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Die Post im Westallgäu

Seite 8

 
 
Säumer mit Weinfässern

Westallgäuer Verkehrsverhältnisse im Wandel der Zeiten

Quelle: Westallgäuer Heimatblätter 2. Band Nr.22 S. 110, Oktober 1926, Ausschnitte einer Arbeit von Alfred Schneidawind

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Das ganze Mittelalter hindurch befand sich das Straßenwesen in einem traurigen Zustand. Straßen zogen im Allgäu damals von Memmingen über Leutkirch und Wangen nach Lindau, von da über Rucksteig, Weiler Simmerberg, Staufen, Immenstadt, das Oberjoch und die Gacht gen Reutte, von da über Vils und Kempten nach Memmingen, von Wangen über Isny, Kempten, Kaufbeuren nach Schongau. Am belebtesten von diesen Straßen war die von Memmingen gen Reutte, da sie den Mittelrhein mit Tirol und Venedig verband. Viel benutzt wurde aber auch die Jochstraße, d.h. die Straße von Lindau über die Rucksteig, Weiler, Immenstadt, Oberjoch nach Reutte. Alle diese Straßen sind uralt, nur die Straße, die von Füssen auf der schwäbischen Lechseite nach Augsburg führt , ist jünger.

Die Unterhaltungspflicht der Straßen oblag zumeist denen, die den Zoll fordern durften, mit welchem Rechte im Allgäu meist auch das Geleitsrecht verbunden war, d.h. die Obsorge für Freiheit und Sicherheit von Handel und Wandel. Die Berechtigten schlossen zum Zwecke der Ausbesserung der Straßen zumeist Verträge mit den Anwohnern,wie z.B. Graf Heinrich von Montfort, dem als Herrn von Rothenfels Zoll und Geleite von der Gacht bis an den Bodensee gehörte, mit den Bewohnern von Thalkirchdorf im Jahre 1630, die die Straße durch ihr Tal bis nach Ratholz so bauen sollte, dass man auf ihr mit Wagen und Karren fahren könne. Als Lohn sollten sie Zollfreiheit bis über den Alpsee hinaus bekommen. Ebenso übertrugen die die Herren von Hohenegg, denen Zoll und Geleite von der Heiterwanger Ach jenseits Reutte bis an die Rottach bei Oy zustand, 1490 den Neubau und den Unterhalt der Straße durch die Pfarrei Pfronten , "die gar böse zu wandeln und zu fahren war", den Pfrontnern auf 15 Jahre, wofür diese das Weggeld auf dieser Straße bekamen.

Schon 1496 übertrugen die Pfrontener den Unterhalt der straße gegen Einnahme des Weggeldes dem Michael Kimpf und seiner Gattin Barbara Suitterin, welche davon nur 10 Pfund Heller an die Gemeinde abzugeben hatte.

 

Schon 1496 übertrugen die Pfrontener den Unterhalt der straße gegen Einnahme des Weggeldes dem Michael Kimpf und seiner Gattin Barbara Suitterin, welche davon nur 10 Pfund Heller an die Gemeinde abzugeben hatte.

Oft aber nahmen die Städte selbst, die doch am meisten an Handel und Verkehr interessiert waren, den Straßenbau und Unterhalt in die eigene Hand, so Kaufbeuren, so Memmingen, so vor allem Kempten, das sich 1447 gezwungen sah, die Straße durch den Kempter Wald neu zu bauen. Diese war nämlich in einen solchen Zustand geraten, dass die Fuhrleute sie bei Oy verließen und von da auf Nebenwegen nach Immenstadt und erst von dort nach Kempten fuhren. Eigentlich wäre der Bischof von Augsburg und der Fürstabt von Kempten baupflichtig gewesen, aber sie überließen den Bau gerne der Stadt, die dafür einen neuen Zoll erhielt zur Deckung der Kosten.

         
 
 
 
 
 

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(Fortsetzung von S. 7)

Vieles besserte dieser Vertrag an den Verhältnissen der beiden Postunternehmungen nicht. Besorgt stellte das Reichspostgeneralat 1777 fest, die Mißliebigkeit der Reichspost sei bei den meisten Ständen, besonders beim Erzhause Habsburg so sehr gewachsen, die gegenseitige Gereiztheit so gestiegen, dass man ständig Tätlichkeiten befürchten müsse. Die Stellung der vorderösterreichischen Posten biete ein „ärgerliches Beyspiel für andere widergesinnte Reichsstände“. Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis bot deshalb ein „Versöhnungsopfer“ an, nämlich einen für Österreich günstigen Pachtvorschlag mit einer Pachtsumme, die nach Taxischer Behauptung den realen Ertrag der vorderösterreichischen Posten um die Hälfte überstieg. Der Vorschlag führte dann auch am 1. April 1777 zum Abschluss eines Pachtvertrages, dessen Inhalt in den Hauptzügen hier mitgeteilt sei:

1. Vom 1. April 1777 werden die vorderösterreichischen Posten um jährlich 15 000 fl an den Fürsten von Thurn und Taxis verpachtet.

2. Der Fürst erhält alle bei den Oberpostämtern, Postämtern und Stationen einlaufenden Gelder, ferner die von Basel, Bern und Zürich an die Postkasse zu Waldshut abzuführenden Transito- oder Auslagegelder. Die bisher seitens österreich bei den Postämtern Lindau, Schaffhausen und Memmingen bezahlten Auslagegelder fallen weg.

3. Die Verwaltung der vorderösterreichischen Posten geht für die Dauer des Pachtverhältnisses auf den Fürsten von Thurn und Taxis über.

4. Der Fürst kann Postämter verlegen, aufheben, neue errichten, jedoch immer nur zum Nutzen des Publikums und des Handels und jeweils nur mit Genehmigung der Innsbrucker Hofkammer oder der betreffenden Landesstelle.

5. Alle Beamten sollen im Dienste belassen werden, bei Aufhebung der Postämter aber Wartegeld und im Alter oder bei dauernder Krankheit Pension erhalten in der Höhe von 1/2 bis 2/3 ihres Gehalts. (Kein Recht auf Ruhegehalt hatten u.a. die vorderösterreichischen Postmeister, weil diese nicht wie die Taxischen Postmeister höhere Berufsbeamte waren, sondern Vertragsabgestellte, meistens Gastwirte.)

6. Der Fürst übt das Disziplinarrecht aus.

7. Österreich übernimmt nach Ablauf der Pachtzeit die im Dienste stehenden Beamten.

8. Der Fürst von Thurn und Taxis beruft die Beamten. Der Generaldirektor darf nur nach kaiserlicher Zustimmung berufen werden.

9.Die Posttarife sollen unverändert bleiben, das Schweizer Transitgeld darf nicht erhöht werden.

10. Die Posten nach Italien und in den Vorlanden müssen auf den vorgeschriebenen Routen verkehren. Die Postillione haben die österreichische Livree zu tragen.

11. Als Direktoren, Verwalter, Controlorii und Postbedienstete dürfen nur österreichische Staatsangehörige gewählt werden. Dieselben sind auf den Kaiser zu verpflichten.

12. Die Postbeamten müssen angehalten werden, die Zollobrigkeit zu achten, auch bezüglich künftiger Verordnungen.

Die übrigen Punkte, die sich mit Erlegung des Pachtschillings und Ähnlichem befassen, können hier übergangen werden. Mehr als dieser Vertrag selber interessiert die Instruktion, welche der Fürst von Thurn und Taxis zur Durchführung des Vertrages für seine Beamten erließ. Nach dieser Instruktion sollte vor allem festgestellt werden, welche vorderösterreichischen Routen aufgehoben werden könnten. Da aber von österreichischer Seite Hemmungen zu gewärtigen waren (siehe unter 4. des Vertrages!) sollte jeder Vorschlag überzeugend begründet sein. Auch wenn sofortige Änderungen untunlich waren, sollte unablässig dienliches Material gesammelt werden. Den beteiligten Reichspostbeamten legte man ferner nahe, mit dem Oberpostverwalter Siegler zu Freiburg und dem Postamtsverwalter Kilian zu Waldshut ein möglichst freundliches Verhältnis zu pflegen. Die vorderösterreichischen Postbeamten mißbilligten die Verpachtung auf das schärfste. Siegler und Kilian nahmen eine von der Mehrheit abweichende Haltung ein.

Als Visitator wurde im Allgäu der Offizial Burck aufgestellt, der bei der Konferenz zu Freiburg 1774 als Aktuar waltete. Diesem Beamten fehlte es nicht an dienstlichem Eifer, ganz und gar aber an Klugheit. Schon bald musste das Reichspostgeneralat beklagen, die "grellen Vorgehungen" Burcks hätten den vorderösterreichischen Beamten "allerdings die Augen geöffnet", Burck stellte nämlich sofort die österreichischen Ritte zwischen Bregenz und Lindau ein und ließ nur noch einen Taxischen Reiter verkehren.

Es handelt sich hier um einen Kartenausschnitt von der Wiedergabe der Karte Südwestdeutschlands aus dem Hendschel-Atlas von 1793 des Fürstlich Thurn und Taxischen Zentralarchivs Regensburg. Dieser Nachdruck war Beilage Heft 1 „Archiv für Deutsche Postgeschichte“ 1968. Dargestellt sind Ausschnitte der Thurn und Taxischen Post-Distrikte. Das blaue Gebiet gehört zum Augsburger Ober-Post-Amts-District, das weiße Gebiet zum Ulmer Ober-Post-Amts-District und das gelbe Gebiet zum Vorderösterreichischen Post-Commissariats-District.

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Die Aufhebung der Stationen Nonnenbach (Kressbronn) und Eschach, Weiler und Dorenwaid kündete er dem Postverwalter zu Bregenz an. Den vorderösterreichischen Postmeister Rothmayer zu Leutkirch enthob er ohne weiteres seines Dienstes und übertrug dessen Funktion dem dortigen Taxischen Posthalter Biggel. Schlimmer noch als solch scharfer Abbau wirkte bei der kaiserlichen Regierung ein Vorstoß gegen das österreichische Hoheitsempfinden. Der Lindauer Postverwalter strich auf Befehl Burcks in der Amtskorrespondenz den Vordruck "Kaiserlich königliches Oberpostamt Bregenz" und setzte "Kaiserliches Reichspostamt Bregenz" darauf. Der Fürst von Thurn und Taxis wollte darin nur Mangel an "Courtoisie" sehen; die österreichischen Regierungsstellen aber deuteten den Vorfall als Anzeichen einer geplanten gewaltsamen Besitzergreifung. Die von der Reichspost bald darauf eingeleiteten Verhandlungen zwecks Abbau und Änderungen von vorderösterreichischen Posteinrichtungen wurden durch den Übereifer Burcks sehr erschwert.

Aufgehoben wurden auf Grund dieser Verhandlungen 1778 die in der Tat überflüssigen Routen Bregenz - Kempten und Bregenz - Altdorf, ferner die Linie Bregenz - Stockach. Die letzte Route ersetzte man 1786 durch den Fahrkurs Meersburg - Lindau - Bregenz. Zu Leutkirch musste der Postmeister Rothmayer wieder in Dienst gestellt werden. Man regelte die Angelegenheit so, dass Biggel den Poststall behielt, Rothmayer die Expedition. Die beiden Postämter zu Kempten, wovon eines in einem Keller sein Heim hatte, legt. man zusammen.

Von den vielen nicht verwirklichten Plänen sei einer genannt. Der Fürst von Thurn und Taxis wollte die alte Mailänder Boteneinrichtung, die bis dahin allen gewaltsamen Anschlägen getrotzt hatte, durch gütliche Vereinbarung in eine Postanstalt umwandeln. Er bot den Mailänder Boten zu Fußach eine jährliche Entschädigung von 1000 fl an, wenn sie auf alle Briefbeförderung zwischen Lindau und Mailand verzichtet hätten. Aber noch ehe sich die Boten entschieden hatten, zog er das Angebot zurück wegen der vom "intreßierten" Rat der Stadt Lindau und dem Mailänder Gouvernement zu befürchten gewesenen Schwierigkeiten.

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