerkung, Thurn und Taxis werde die vorderösterreichischen Posten in Bälde übernehmen, dann würden die Boten sofort besser behandelt.

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