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Die Post im Westallgäu

Seite 7

 
 

Der Salzverkehr von Hall nach Bregenz im 17. und 18. Jahrhundert

(Fortsetzung von S. 6)

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 4. Band Nr. 7 S. 49,Juli 1930, Ausschnitte einer Arbeit von Michael Raich

Zum neundten soll kein rodtfuhrmann bey schlechten weeg auf ain Haubt mehr den ain veßl und auf zway haubt zway veßl zuladen fueg haben, damit ain yeder der in diser rodtordnung einverleibten rodtfuhrleüthen ein proportionierte abfuehr und gleiches gewinet habe. Wann aber der weeg besser, so kann der factor zu befürderung der kauffleith salz und nach ihren verlangen ein mehrers verwilligen und etwa auf zway haubt drey veßl geladen werden.

Ferners und zum zechendten ist bey verluest des fuehrlohns und wegen des fräfls noch zu gewarthen habender straff ernstlich verpothen, ainiches veßl aufgestelter nit zufiehren, weilen hierdurch der herrschafft sowohl als auch den kauffleithen an salz schaden zuegefiegt wirdt.

Zum aindlifften wirdt hiemit vorgesechen, das diejenige rodtfuehrleith, welche mit ihren gemehen zur zeit nit in bereitschaft stehen, wann die rodt an sye kombt, für selbiges mahl nicht zuladen, vilweniger ihr gebür der veßlen anderen nach ihren gefallen zuiberlassen haben sollen, sonder der factor hat dem stadlknecht zubevelchen, des außbleibenden anthailer der zu laden gehabter veßlen den negsten daran, welchen der rodt nach die ordnung trifft aufzugeben und disfahls keine fortheiligkeiten undterlaufen zulassen, alles bey vermeidung der zu gewarthen habender straff, so der salfactor zu determinieren, einzulangen und alsdann dem ambt Bregenz zu verrechnen hat.

Zum zwölfften soll der factor bey dem stadlknecht verfiegen, das keinen rodtfuehrmann ainiches veßl geladen werde, er habe dann seine mehene, schlitten oder wagen bey dem stadl an der handt, welliche fuehrleith dann mit gueten gemehen geschür und wägen oder schlitten nit vorgesehen und wellichedie erforderliche polliten von den factor nit genommen auch selbe dem stadlknecht nit vorgewisen, denen soll nit geladen werden, damit die bißhiehero undterloffene fähler vermiten bleiben und yedem fuehrmann sein gebür, wie das zaichen sich in der pollitenfindet, aufgegebn werden mige.

Eß wirdet nit weniger zum dreyzechenden statuirt, das der factor dem stadlknecht gemessene verordnung gebe, dem rodtfuehrmann kein veßl aufzugeben, eß seye dann zuvor recht genaglet mit seinen zwölff raiffen gebunden und zuegerichtet. Der rodtfuehrmann soll auch kein schadhafftes veßl, wo rauß salz kommen sein mechte, nit aufnehmben, sondern ein solliches, dem factoren zu gebürender wendung andeiten, damit weder der fuermann, noch der salzcontrahent und vorderist die landesfürstl. herrschaft nit gefahrt oder geschödiget werde.

 

Mithin wirdt zum vierzechenden allen österreichischen undterthanen, so sich diser rodtordnung bedienen, befolchen aun auferladen, sich wie andere dergleichen österreichische rodtfuerleith mit verrichtung der ins künftig vorfallender herrschaftlichen und dergleichen fronfuehren in allen begebenheiten getrewlich willig und yederzeit gehorsamblich gebrauchen zulassen in lieb und laid, bey guet und besen wetter, wie es die notturft yederzeit erforderen würdt, auch annihen geferlichen mangel hieran nit erscheinen zulassen.

Zum fünfzehendten: sollen alle roodfuhrleüth mit gerechten - nit gar zu jungen Pferden vorgesehen seyn, und deren keineszur fäßlfuhr gebrauchen, welches seine zwey Jahr nit erraicht hat, damit der Herrschaft und der Kauffleüth guth auf der straßen befördert werde.

Zum Sekzehendten ist verbotten an Son- und feyrtägen einiches fäßl zu laaden, dahero wirdt verordnet, das der Salzfactor und vorgesetzte am Simmerberg ihr fleißiges aufsehen haben und ernstlich darob halten, das die übertretter Exemplarisch abgestraft und insonderheit die ienige, so mit auf- und ablaaden Gotteslästern, fluchen und schwöhren, mit empfindtlicher demonstration angesehen werden, auch derentwegen der Stadlknecht und Stadel-Pindter, aufleger und dergleichen im stadel gebrauchende Persohnen Ihr fleißiges aufsehen und obacht halten, auch diesfahls niemand verschohnen, wer der auch seyn mag sonder dergleichen Sträfliche ungebühr iedesmahlen dem factorn getreülich und unparteiisch anzeigen.

 

Scheidegg im Allgäu 1940
liegt an der alten Straße
Weiler-Scheidegg, über die Rucksteig nach Niederstaufen

Zum sibenzechenden: soll der Salz-factor gute obsicht tragen und anordnung thun, das der zwar auf seiner vorfahrenen aigenen unkosten erbaute und durch ihn in zeit seiner obtragenden factorey erhaltenen salzstadel und darzu erforderliche neben gebaii in solchen baulichen würden Conserviert werden, damit das herrschaftliche und der kauffleüth alldorten ankommendes Salz durch ungewitter nit schaaden leide, sondern bis zur weiterer verführung im stadel fleißig erhalten werde.

Actum Yhns prugg den 8. 8bris anno 1675.
O. Oe. Regierung und Hofkammer

Der Artikel von Michael Raich über den Salzverkehr in den Westallgäuer Heimatblättern ist noch um ein Vieles länger und ausführlicher. Ich habe nur den Anfang hier dargestellt, weil er einen sehr guten Einblick in die Straßen- und Speditionsverhältisse im 17. und 18 Jahrhundert im Westallgäu gibt.

 

Vorderösterreich

Der Begriff Vorderösterreich beschreibt eine Herrschaftsgruppe, einen Güterkomplex. Zu dem ursprünglichen Hausgut der Grafen von Habsburg im Elsaß erwarben die Habsburger 1368 Freiburg im Breisgau und die Landgrafschaft Breisgau, 1381 die Landvogtei in Schwaben und die Gebiete der Grafen von Hohenberg, 1398 Sargans, 1403 von Habsburg-Laufenburg Laufenburg und Säckingen, 1504/05 die Landvogtei Hagenau im Elsaß (1551/56/1771) und die Ortenau sowie verschiedene 1369 an Wittelsbach verlorene Gebiete. 1379 fielen diese Güter an die leopoldinische Linie Habsburgs (bis 1490). Seit 1536 wurden aus dem Elsaß die Landgrafschaft Oberelsaß mit Sitz in Ensisheim und die Reichslandvogtei im Elsaß mit der Schutzvogtei über 40 Reichsdörfer und die elsässischen Reichsstädte außer Straßburg, aus dem Breisgau die Grafschaft Hauenstein und Herrschaft Laufenburg sowie die Herrschaften Kastelberg und Schwarzenberg, Kirnberg, Rheinfelden und Triberg, aus Schwäbisch-Österreich die Markgrafschaft Burgau, die Reichsgrafschaft Hohenberg, die Landgrafschaft Nellenburg (Stockach) und die Landvogtei in Oberschwaben und Niederschwaben, die Stadt Konstanz (1548), aus Vorarlberg die Herrschaft Hohenems (1765) und die Grafschaft Feldkirch, sowie von sonstigen Gütern die Landvogtei Ortenau (Offenburg), die Reichsgrafschaft Tettnang (1780) mit der Herrschaft Argen und Wasserburg und die Reichsgrafschaft Falkenstein in der Pfalz, sowie Lindau 1804 und Rothenfels (1804) als Vorderösterreich bezeichnet. 1648 gingen das Gebiet im Elsaß und Breisach an Frankreich über, 1679 auch Freiburg. 1697 kamen Breisach und Freiburg zurück. Zuletzt umfasste Vorderösterreich 9000 bzw. 25000 Quadratkilometer mit 400000 bzw. 670000 Einwohnern und 162000 Gulden Einkünften. Die Verwaltung erfolgte zunächst in Innsbruck und für Elsaß und Breisgau in Ensisheim (seit1651 Freiburg), seit 1752/59 in Freiburg, seit 1782 aber wieder in Innsbruck. 1803 musste der Breisgau an den Herzog von Modena abgetreten werden. 1804 kam er verkleinert um das an die Schweiz gefallene Fricktal, an seinen Schwiegersohn Ferdinand von Österreich-Este. 1805 fielen Breisgau und Ortenau an Baden, die übrigen Teile Vorderösterreichs an Württemberg und Bayern, die auch die 1804 erworbenen Gebiete von Lindau und die Reichsgrafschaft Königsegg-Rothenfels erhielten. 1810 tauschten Baden, Württemberg und Bayern untereinander Gebiete aus. 1814/15 fiel Vorarlberg außer einigen Teilen der Reichsgrafschaft Bregenz und Hohenems an Österreich zurück.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S. 584

         
 
 
 
 
 

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Die Grafen von Montfort

Nach Montfort bei Götzis in Vorarlberg nannte sich ein schwäbisches, die Grafen von Bregenz bzw. Pfalzgrafen von Tübingen um 1200 beerbendes Grafengeschlecht. 1260 teilte sich Montfort in die Linien Montfort-Feldkirch (bis 1390), Montfort-Bregenz (bis 1338) und Montfort-Tettnang, von der 1354 eine jüngere Linie Tettnang (bis 1574) und eine jüngere Linie Bregenz (bis 1787) ausgingen. Die Grafen zählten 1488 zur Rittergesellschaft Sankt Jörgenschild, Teil im Hegau und am Bodensee, später wegen Schomburg zum Kanton Allgäu-Bodensee des Ritterkreises Schwaben. Von den umfangreichen Gütern am Bodensee und Alpenrhein sowie im Voralpengebiet gingen die meisten an die Grafen von Habsburg (Feldkirch 1375/79, Bregenz 1451/1523). 1565 wurde Rothenfels an Königsegg veräußert, 1779/80 Tettnang an Österreich verkauft. 1787 starben die Grafen aus. 1816 ernannte der König von Württemberg seinen Schwiegersohn zum Fürsten von Montfort.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S. 345

 
Wasserburg am Bodensee
 

Herrschaft Wasserburg

Wasserburg am Bodensee erscheint 784 als Gut von St. Gallen. Im Mittelalter war es als Lehen an die Herren von Kißlegg vergeben und kam im 14. Jahrhundert durch Heirat an die Herren von Schellenberg. 1358 wurde Wasserburg durch den schwäbischen Städtebund zerstört und danach an die Grafen von Montfort verpfändet und um 1525 zu Eigentum übertragen. 1592 verkauften die Grafen von Montfort die nicht in die Reichskreiseinteilung einbezogene Herrschaft an die Grafen Fugger, deren Linie Wellenberg sie 1755 an Österreich überließ. 1803/05 kam Wasserburg von dort an Bayern.

Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder S. 597

 

Über die Leinwandweberei

Die Leineweberei war für die ganze Gegend von Konstanz bis Kempten und von Biberach bis St. Gallen das Hauptgewerbe der städtischen Weber und der Spinner, die sich hauptsächlich mit dem Spinnen beschäftigten. Fast alle Städte, die um den Bodensee herum entstanden, waren förmlich darauf angewiesen, dem, was der Städter jahraus, jahrein und der Bauer über seinen Bedarf hinaus an Leinwand webte, den Ausgang in die weite Welt zu schaffen. Dieses Gewerbe war von Anfang an an die Händler gebunden. Die Stoffe mußten ausgeführt werden und die aus dem Ausland einzuführende Baumwolle konnte nicht durch die Weber selbst besorgt werden. Im letzten Viertel des 14 Jahrhunderts also, ungefähr im Jahr 1380, schlossen sich dann die kapitalkräftigen Familiengesellschafen Humpiß, Muntprat und Mötteli zur Großen Ravensburger Handelsgesellschaft zusammen.

 
 
 
 
 

VI. Die vorderösterreichischen Posten im Allgäu

Das Allgäu sah sich schon früh dauernd in den Postverkehr einbezogen. Kimratshofen ist schon 1514 als Station der vorderösterreichischen Route Innsbruck-Freiburg genannt. 1523 wurde nach dem Kauf der Herrschaft Bregenz durch Österreich die Linie Füssen - Stockach gelegt. Der Kurs erfuhr in den ersten Jahren verschiedene Abänderungen, so 1525, als der nachmalige Kaiser Ferdinand zu Tübingen Hof hielt, und 1529 während des Reichstags in Speyer. Von 1530 an blieb die Route in der Hauptsache unverändert als Postritt Innsbruck - Elsaß, wenn auch die Stationen des öfteren wechselten. 1532 werden folgende Poststellen genannt:

  • Kempter Wald (Zollhaus)

  • Kumertshofen (Kimratshofen)

  • Anderen (Einthürnen)

  • Markdorf

  • Stockach

  • Altenstadt

  • Freiburg

  • Ensisheim (im Oberelsaß)

Im Jahre 1619 wurde dieser vorderösterreichische Kurs folgendermaßen geritten:

Innsbruck – Telfs – Nassereit – Lermoos – Haiterwang – Weißbach – Kempter Wald – Kempten – Kimratshofen – Diepoldshofen – Bergetreit ( Bergatreute) – Altdorf (Weingarten) – Markdorf – Stockach – Konstanz – Schaffhausen


Nach der Schlacht bei Rheinfelden 1638 machte die Unsicherheit eine Verlegung dieses Kurses notwendig. Er führte dann von Innsbruck über den Arlbergpfad nach Bregenz, von dort auf der Schweizer Seite am Bodensee entlang bis Konstanz. Erst 1654 nahm man die alte Route wieder auf. Weil das von den Schweden verbrannte Diepoldshofen noch nicht aufgebaut war, verlegte man die Station nach Leutkirch.

Dort kreuzte nun der vorderösterreichische Kurs die 1635 errichtete Reichspostlinie Augsburg - Lindau. Leutkirch war also nun Sitz zweier Poststationen, einer taxisschen und einer vorderösterreichischen. 120 Jahre amtierten diese in derselben Stadt, ohne Anschluss zu suchen. Die von Innsbruck nach Bregenz gehenden Korrespondenzen wurden also nicht etwa zu Leutkirch dem Lindauer Paket der Reichspost beigepackt; nein, sie liefen bis Altdorf (Weingarten), um dort von Boten zu Fuß 8 bis 9 Stunden weit abgeholt zu werden.

Das Haus Thurn und Taxis behauptete, im Jahre 1616 von Kaiser Matthias für das ganze Reichsgebiet mit dem Postregal erblich belehnt worden zu sein, also erstrecke sich das Recht, Posten einzurichten und zu unterhalten, auch auf die österreichischen Lande. Zum Teil suchten die Taxis diese Behauptung durch die Tatsache zu stützen, dass schon seit 1515 Mitglieder ihres Hauses zu Innsbruck als Hofpostmeister tätig waren, und dass das Hofpostmeisteramt für Tirol im Jahre 1645 durch die Erzherzogin Claudia dem Innsbrucker Zweig des Hauses Thurn und Taxis erblich übertragen worden war.

Die Habsburger hingegen stellten fest, das Postregal für die österreichischen Erblande habe sich der Kaiser vorbehalten und das Innsbrucker Hofpostmeisteramt sei weder ein Besitz noch ein Lehen der Taxis, sondern eben ein übertragenes Amt. Dieser Widerstreit bestand im Allgäu , nachdem 1607 und 1609 die Ansprüche der Fürsten Lamoral und Leonhard von Thurn und Taxis abgewiesen worden waren, für lange Zeit im Verborgenen weiter. Nur ein Zwischenfall durchbrach die Ruhe. 1680 nahm sich der taxissche Postmeister Pichlmayer heraus, zu Leutkirch die vorderösterreichische Post zu kontrollieren. Die Österreicher quittierten diesen Übergriff, indem sie Pichlmayer – vermutlich durch Beamte des nahen österreichischen Hauptzollamtes Gebratzhofen – in Arrest setzten.

Heftige Formen nahm der Streit an, als man beim Tode Karls VI. die Fortdauer der erbberechtigten Habsburger Linie in Frage gestellt sah. Während des österreichischen Erbfolgekrieges nahm der taxissche Postverwalter Merz zu Ravensburg offen Partei für Bayern. Er erbrach österreichische Amtsschreiben mit der Begründung, nachsehen zu müssen, ob sie nicht einen für Kurbayern nachteiligen Inhalt hätten – also ein schwarzes Kabinett. Und als 1744 der Stadtkommandant von Konstanz eine Stafette über Meersburg und Ravensburg mit der für Wien höchst wichtigen Meldung vom Anmarsch der Franzosen sandte, ließ Merz den Eilbrief einfach vor die Türe des vorderösterreichischen Postamtes Altdorf (Weingarten) werfen, mit dem Bemerken, für Österreich befördere er keine Estafetten.

Vorderösterreich

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Als einen Angriff auf gleicher Linie deutete Österreich den 1746 vom Reichspostgeneralat geschaffenen Postkurs Kempten – Wolfegg – Stadel – Mimmenhausen, 1754 fortgesetzt bis Überlingen.

Dieser Ritt bewegte sich gleichlaufend mit der vorderösterreichischen Route Kempten – Markdorf. Endlich musste 1742 (andere Quellen nennen das Jahr 1750) die Eröffnung des Reichspostamtes Kempten, wo seit den Anfängen der Post ein vorderösterreichisches Postamt bestand, als Angriff gedeutet werden. Das Reichspostgeneralat hatte, als es den scharf österreichfeindlichen Kurs einschlug, mit der ganzen übrigen Welt nicht daran geglaubt, die mädchenhaft junge, verliebte Kaisertochter werde das ihr durch die heftig umstrittene pragmatische Sanktion zugesprochene Erbe ernstlich verteidigen. Darin sah man sich bekanntlich getäuscht. Wir dürfen annehmen Maria Theresia habe die österreichfeindlichen Maßnahmen der Reichspost nie aus den Augen verloren. Verschiedene Umstände, vor allem die Schlesischen Kriege schoben den Tag der Vergeltung hinaus. Aber dieser Tag kam. Im Jahr 1769 wurden die vorderösterreichischen Posten „inkammeriert“. Diese von der Regierung verfügte Maßnahme traf zunächst den Innsbrucker Zweig des Hauses Thurn und Taxis. Diesen bot die Kaiserl. Königl. österreichische Regierung kurzerhand eine Abfindung von 17 200 fl (Gulden) und dem Oberhaupt der Familie eine lebenslängliche Jahrespension von 2000 fl (Gulden).

Nicht weniger bestimmt setzte sich Österreich mit dem Regensburger Hauptstamm der Thurn und Taxis auseinander. Die Inkammerierung wurde diesen mitgeteilt samt dem Vorhaben, alle jene Reichsposteinrichtungen abzuschaffen, welche die vorderösterreichischen Posten schädlich seien. Zu letzterem Vorgehen erklärte sich Österreich berechtigt auf Grund eines Thurn und Taxisschen Reverses aus früherer Zeit, worin dieses Haus versprochen hatte, den österreichischen Posten „keinen Eintrag, Irrung, Hinterung und Beschwerdung, thun und zufügen“. Zwar protestierte Thurn und Taxis gegen Österreichs Vorhaben mit dem Einwand, der Revers beziehe sich nur auf die Posten ob und unter der Enns. Aber Österreich ging sofort an den Ausbau des Postwesens in den Vorlanden. Dieser Ausbau konnte jetzt nach der Inkammerierung erfolgen.

Einst hatten die vorderösterreichischen Posten nur dynastischen Zwecken gedient und Privatbriefe nur ausnahmsweise befördert. Das war noch bei der Aufstellung der Innsbrucker Taxis als erbliche Hofpostmeister (1645) so gewesen. Infolgedessen hatte Österreich damals alle Betriebskosten übernommen, den Taxis hingegen alle Einnahmen überlassen als Entgelt für die übernommene Verwaltung. Diese Regelung blieb, als sich später die vorderösterreichischen Posten zu öffentlichen Verkehrsanstalten entwickelt hatten. Sie warfen nun dem Hofpostmeister reiche Einkünfte ab, während Österreich für alle Ausgaben aufkommen musste. Es ist verständlich, dass die österreichische Staatskasse diese Ausgaben auf ein Mindestmaß beschränkte. Solche Sparsamkeit bedeutete aber für die Entwicklung der vorderösterreichischen Posten eine unübersteigbare Schranke. Während die Route Innsbruck – Füssen – Kempten – Freiburg 1744 noch als wöchentlicher Ritt betrieben wurde, führte Thurn und Taxis auf seiner 112 Jahre älteren Linie Augsburg – Lindau um jene Zeit bereits einen täglichen Ritt durch. Nach der Inkammerierung fielen alle Einnahmen der vorderösterreichischen Staatskasse zu und nun konnte der Post auch ein entsprechender Aufwand zugute kommen.

Zunächst sollten mit Hilfe der Post die Mailänder Boten der Stadt Lindau unmöglich gemacht werden. Zu diesem Zwecke wünschte der Verwalter des neu geschaffenen Oberpostamtes Bregenz Martini vom Reichspostgeneralat eine Postwagenfahrt Lindau – Bregenz, und als diese verweigert wurde, einen wöchentlich zweimaligen Ritt. Während die Reichspost zögernd darüber verhandelte, erschien eines Tages der Bregenzer Postreiter in österreichischer Uniform mit Briefen und Paketen zu Lindau. Damit war also eine vorderösterreichische Route Bregenz – Lindau eröffnet (1770).

Alt-Bregenz

Der Lindauer Postverwalter Cramer trug sich mit dem Gedanken Ankunftszeit, Kleidung und Ausrüstung des Postreiters sowie den Inhalt der Pakete durch den Lindauer Spitalsekretär Schlatter protokollarisch feststellen zu lassen.. Er nahm jedoch verschiedener Bedenken wegen davon Abstand, hauptsächlich weil Schlatter Protestant war und mit dem Bregenzer Oberamtsverwalter Harand in freundschaftlichem Verkehr stand. Der Bregenzer Postreiter brachte jetzt wohl Briefe nach Lindau, aber keine zurück. Das Lindauer Postamt übergab nämlich nach wie vor alle nach dem Süden bestimmte Sendungen den Mailänder Boten. Nun half Österreich mit fühlbarem Druck nach, indem es am 1. Februar 1771 den Kurs Bregenz – Weiler – Dorenweid – Kempten eröffnete, der zum Teil gleich, zum Teil gleichgerichtet der Reichspostverbindung Kempten – Holzleute (Großholzleute) – Wangen – Lindau war.

Was dadurch dem Reichspostkurs entzogen wurde, darüber belehrt uns ein bald darauf eingereichtes Gesuch des Posthalters Kolb von Holzleute. Dieser bat das Reichspostgeneralat um Wartegeld zum Unterhalt der Postpferde, denn die Einnahmen hätten sich seit Einführung des vorderösterreichischen Kurses derart vermindert, dass sie kaum noch zur Bezahlung des Postknechtes ausreichten. Zwei Monate später begann auf gleicher Strecke mit der Reichspostlinie Lindau – Tettnang – Ravensburg – Ulm der vorderösterreichische Kurs Bregenz – Altdorf (Weingarten). Auf dieser Strecke machte die Bestimmung der Zwischenstationen Kopfzerbrechen. Österreich hatte 1755 die Herrschaft Wasserburg vom Grafen Fugger erworben; nun wartete es auf den längst in Sicht stehenden Zusammenbruch des Grafen Franz Xaver von Montfort, um auch die Herrschaften Argen und Tettnang kaufen zu können. Der Montforter wusste natürlich von dieser Hoffnung Österreichs und das bestimmte ihn nicht gerade freundlich. Die vorderösterreichische Postverwaltung vermied darum, „bis zum Kauf der Herrschaft“ in das Montforter Gebiet eine Poststation zu legen (der Kauf erfolgte 1786). So musste man sich entschließen, das österreichische Wasserburg am Bodensee zur Poststelle zu machen, das aber zu nahe an Bregenz lag. Andererseits aber war die Strecke von Wasserburg bis zu der jenseits der Herrschaft Tettnang gelegenen Station Eschach zu lang. Die Station Wasserburg wurde übrigens schon nach kurzem in den Montfortschen Ort Nonnenbach verlegt. Den Schlüssel zum Verständnis dieser schnellen Verständigung liegt in der Tatsache, dass die Reichspost damals über den Grafen von Montfort Briefsperre verhängte, weil er 800 fl (Gulden) Porti schuldete. Der Montforter musste nun froh sein, in der Nähe seiner Residenz eine österreichische Poststation zu wissen.

Den Fürsten von Thurn und Taxis dünkte die vorderösterreichische Route Bregenz – Altdorf (Weingarten) besonders „einrissig“. Eine weitere Gegenmaßregel drohte der Reichspost für den Fall, dass die Postverbindung Lindau – Bregenz nicht ausgebaut würde. Die vorderösterreichischen Beamten sollten alle aus dem Süden und aus Vorarlberg für Augsburg bestimmten Briefe über Kempten- Füssen leiten. In der Folge wurde einer Vereinbarung zwischen Taxis und der vorderösterreichischen Postverwaltung gemäß im April 1771 ein wöchentlich zweimaliger Postritt zwischen Lindau und Bregenz eingeführt in der Weise, dass der österreichische Reiter die Sendungen nach Lindau beförderte, der Reichspostreiter umgekehrt, jeder aber leer heimwärts ritt. Es wurde schon erwähnt, dass die Postverbindung Lindau – Bregenz den Mailänder Boten das Wasser abgraben sollte und dass der Anschlag unwirksam wurde, indem Lindau den Verkehr durch die Schweiz leitete. Natürlich konnte dies nur dadurch geschehen, dass die Reichspost auf Österreichs Wünsche nur zum Schein einging und alle Sendungen nach dem Süden von Lindau ab „deroutierte“. Der Postverwalter Cramer teilte dem vorgesetzten Postamt Augsburg ausdrücklich mit, er habe sich mit einer „Ehren-Lug“ beholfen.

So arbeiteten Reichspost und vorderösterreichische Post neben- und gegeneinander. An Reibungsflächen fehlte es nicht. Aber keiner der Widerpartner hatte die Absicht, die Gegensätzlichkeit auf die Spitze zu treiben. Darum nahmen sie Fühlung, um eine Verständigung zu finden. Am 9. Juli 1771 begann eine zu diesem Zwecke nach Freiburg einberufene Konferenz. Das kaiserliche Reichspostgeneralat war vertreten durch den Oberamtspostdirektor, Geheimen Rat, Franz Peter von Breher aus Köln, den Oberpostkommissär Johann Lorenz Wunsch und den Aktuar Franz Anton Burk; österreichischerseits hatte man beordert den k.k. Obrist-Hofpostamtsverwalter Karl von Neumann aus Innsbruck, den Oberpostamtsverwalter Georg Konrad Siegler, den Freiburger Oberpostamtsvorstand Christoph von der Thannen und als juristischen Beirat den Freiherrn von Greiffenegg von der Regierungskammer zu Freiburg.

Die Verhandlungen wurden schriftlich geführt. Zunächst hielten die österreichischen Beamten der Reichspost das Sündenregister vor. Die Vertreter des Reichspostgeneralats stellten nichts in Abrede, vertraten aber die These, das von Kaiser Matthias 1615 verliehene Postregal erstrecke sich auch auf Vorderösterreich. In die dem erzherzoglichen Hause dereinst in Vorderösterreich verliehenen Freiheiten könne das Postregal deswegen nicht einbezogen gewesen sein, weil damals noch gar keine Post bestanden hatte. Die Beanstandungen seien also unberechtigt erfolgt. Greiffenegg erwiderte, eine nachträglich einem Dritten erteilte Gnade könne ältere Rechte nicht schwächen. Mit diesem juristischen Geplänkel endete die Konferenz. Aber die hergestellte Fühlungnahme wurde nicht mehr aufgegeben, und im Jahre 1774 kam folgender Vertrag zustande:

Vertrag von 1774 :

1. Die Stationen Hurlach, Schwabbruck, Schwabdießen und Sameister ( an der Route Füssen – Augsburg) sollen für alle Zeiten österreichisch bleiben; die Reichspostbeamten dürfen in Livree wohl auf dieser Route verkehren, ohne jedoch österreichischen Beamten Schaden zu tun.

2. Die Reichspost erhält die Routen Venedig – Innsbruck – Niederlande und Trient – Borgio gegen eine jährliche Entschädigung von 10 000 fl österreichischer Währung. Die österreichische Amtskorrespondenz wird auf diesen Routen unentgeltlich befördert.

3. Den Kurs Innsbruck – Füssen – Kempten unterhält Österreich allein und befördert die Reichspostpakete darauf portofrei.

4. Die verschlossenen Briefe (Amtspakete) von Italien und von Augsburg nach Tirol befördert die Reichspost um jährlich 400 fl.

5. Die gegenseitigen Auslagegelder sollen 3 Jahre lang notiert und dann entweder beibehalten oder aufgehoben werden.

6. Der Reichspost sollen die in Österreich schon eingeführten Kurse und Stationen einstweilen belassen werden.

7. Weitere Kurse und Stationen soll Thurn und Taxis nur mit Genehmigung der zuständigen Regierungskammer und des vorderösterreichischen Postgeneralats einführen.

8. Die Stationen von (Ober) Günzburg bis Stockach bleiben österreichisch.

9. Die Postmeister zu Kempten, Leutkirch, Stockach und Engen werden von Österreich ernannt, jedoch sollen dort alle Reichspostordinarien und –Stafetten ungehindert passieren.

10. Beide Teile verpflichten sich, gegen unbefugte Sammlung und Beförderung von Briefen vorzugehen.

11. Die Reichspost muss alle in Tirol rückständige Gehälter, Löhne und Rittgelder bis zum 1. Juli 1774 bereinigen.

12. Vorderösterreich tilgt alle rückständigen Auslagegelder, ausgenommen bleiben die Auslagegelder, welche die Reichspost für die von Bregenz nach Lindau beförderten Briefe verlangte (2 Kr. das Stück).

13. Der Vertrag soll 20 Jahre gelten.

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